Halbjahresbilanz 2026: Die Erneuerbaren im Stromsystem – Preise, Erzeugung, Zubau

Das erste Halbjahr zeigte: Die Auswirkungen des Iran-Kriegs schlugen nicht auf die Strompreise durch. Ein Verdienst der Erneuerbaren mit günstigen Gestehungskosten und einem Anteil von 61,8 Prozent an der Nettostromerzeugung in Deutschland.
03.07.2026 – Die Strompreise entkoppeln sich weitgehend von den Gaspreisen, das ist die wichtigste Botschaft aus der Strommarkt-Bilanz des ersten Halbjahres 2026. Hätten die Gaskraftwerke nach dem Merit-Order-Prinzip den Strompreis bestimmt, wären die Stromkosten entsprechend deutlich gestiegen. Der Börsenstrompreis sank dagegen nach Kriegsbeginn auf 95,58 Euro pro Megawattstunde, da die erneuerbaren Energien ab März mit ihren günstigen Gestehungskosten die Preise drückten. So lautet die Analyse der Energy-Charts des Fraunhofer ISE. „Wir ernten jetzt die Früchte eines ambitionierten Ausbaus insbesondere von Photovoltaik und Windenergie“, kommentierte Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG.
Preisspitzen und negative Preise
Die starke Erzeugung von Wind und Photovoltaik führt jedoch auch zu immer mehr Stunden, an denen der Day-Ahead Börsenstrompreis negativ ist. Dann regeln immer mehr Anlagen in der Direktvermarktung ohne Förderung ab. Laut einer Analyse der naturstrom AG lag der Börsenstrompreis zwischen Januar und Juni in 291 Stunden unter Null, ein Rückgang um rund 25 Prozent im Vergleich zu 2025 (389).
Die Zahl der Hochpreis-Stunden mit Preisen über 15 Cent pro Kilowattstunde (kWh) stieg leicht von 420 auf 464. Der durchschnittliche Preis lag mit 9,87 Cent leicht über Vorjahresniveau (9,07 Cent). Hochpreisphasen hatte es vor allem zuletzt in den Tagen mit starker Hitze gegeben – in den Abendstunden war der Energiebedarf hoch, bei gleichzeitig gedrosselter Leistung konventioneller Kraftwerke, wie im Kommentar zur Veröffentlichung der Energy-Charts erklärt wird. Die Erzeugungsspitzen und Flauten zeigen demnach den Bedarf an untertägiger Speicherung und Flexibilitäten.
Zwar stieg die Kapazität der Stromspeicher nach Daten der Energy-Charts im ersten Halbjahr von 25,4 auf 29,6 Gigawattstunden (GWh) – damit wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres bereits mehr große Batteriespeicher in Betrieb genommen als im gesamten Vorjahr. Es verbleibt aber noch eine deutliche Speicherlücke, um eine Verschiebung von Überschussstrom in die Stunden schwacher Erzeugung zu ermöglichen. Der Ausbau der Batterien für die untertägige Speicherung könnte negative Börsenstrompreise tagsüber und Preispeaks in den Abendstunden verringern.
Steigende Erzeugung aus Wind- und Solaranlagen
Laut den Daten der Energy-Charts legte die Erzeugung aus Windkraftanlagen zu – verglichen mit dem windschwachen 1. Halbjahr 2025: bei den Offshore-Anlagen von 11,4 Terawattstunden (TWh) auf den neuen Rekordwert von 14,6 TWh, Onshore von 48,7 TWh auf 52,8 TWh. Die Windkraft steigerte damit ihren Anteil an der öffentlichen Nettostromerzeugung von 28,8 auf 30 Prozent.
Die Netzeinspeisung aus Photovoltaik lag mit 43,2 TWh um zehn Prozent höher als im Vorjahr (39,3 TWh) und erreichte damit ein Allzeithoch. Auch EU-weit war die Einspeisung aus Photovoltaik auf Rekordniveau und ist seit 2015 um 254 Prozent gestiegen. Leicht rückläufig war dagegen die Erzeugung aus Wasserkraft (7,8 TWh nach 8,1 in 2025), die auf dem niedrigsten Stand seit 2015 lag. Auch die Netzeinspeisung aus Biomasse ging leicht zurück (17,9 TWh nach 18,3 in 2025).
Die Erzeugung aus den fossilen Energieträgern Erdgas, Braun- und Steinkohle stieg gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 78,6 TWh. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung lag mit 61,8 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie im ersten Halbjahr 2025 (61,3 Prozent).
