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Wettbewerb im Strom- und GasmarktEnergiemarktanalyse für 2025

Stromleitungen über Feld, im Hintergrund ein Dorf
Auf dem Strom- und Gasmarkt herrscht ausreichend Wettbewerb, von dem die Kunden profitieren – so die Analyse des Bundeskartellamtes. (Foto: Thomas B. auf Pixabay)

Wettbewerb sorgt für Stabilität auf den Energiemärkten. Dieses Fazit ziehen Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur bei der Vorstellung des diesjährigen Monitorings des Strom- und Gasmarktes. Die Vielfalt der Angebote bringt Vorteile für Kunden.

28.11.2025 – Das Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur haben ihren gemeinsamen Monitoringbericht 2025 zu den Entwicklungen auf den deutschen Strom- und Gasmärkten veröffentlicht. Der Bericht, der in diesem Jahr zum zwanzigsten Mal erscheint, analysiert vor allem die Daten des Jahres 2024 und berücksichtigt bereits relevante Entwicklungen aus dem Jahr 2025.

„Die Entflechtung von Erzeugung, Netz und Vertrieb hat sich aus wettbewerblicher Sicht als Erfolgsgeschichte erwiesen“, erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „Im Bereich der Strom- und Gasvertriebsmärkte beobachten wir inzwischen eine Vielfalt an Angeboten, die weit über die ursprünglichen Erwartungen hinausgeht.“ Zu Beginn der Liberalisierung stand den meisten Kundinnen und Kunden nur ein Lieferant zur Auswahl; 2024 konnten Haushalte bereits zwischen 139 Strom- und 108 Gasanbietern wählen. Mundts Fazit: Auf diesen Märkten ist seit über einem Jahrzehnt kein Anbieter mehr als marktbeherrschend anzusehen.

Weniger Kunden in der Grundversorgung

Die Lieferantenwechselquoten erreichten 2024 neue Rekordstände. „Die Zahlen zeigen, dass Verbraucher heute mehr Möglichkeiten denn je haben, den für sie passenden Tarif auszuwählen“, erklärt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Trotz der Herausforderungen der Energiekrise 2022/2023 bewies der Markt seine Widerstandsfähigkeit und hat sich 2024 stabilisiert. Das zeigt sich auch am Rückgang der Anteile der Strom- und Gaskundinnen und -kunden in der Grundversorgung, die 2024 wieder dem langfristigen Trend folgten. Im Strombereich lag der Anteil der Kundinnen und Kunden in der Grundversorgung nur noch bei rund 22 Prozent, im Gasbereich sogar bei nur rund 16 Prozent.

Hohe Wechselbereitschaft und leicht sinkende Energiepreise

Das Vertrauen in funktionierende Marktmechanismen zeigt sich erneut bei den Lieferantenwechseln: 2024 wechselten rund 7,1 Millionen Stromkundinnen und -kunden ihren Anbieter – ein Plus von 18 Prozent und ein neues Allzeithoch. Die Wechselquote lag bei rund 14 Prozent, zusätzlich nahmen über 3,3 Millionen Kundinnen und Kunden Vertragsanpassungen beim bisherigen Lieferanten vor. Auch im Gasmarkt erreichten die Wechsel mit rund 2,3 Millionen Haushalten einen Rekordwert (Vorjahr 1,8 Millionen). Die Wechselquote betrug etwa 17 Prozent; rund 1,2 Millionen Gaskundinnen und -kunden passten ihre Verträge selbständig an.

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Preislich zeigte sich im Frühjahr 2025 eine gewisse Entspannung. Haushaltskundinnen und -kunden zahlten für Strom durchschnittlich 40,1 ct/kWh und damit etwa vier Prozent weniger als im Vorjahr und für Gas 12,13 ct/kWh (rund drei Prozent weniger). Mit der seit 2025 geltenden Pflicht für Stromlieferanten, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten, nimmt die Bedeutung flexibler, verbrauchsnaher Produkte weiter zu.

