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EEG-Novelle







Energiepolitik auf Kurs bringenEin kostengünstiges und resilientes Erneuerbares Energiesystem ist möglich

Im Vordergrund Biogasanlage, daneben Photovoltaik-Freifläche, im Hintergrund Windkraftanlagen
Die Erneuerbaren Branche bietet Lösungen, um das Energiesystem resilient und kostengünstig umzubauen. (Foto: Rhein-Hunsrück Entsorgung AöR)

Angesichts der energiepolitischen Signale aus Regierungskreisen sind die Einzelverbände der Erneuerbaren Energien alarmiert. Gemeinsam präsentieren sie ihre Lösungen, um das Energiesystem resilient und kostengünstig umzubauen.

27.03.2026 – Viele der Lösungsvorschläge der Erneuerbaren Branche für ein kostengünstiges und resilientes Stromsystem sind seit längerem formuliert. Die aktuelle Richtung der Gesetzgebung ignoriert diese Stimmen. Zwar sind EEG-Reform und Netzpaket bisher nur unbestätigte Leaks und damit keine offiziellen Gesetzentwürfe, aber gerade das macht es der Branche schwer, in einen vernünftigen Dialog mit Koalition und Ministerien zu treten.

Und auch das Eckpunktepapier zum Gebäudemodernisierungsgesetz weist in die gleiche Richtung: Orientierung in Form der 65-Prozent-Erneuerbaren-Vorgabe beim Einbau neuer Heizungen geht verloren und führt zu Unsicherheit bei Herstellern und Investoren. Die jetzt drohenden Maßnahmen seien in Summe geeignet, „den Aufwuchs der Erneuerbaren zum Erliegen zu bringen“, sagte BEE-Präsidentin Ursula-Heinen Esser.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben die Vorstände der im Bundesverband Erneuerbare Energien organisierten Einzelverbände für jede der vertretenen Erzeugungsarten ihre Betroffenheit dargelegt. Für die Solarbranche ist vor allem das Förder-Aus für Solaranlagen bis 25 Kilowatt Leistung, das mit der EEG-Reform kommen könnte, ein „Frontalangriff auf die Bürgerenergie“, wie BSW-Solar Geschäftsführer Carsten Körnig es formulierte. Solange die Vermarktung von Kleinstmengen Solarstrom, der nicht selbst genutzt werden kann, kompliziert und nahezu unmöglich ist, dürfe es einen solchen Einschnitt nicht geben. Die fixe Vergütung stellt in diesem Segment eine wichtige Finanzierungssäule. Zudem sei mit dem Solarspitzengesetz bereits ein wichtiges Instrument geschaffen, da in Zeiten negativer Preise keine Vergütung mehr gezahlt wird.

Für die kleine Wasserkraft machte Hans-Peter Lang deutlich, was ein Ende der fixen Vergütung für Folgen hätte. Mehr als die Hälfte der kleinen Wasserkraftwerke, die vor allem in Bayern regionalen Strom erzeugen, wäre betroffen. Sie sind meist sehr alt und müssen modernisiert werden. Investitionen ohne fixe Vergütung wären schlichtweg unmöglich zu stemmen, warnte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Wasserkraftwerke.

Die Erneuerbaren-Branche, die insgesamt 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland sichert, hat ihre Vorschläge zur Beschleunigung des Netzausbaus, zur Senkung der Redispatch-Kosten, zur Stärkung der Planungssicherheit für Investoren und zur pragmatischen Umsetzung der Energiewende im Wärmesektor noch einmal in einem gemeinsamen Eckpunktepapier zusammengestellt.

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Unsere Netze langweilen sich 90 Prozent des Tages

In Bezug auf das Netzpaket ist vor allem der Redispatch-Vorbehalt für neue Anlagen ein unkalkulierbares Risiko und wird deshalb in den betroffenen Gebieten den Bau neuer Windkraft- und Solaranlagen verhindern – so die übereinstimmende Meinung. Vorgeschlagen wird stattdessen, die Überbauung von Netzverknüpfungspunkten zu stärken. Die bisherige Kann-Regel, die Anfang 2025 im § 8a EEG festgelegt wurde, sei unzureichend. Anlagenbetreiber sollten das explizite Recht haben, eine NVP-Überbauung umzusetzen.

