EU-BeitrittskandidatAlbanien will Erneuerbare ausbauen

Person auf Fahhrad vor einem modernen Gebäude in Tirana
Albanien gewinnt einen Großteil seines Stroms aus Wasserkraft, für den Verkehrs- und Gebäudesektor wird Energie importiert. (Foto: Alexandr Bormotin auf unsplash / Unsplash Lizenz)

Strom kommt in Albanien zum großen Teil aus heimischer Wasserkraft. Industrie und Verkehr sind auf Energieimporte angewiesen. Das soll sich ändern. Das Land will Windkraft und Photovoltaik ausbauen und ab 2028 unabhängig von Importen sein.

02.02.2026 – Hatte man am Sonntagvormittag des 25. Januar 2026 nichts Besseres zu tun, als sich Europa online auf der Electricity Map anzuschauen, so sah man dort ein grünes Albanien inmitten einer braunen Balkanhalbinsel. Mit 29 Gramm Kohlendioxidäquivalenten pro Kilowattstunde verzeichnete das Adrialand zu diesem Zeitpunkt eine achtzehnmal geringere Kohlenstoffintensität als Serbien mit 530 gCO2eq/kWh. Abgesehen von der Region Südschweden war Albanien damit das Land mit der schadstoffärmsten Stromerzeugung in Europa.

Strom kommt meist aus Wasserkraft

Traditionell generiert Albanien seine Elektrizität so gut wie ausschließlich aus Wasserkraft, ergänzt durch einen kleinen, stetig wachsenden Anteil an Solarenergie. Serbien und die anderen Westbalkanländer sind dagegen für ihren Strom auf fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas angewiesen. Die Skipetaren aber zu Europameistern der Erneuerbaren Energien zu küren, wäre verkürzt. Denn Daten der International Renewables Agency (IRENA) vom September 2025 zufolge hatten fossile Brennstoffe bei ihrem Gesamtenergieverbrauch im Jahr 2022 mit einem Anteil von 51 Prozent noch die knappe Mehrheit. Verantwortlich dafür waren vor allem das Öl für Verkehr und Industrie.

Voraussichtlich zum Jahr 2030 will Albanien der Europäischen Union (EU) beitreten. Es sieht sich dafür in der Pflicht, seine Energiewirtschaft gemäß den EU-Direktiven zu dekarbonisieren. Dementsprechend sieht sein Nationaler Energie- und Klimaplan vor, den Anteil der Erneuerbaren am Gesamtenergieverbrauch in den kommenden vier Jahren auf 54,4 Prozent zu steigern.

Förderung für Photovoltaik und Solarthermie

Dafür hat die albanische Regierung in den vergangenen Jahren gesetzliche Regelungen und Fördermaßnahmen unter anderem für die private Nutzung von Photovoltaik und Solarthermie erlassen sowie für die Entwicklung von Kraftwerken regenerativer Energieträger. An der Küste und im Gebirge sehen Energieexperten großes Potenziale zur Nutzung von Solarenergie, Windkraft, Biomasse und Geothermie.

Flusslandschaften bewahren

Das staatliche Koman-Wasserkraftwerk am Fluss Drin im Norden des Landes ist mit einer Kapazität von 600 Megawatt das größte der rund 130 Wasserkraftwerke. Unter den privaten Wasserkraftbetreibern ist der norwegische Energieversorger Statkraft führend. Wasserkraftwerke ziehen mit ihren Staudämmen und Stauseen aber Flora und Fauna arg in Mitleidenschaft. Einer kürzlich von den Umweltschutzorganisationen EuroNatur und Riverwatch veröffentlichten Studie zufolge hat Albanien zwischen 2018 und 2025 1.144 Kilometer naturbelassener Flüsse eingebüßt.

„Flussabschnitte in naturnahem Zustand sind von 68 Prozent im Jahr 2012 auf nur noch 40 Prozent im Jahr 2025 zurückgegangen, schreiben die Autoren der Studie. Wachsender Widerstand von Bürgern und Umweltschützern gegen den Raubbau an der Natur durch Hydroenergie hat den Bau eines großen Wasserkraftwerks am Fluss Vjosa, einer der letzten wilden Flüsse Europas, verhindert. Im März 2023 erklärte die albanische Regierung das Vjosa-Tal zum Nationalpark.

Der Mix verschiedener Energieträger macht die Wirtschaft resilienter

Die Dominanz der Wasserkraft in der albanischen Elektrizitätswirtschaft birgt abgesehen von ihren ökologischen Folgen weitere Probleme. Auf dem World Energy Forum in Abu Dhabi fasste sie Albaniens Premierminister Edi Rama Mitte Januar 2026 in folgende Worte: Wenn Allah lacht und nicht weint, regnet es bei uns nicht und wir müssen Energie einführen, was schwierig ist.