Auch die Preise für Industrie- und Gewerbekunden sanken. So betrug der Strompreis rund sechs Prozent weniger als der durchschnittliche Vertragspreis des Vorjahres, und im Gasbereich setzte sich der Preisrückgang in der Tendenz ebenfalls weiter fort.

Die Preisrückgänge sind vor allem auf deutlich niedrigere Großhandelspreise und eine hohe Marktliquidität zurückzuführen. Die teils sehr hohen Preisspitzen während sogenannter Dunkelflauten wurden von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt untersucht. Hinweise auf missbräuchliches Verhalten ergaben sich nicht.

Wandel in der Stromerzeugung

Neben der Marktentwicklung zeigt der Bericht auch den tiefgreifenden Wandel in der Stromerzeugung, der zunehmend von erneuerbaren Energien geprägt ist. „Die Energiewende zeigt klare Fortschritte. Im Jahr 2024 stammten bereits 54 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen – eine enorme Steigerung gegenüber 2005“, hebt Klaus Müller hervor.

Seit 2005 hat sich der Energiemix deutlich von fossilen und nuklearen hin zu erneuerbaren Quellen verschoben. 2024 ging die Stromproduktion aus Braunkohle um neun Prozent und aus Steinkohle um 30 Prozent zurück – bedingt durch Kraftwerksstillegungen, den weiteren Ausbau der Erneuerbaren und niedrige Gasgroßhandelspreise. Deutlich zugenommen hat die Stromerzeugung aus Solarenergie (+18,6 Prozent), Wasserkraft (+13,3 Prozent) und Offshore‑Wind (+9,4 Prozent), während On-shore‑Wind infolge eines windärmeren Herbstes 2024 um 3,3 Prozent zurückging.

Marktkonzentration in der Erzeugung: fünf „Große“ mit Anteil von 55 Prozent

Bei der konventionellen Stromerzeugung haben die fünf größten Unternehmen einen gemeinsamen Anteil von rund 55 Prozent. RWE bleibt Marktführer. „An diesen Anteilswerten ist jedoch der marktmachtsteigernde Effekt von Kraftwerksstilllegungen nicht ablesbar. Die deutliche Verringerung der marktlich einsetzbaren konventionellen Kapazitäten – vor allem durch die Rückkehr zum ursprünglichen Kohleausstiegspfad – hat die Marktmacht insbesondere der größten Erzeuger spürbar erhöht“, erklärt Andreas Mundt. „Bei insgesamt knapperen Kapazitäten werden die verbleibenden Anlagen häufiger unverzichtbar für die Deckung der Nachfrage.“

Auch der Gasmarkt hat sich seit dem ersten Monitoringbericht grundlegend verändert. Nach dem Wegfall russischer Pipelineimporte fungiert Deutschland heute als wichtiger europäischer Import-Hub, mit stärkerer Ausrichtung auf LNG und Lieferungen aus Nordeuropa. Anders als im Vertrieb bleibt die Marktkonzentration bei den Gasspeichern weiterhin sehr hoch.

Investitionen im Netzausbau

Der Monitoringbericht begleitet und dokumentiert neben den allgemeinen Entwicklungen auf den Strom- und Gasmärkten auch die Energiewende und die Entwicklung der erneuerbaren Energien. Das gesetzlich verankerte Ziel von 80 Prozent erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030 steht insoweit im Fokus und wird flankiert von kontinuierlichem Netzausbau, steigenden Investitionen und weiterhin spürbaren Kosten für das Netzengpassmanagement.

Die jüngst von der Bundesnetzagentur erteilten vollständigen Genehmigungen für A-Nord und Ultranet sowie SuedLink markieren wichtige Meilensteine der Umsetzung. Die Investitionen der Übertragungsnetzbetreiber beliefen sich im Jahr 2024 auf rund 16,5 Milliarden Euro und haben sich damit gegenüber dem Jahr 2005, als sie noch bei 643 Millionen Euro lagen, um ein Vielfaches erhöht.

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