Iran-Krieg: Der Ölpreis steigt, Russland profitiert

Der Iran-Konflikt lässt Ölpreise steigen und füllt Russlands Kriegskasse. Aufgrund der Marktturbulenzen diskutiert die US-Regierung nun sogar über eine Lockerung der Ölsanktionen. Ein gefährliches Signal.
13.03.2026 – Der Iran-Krieg seit Ende Februar hat erhebliche Turbulenzen an fossilen Märkten ausgelöst. Von den steigenden Ölpreisen profitiert vor allem Russland, zeigen Daten des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA), ausgewertet durch die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald.
„Russland profitiert bereits jetzt von dieser geopolitischen Krise. Das ist die Realität der fossilen Geopolitik: Wenn die Märkte in Panik geraten, kassieren autoritäre Exporteure ab“, sagt Alexander Kirk, Sanktions-Campaigner bei urgewald.
Milliarden mehr für russisches Öl
Weitreichende Sanktionen aufgrund des Kriegs Russlands gegen die Ukraine hatten die russische Wirtschaft zuletzt zunehmend geschwächt. Die israelischen und US-amerikanischen Angriffe auf den Iran füllen die russische Kriegskasse nun wieder – durch den steigenden Ölpreis.
Mit durchschnittlichen Einnahmen von rund 510 Millionen Euro pro Tag stiegen die Erlöse im Vergleich zum Vormonat um etwa 14 Prozent. Insgesamt flossen so seit Beginn der israelischen und US-amerikanischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar schätzungsweise sechs Milliarden Euro nach Moskau.
Die Kaufkraft des russischen Militärs wird damit erheblich gestärkt. Die täglichen Exporteinnahmen würden theoretisch ausreichen, um pro Tag rund 17.000 Shahed-136-Angriffsdrohnen zu finanzieren.
Lockerung der Sanktionen würde vor allem Russland dienen
In Washington diskutiert die Trump-Administration derzeit offen über eine Lockerung der bestehenden Sanktionen gegen russisches Öl, um die weltweiten Energiepreise zu stabilisieren. Die Situation ist mehr als kurios: Der Iran-Krieg, der die Ölpreise steigen lässt und Russland nützt, soll nun die Rücknahme von Sanktionen gegen Russland rechtfertigen. Finanzminister Scott Bessent hat bereits eine erste 30-tägige Ausnahmeregelung für Indien unterzeichnet, damit dort bereits verschiffte Rohölmengen entgegengenommen werden können.
Eine Lockerung der Sanktionen würde Russland nicht zwingend dazu bewegen, mehr Öl zu fördern. Vielmehr würde es Moskau ermöglichen, bestehende Mengen ohne den bisherigen Sanktions-Abschlag zu Weltmarktpreisen zu verkaufen. Die Folge wäre ein finanzieller Windfall-Profit für den Kreml, ohne dass die Versorgungssicherheit im Westen nachhaltig gestärkt würde.
Importverbote und Preisobergrenzen
In Reaktion auf Russlands Krieg gegen die Ukraine hat die EU – abgestimmt mit den USA, Großbritannien, Kanada und weiteren Partnerländern – zunehmend Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Ziel ist es, die Profitmarge des Kremls trotz hoher Weltmarktpreise für fossile Produkte minimal zu halten.
Seit Ende 2022 gilt ein dynamischer Preisdeckel: Westliche Unternehmen dürfen Dienstleistungen – wie Versicherungen, Finanzierung oder Transport – für russisches Öl an Drittstaaten nur erbringen, wenn es zu einem Preis unter einer festgesetzten Obergrenze gekauft wurde. Seit dem 1. Februar 2026 gilt die gesenkte Obergrenze von 44,10 US-Dollar pro Barrel Rohöl.
Die Einfuhr von russischem Rohöl und Erdölerzeugnissen per Tanker in die EU ist zudem seit Ende 2022 fast vollständig untersagt. Für die Pipeline Druschba galten lange Ausnahmen, besonders für Ungarn. Diese Lieferungen sind jedoch derzeit gestört, da die Ukraine den Transit nach russischen Angriffen auf die Infrastruktur im Januar 2026 unterbrochen hat. Ende 2025 einigte sich zudem die Mehrheit der europäischen Länder, russische Gaslieferungen bis Ende 2027 vollständig zu beenden.
Russland nutzt eine Flotte aus oft alten, intransparent versicherten Tankern, um die westlichen Sanktionen zu umgehen. Es wird angenommen, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Schiffe, die in der Straße von Hormus festsitzen, zur Schattenflotte gehört.
Kein fossiles Einknicken
„Dies ist eine politische Entscheidung. Die Regierungen können an den Sanktionen festhalten oder signalisieren, dass der Westen immer einen Grund zum Einknicken finden wird, sobald die Energiepreise hoch genug steigen“, sagt Kirk. „Diese Entscheidung wird nicht nur das Leiden in der Ukraine verlängern, sondern die Sicherheit ganz Europas untergraben.“
Urgewald fordert die Vereinigten Staaten und die europäischen Regierungen auf, den bestehenden Sanktionsrahmen aufrechtzuerhalten, jegliche Ausnahmeregelungen abzulehnen und die verbleibenden Schlupflöcher umgehend zu schließen. jb


















