Nicht nur der Importbedarf bei Dürren ist problematisch für die albanische Stromwirtschaft. Zuletzt sorgten Unwetter im vergangenen November für Überschwemmungen und Stromausfälle. Regierungschef Rama erkennt daher die Notwendigkeit der Diversifizierung der nationalen Elektrizitätserzeugerkapazität an. Dabei setzt seine Regierung vor allem auf Photovoltaik und Windkraft.  Der Plan verläuft gut. Wir glauben, dass wir bis Ende 2028 völlig unabhängig sein werden und keinen Strom mehr aus dem Ausland einführen müssen, erklärte er in Abu Dhabi.

Albanien will Stromexporteur werden

Rama will Albanien vom Stromimporteur zum Stromexporteur machen. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion zum Thema „Energiekorridore für eine nachhaltige Zukunft“ unterzeichnete er am 15. Januar 2026 in Abu Dhabi eine trilaterale Vereinbarung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Italien. Gemeinsam wollen die drei Partner für eine Investitionssumme von einer Milliarde Euro ein submarines Stromkabel vom albanischen Hafen Vlora zum süditalienischen Apulien legen. Bereits in drei Jahren will Albanien dann grünen Strom für den italienischen Markt liefern.

Laut Albaniens Energieministerin Belinda Balluku haben private Projektentwickler in den vergangenen Jahren 1,5 Milliarden Euro vor allem in Photovoltaik- und Windkraftprojekte investiert. Gegenwärtig verfüge ihr Land über eine PV-Kapazität im Stromnetz von 700 Megawatt zuzüglich von 400 Megawatt vor allem von industriellen Prosumenten.

Im September 2024 hat die französische Gesellschaft Voltalia ihren bei Karavasta errichteten Solarpark ans Netz genommen. Mit seiner Kapazität von 140 Megawatt ist er der größte auf dem Westbalkan. Im vergangenen April wurden zudem die Photovoltaikparks Sunny Side Solar mit einer Leistung von 100 Megawatt und Spy Blue 2 mit 50 Megawatt in Betrieb genommen. Für die kommenden fünf Jahre erwartet Ministerin Balluku eine kombinierte Kapazität von Solar- und Windenergie von rund 1,5 Gigawatt.

Noch keine Windenergieanlage in Betrieb

Doch momentan dreht sich in ihrem Land noch kein Windrad. Mitte Januar 2026 hat ihr Energieministerium dem Projektentwickler CWP Europe aber die Genehmigung zur Errichtung eines 600-MW-Windparks im nordalbanischen Tropoja erteilt. Er soll binnen Jahresfrist ans Netz gehen. Die von dem Bulgaren Dimitar Enchev geführte CWP Europe verfolgt in Albanien ein weiteres Windkraftprojekt mit 290 Megawatt geplanter Leistung. Sie zählt eigenen Angaben zufolge mit einem Portfolio an Windkraft über 6 Gigawatt und Photovoltaik über 1 Gigawatt zu den führenden Projektentwicklern in Südosteuropa.

Der heute in Bulgarien tätige PV-Entwickler Uwe Stöhr kennt aus eigener Erfahrung die Verhältnisse in Albanien. Der aufgrund des boomenden Absatzes an E-Autos massiv ansteigende Strombedarf wird künftig mit Hydroenergie nicht mehr zu decken sein, sagt er. Der Dresdner Ingenieur begrüßt den Verzicht der albanischen Regierung auf das Wasserkraftwerk im Vjosa-Tal, habe das Land doch mehr als genug Alternativen zur naturzerstörenden Hydroenergie.

Auf landwirtschaftlichen Nutzflächen hält er Agri-PV für möglich und die zahlreichen, zum Teil noch während des Sozialismus angelegten künstlichen Wasserflächen eigneten sich für Floating-PV. Dann können die Wasserreservoirs sowohl als Pumpspeicherkraftwerke als auch als PV-Parks genutzt werden. Tagsüber kann mit dem Strom aus Solarenergie das Wasser hochgepumpt werden und wenn die Sonne nachts nicht scheint, ist die Energie der Wasserkraft zu nutzen, erklärt Stöhr.

Im gebirgigen Norden des Landes sieht er gute Möglichkeiten für Windkraft- und Photovoltaik. Werden auf den unbewachsenen Berghängen Photovoltaikanlagen installiert, gehen keine landwirtschaftlich nutzbaren Flächen verloren“, so Stöhr. Frank Stier

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen