CO2-Emissionen: China beschönigt seine Klimabilanz

Wie China mit neuen Berechnungen CO2-Emissionen im Ausmaß des deutschen Jahresverbrauchs verschwinden ließ, haben Experten von Carbon Brief analysiert. Das Land hat offenbar die Berechnung seiner CO₂-Intensität geändert.
28.05.2026 – Es sind neue Zahlen, die aufhorchen lassen. Einer Analyse des Fachmediums Carbon Brief und dem Centre for Research on Energy and Clean Air zufolge, wären Chinas CO2-Emssionen, bisherigen Berechnungen folgend, zwischen 2020 und 2025 um 14 Prozent gestiegen. Damit hätte China seine anvisierten Klimaziele für diesen Zeitraum weit verfehlt. Die Klimaziele berechnet das Land, anders als andere Staaten, anhand der sogenannten CO2-Intensität.
Dieses misst die CO2-Emssionen pro Einheit an Wirtschaftsleistung – dem Bruttoinlandsprodukt (BIP). Mit wachsender Wirtschaftsleistung können also auch die CO2-Emissionen steigen, den Klimazielen entsprechend nur nicht im gleichen Maße. Nach den bisherigen Berechnungen hätte das Plus von 14 Prozent an Emissionen, ein Minus bei der CO2-Intensität von 12,4 Prozent ausgemacht. China aber hat ein Minus von 18 Prozent anvisiert.
Eine neue Definition der CO2-Emissionen seitens Chinas, sieht jedoch nur noch einen Anstieg von 7 Prozent zwischen 2020 und 2025 vor. Das würde ein Minus der CO2-Intensität von 17,7 Prozent ausmachen und das eigene Klimaziel wieder in Reichweite rücken. „Bis zu diesem Jahr war es möglich, die veröffentlichten Zahlen genaustens nachzuvollziehen. Aber die Arten der Emissionen in der Metrik der CO2-Intensität haben sich offensichtlich geändert“, erklärt Lauri Myllyvirta, leitender Analyst bei, Centre for Research on Energy and Clean Air und Autor der Analyse bei Carbon Brief.
Änderung in der Fußnote
Eine Fußnote im neuesten Communique des chinesischen Staates zur CO2-Intensität zeigt, laut Myllyvirta, was sich geändert hat. Wurden zuvor fossile Emissionen aus der energetischen Nutzung sowie auch die nichtenergetische Nutzung fossiler Brennstoffe, wie etwa Kohle, Öl oder Gas als chemische Ausgangsstoffe, gemessen, fällt der neuen Logik des chinesischen Staates nach, die nichtenergetische Nutzung raus, dafür beinhaltet sie aber neu, industrielle Prozessemissionen, zum Beispiel aus der Zementherstellung.
Für China bedeutet die neue Lesart auf dem Papier 700 bis 730 Millionen CO2-Emissionen weniger pro Jahr. Zum Vergleich: Das Umweltbundesamt vermeldete für Deutschland insgesamt 649 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente für das gesamte Jahr 2025. Auch wenn CO₂-Äquivalente weitere Emissionen etwa aus Methan umfassen, zeigt es doch die Größenordnung, die die neue Lesart ergibt.
Der alten Lesart der CO₂-Intensitätswerte und des BIP-Wachstums nach, ergäbe sich bis 2025 ein Emissionsanstieg um rund 1.430 Millionen Tonnen CO₂. Die neu berichteten Intensitätswerte implizieren dagegen nur rund 690 Millionen Tonnen CO₂ Zuwachs. Das zeigt laut Analyse von Lauri Myllyvirta auch, dass Chinas Chemieindustrie in den vergangenen fünf Jahren mehr als die Hälfte des Wachstums beim fossilen Gesamtverbrauch verursacht haben muss.
Laut Carbon Brief bleibt die vollständige Methodik Chinas aber unklar. Begrenzte Daten würden eine Überprüfung erschweren zitiert das Medium die Klimaforscherin Ryna Cui von der University of Maryland. Eine Bitte Carbon Briefs um Stellungnahme beim chinesischen Statistikamt und dem Umweltministerium, ließen diese bislang unbeantwortet.
China setzt auf Erneuerbare UND Fossile
Ob bei der Solarenergie, Windkraft, Elektromobilität oder Batteriespeichern, bei so gut wie allen grünen Technologien gibt China global den Ton an, ist führend beim heimischen Ausbau und bestimmt mit seinen Produkten den Weltmarkt. Doch bei Chinas wachsendem Energiehunger bleiben auch Kohle- und Gaskraftwerke wichtige Lieferanten. Chinas gesamte installierte Stromerzeugungskapazität lag Ende 2025 laut National Energy Administration bei 3.891 Gigawatt. Davon entfielen 1.539 Gigawatt auf thermische Kraftwerke, also vor allem Kohle und Gas, daneben auch kleinere Anteile Öl, Biomasse und andere thermische Anlagen. Zum Vergleich: Solar lag Ende 2025 bei 1.202 Gigawatt, Wind bei 640 Gigawatt.
Zwar zeichnet sich ein Abwärtstrend bei der Kohleverstromung in China ab, doch noch immer werden neue Kraftwerke gebaut. Ebenfalls Analysen von Carbon Brief zufolge, gingen 2025 rund 95 Gigawatt Kohlekraftwerke ans Netz, für 83 Gigawatt wurde der Bau begonnen und 161 Gigawatt neue oder reaktivierte Kohleprojekte wurden eingereicht.
Bis 2030 sieht China eine weitere Senkung der CO2-Intensität vor – um mehr als 65 Prozent gegenüber 2005. Bis spätestens dann will das Land den Peak an Emissionen erreicht haben – Expert:innen gehen von einem Peak schon früher aus. Spätestens 2060 will man klimaneutral wirtschaften. Die Frage ist, wie belastbar künftige veröffentlichte Zahlen seien werden. Hier hat China noch Nachholbedarf. mg




















