Der Anteil erneuerbarer Energien an der Last (diese umfasst den Stromverbrauch und die Verluste bei der Stromübertragung) stieg von 55 auf 58,5 Prozent und erreichte damit einen neuen Rekord.
Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) berechneten eine Quote von 58 Prozent.
Photovoltaik-Zubau bei sieben Gigawatt
Ungefähr die Hälfte der neuen PV-Anlagen entstand auf Gebäudedächern: Anlagen mit in Summe 2,1 Gigawattleistung im Segment bis 30 Kilowatt, im Segment bis ein Megawatt kamen 1,1 Gigawatt Leistung hinzu. Auf Freiflächenanlagen entfallen 3,6 Gigawatt der neu installierten Leistung. Insgesamt waren damit am Ende des ersten Halbjahres 124,8 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert. Die installierte Wechselrichterleistung stieg von 107,7 auf 113,8 Gigawatt. Die guten Zahlen werden getrübt durch die Aussicht, dass kleine Dachanlagen zukünftig gänzlich ohne Vergütung auskommen sollen. Der Bruttozubau der Windenergie an Land betrug rund 1,7 Gigawatt Leistung.
Auch Offshore werden neue Anlagen angeschlossen: die letzten Anlagen im Windpark Borkum Riffgrund 3, etappenweise erfolgt die Inbetriebnahme des Offshore-Windparks He Dreiht nordwestlich von Borkum und vor der Insel Rügen in der Ostsee der Windpark Windanker noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.
Ausschreibungsergebnisse im ersten Halbjahr – gemischt
Die Gebotsrunden im Februar und im Mai 2026 für die Windenergie an Land waren beide stark überzeichnet, die erste um rund 4,4 Gigawatt, die zweite um rund vier Gigawatt. Das heißt baufertige genehmigte Projekte mit einem Volumen von 8 Gigawatt Leistung gingen leer aus und warten nun auf die nächste Runde. Die angekündigte Sonderausschreibung für Windenergie an Land in Höhe von 12 Gigawatt lässt weiter auf sich warten – im Entwurf der EEG-Novelle ist sie nicht enthalten. Insgesamt wurden in den beiden Ausschreibungsrunden Projekte mit einem Volumen von knapp 6 Gigawatt bezuschlagt.
Für PV-Freiflächen gab es einen Gebotstermin zum 1. März. Auch hier gingen deutlich mehr Gebote ein als bezuschlagt wurden. Das Volumen der Projekte, die zukünftig mit einer EEG-Förderung rechnen können, betrug 2,3 Gigawatt. Die Ergebnisse der letzten Ausschreibung des Jahres 2025 wurden im Februar bekannt gegeben – diese Runde war mehr als doppelt überzeichnet. Bezuschlagt wurden 2,3 Gigawatt.
Das große Interesse von bei den Ausschreibungen für Windenergie an Land und PV-Freiflächen rührt auch daher, dass viele Projektierer noch vor dem Inkrafttreten des EEG 2027 einen Zuschlag erhalten wollen. Die dann geplanten Differenzverträge schmälern die Erlöse der Betreiber.
Die Gebote in der Innovationsausschreibung bezogen sich alle auf Anlagenkombinationen von Solaranlagen und Speichern. 27 Geboten mit einem Umfang von 482 Megawatt wurde ein Zuschlag erteilt. Hier trifft das Projektinteresse in etwas die Ausschreibungsmenge.
Ausschreibungsvolumina nicht ausgeschöpft
Ganz anders das Bild bei Solaranlagen auf Gebäuden und Lärmschutzwänden. Hier gingen weniger Gebote ein als ausgeschrieben waren. 283 Megawatt hätten bezuschlagt werden können, im Verfahren bewarben sich nur Projekte mit in Summe 177 Megawatt. 85 Gebote mit einem Volumen von 155 Megawatt erhielten einen Zuschlag.
Unterzeichnet war auch die Ausschreibung zur Biomasse. Von 727 Megawatt hätten einen Zuschlag erhalten können, nur 491 Megawatt erhielten ihn.
Erstmals seit der Ausschreibung im Oktober 2022 konnten wieder Zuschläge für Biomethananlagen erteilt werden. Bei einer ausgeschriebenen Menge von 61 Megawatt zum 1. April wurden sechs Gebote mit einer Gebotsmenge von 38 MW eingereicht. Alle Gebote erhielten einen Zuschlag. pf



















