Außerdem sollte bei Netzengpässen nicht die erzeugende Anlage abgeregelt werden, sondern der Strom gespeichert werden können oder in andere Nutzungsformen umgewandelt. Mit Freileitungsmonitoring könnten Potenziale in den Hochspannungsleitungen gehoben werden. Weitere Vorschläge reizen Ausbau, Ertüchtigung und Optimierung der Netze an. Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands Windenergie, formulierte es zugespitzt: „Wenn in diesem Land mehr gearbeitet werden soll, dann sollten auch die Netze keine Ausnahme sein. Unsere Netze langweilen sich an 90 Prozent des Tages.“

Bei EEG-Reform nicht nur auf Großkraftwerke schauen

Statt primär auf Großprojekte zu fokussieren, sollte der EE-Ausbau weiterhin auch verbrauchs- und bürgernah erfolgen, heißt es im Eckpunktepapier. PV-Dachanlagen im Heim- und Gewerbesegment haben sich dafür ausgezeichnet bewährt. Sie bieten unzähligen Privathaushalten und mittelständischen Betrieben Zugang zu preiswerter Energie. Die fixe Einspeisevergütung darf nicht entfallen. Die Pflicht zur Direktvermarktung sei ein untaugliches Instrument und gleicht der Forderung an Landbewohner, an Stelle des Autos den nicht vorhandenen Bus zu benutzen.

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Statt teuren zentralen Kraftwerken sollte der Fokus der deutschen Energiepolitik stärker auf einer ganzheitlichen Flexibilisierungsstrategie liegen und einem dezentralen erneuerbaren Back-up aus Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie, KWK, Speichern und Sektorenkopplung. Bioenergie allein könnte dabei einen enormen Beitrag für ein kosteneffizientes Back-up leisten: 24 GW gesicherte Leistung bis 2040 – ohne neue Gaskraftwerke, die Stromkosten kurz- und mittelfristig treiben würden.

Mengenbasiert vergüten und Bioenergie stärken

Zudem könnten die Stunden mit negativen Preisen reduziert werden, indem von einer zeitbasierten Förderung (20 Jahre) auf eine mengenbasierte Förderung abgestellt wird – auch das eine seit längerem von der Erneuerbaren Branche aufgezeigte Lösung.

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Für die Bioenergie wird eine Erhöhung des Ausschreibungsvolumens auf das Zwei- bis Dreifache gefordert. So könnten bestehende Anlagen mit Speichern und zusätzlichen Generatoren ausgestattet werden und so – ohne mehr Flächenverbrauch zum Anbau von Biomasse – zeitversetzt je nach Bedarf größere Strommengen bereitstellen.

Industriedirektbelieferungen vereinfachen

Von der Industrie gewünschte Direktbelieferungen mit Strom hellfen Energiekosten zu senken. Diese Form der Energiebelieferung gilt es zu stärken – netzrechtliche Hürden, Umlagen und Abgaben abzubauen. Insbesondere dürften diese Vertragsmodelle nicht durch das neu im EEG zu schaffende Differenzvertragsmodell unattraktiv gemacht werden – wenn etwa nicht realisierte Erlöse abgeschöpft werden.

Wärmesektor nicht sich selbst überlassen

Um im Wärmesektor immer weniger auf fossile Energieträger zurückgreifen zu müssen, sollte die jetzt angedachte Biotreppe ambitioniert und klar ausformuliert sein. Die Abgeordneten im Bundestag müssten wissen, worüber sie abstimmen. Andere gleichwertige Erneuerbare Technologien sollten als Erfüllungsoption in der Bio-Treppe anerkannt werden. Wenn die ordnungsrechtliche Vorgabe (65-Prozent-Ziel) wegfällt, müssten attraktive Förderbedingungen für den Heizungstausch zwingend aufrechterhalten werden.

In ihrem Abschluss-Statement betonte Heinen-Esser auf der Pressekonferenz: „Wir wollen den Gesetzgebungsprozess auf keinen Fall stoppen, sondern in einen vernünftigen Austausch mit dem Gesetzgeber treten. Wir fordern ein klares Bekenntnis zu Erneuerbaren Energien, dass sich auch in den ausformulierten Gesetzestexten niederschlägt.“ pf

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