Experten legen Bericht vor: Energiewende braucht dringend politische Reformen

Marktdesign anpassen, Strategie für Wasserstoff und keine sich widersprechenden Politikmaßnahmen – das sind die drei Handlungsfelder, die die unabhängige Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring in ihrem Bericht heraushebt.
11.12.2025 – Seit 2011 gibt es die unabhängige Expertenkommission für das Monitoring der Energiewende. Sie hat am Dienstag ihren jährlichen Bericht an das Bundeswirtschaftsministerium übergeben. In seiner Reaktion würdigte Staatssekretär Frank Wetzel die Kommission als „wichtigen Impulsgeber für eine belastbare und transparente Debatte“, setzte aber sogleich ähnliche Akzente, wie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche im Herbst nach der Veröffentlichung des von ihr beauftragten Energiewende-Monitorings. Mann wolle den Bericht auswerten und Verlässlichkeit, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Kostentragfähigkeit des Energiesystems ins Zentrum rücken.
Auf die neuralgischen Punkte – mehr Flexibilität mithilfe von regionalen Preissignalen, energische Maßnahmen zum Wasserstoffhochlauf und insgesamt eine in sich stimmige Energiepolitik – ging Wetzel in seiner Erklärung nicht ein.
Marktdesign muss endlich zu Erneuerbaren passen
Die Kommission sieht drei zentrale Handlungsfelder, die in den kommenden Jahren politisch stärker in den Fokus rücken sollten. Erstens ist das Marktdesign an die Anforderungen eines Stromsystems anzupassen, das bereits zu mehr als 50 Prozent auf erneuerbaren Energien basiert. Hierbei spielen Preissignale, die Anreize für einen effizienten Systembetrieb bieten, eine zentrale Rolle. Zweitens sind Strategien für die stofflichen Energieträger von zentraler Bedeutung.
Für Wasserstoff geht es darum, wie der Hochlauf gestaltet wird, während bei Erdgas und Mineralöl die Nachfrage absehbar zurückgeht. Drittens sollten aus Sicht der Expertenkommission die Maßnahmen zur Förderung der Energiewende konsistent, effizient und aufeinander abgestimmt sein, um die nächste Phase der Energiewende hin zur Klimaneutralität erfolgreich zu gestalten. Unnötige und kontraproduktive Maßnahmen sollten zurückgefahren werden.
„Die Energiewende kommt voran, doch der aktuelle Monitoringbericht zeigt: Insbesondere bei den Themen Versorgungssicherheit, Netzinfrastruktur und Energieeffizienz bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen“, sagte der Kommissionsvorsitzende Andreas Löschel. „Es braucht jetzt Entschlossenheit, damit die Energiewende Kurs hält. Dabei geht es nicht um einzelne Maßnahmen, sondern um einen verlässlichen und langfristig stabilen Rahmen für die Energiewende.“
Die Expertenkommission betont, dass bezahlbare Energie für deutsche Haushalte und Unternehmen von herausragender Bedeutung sei, um industrielle Abwanderung zu verhindern und eine breite Akzeptanz der Energiewende zu gewährleisten. Aus Sicht der Expert:innen sollten dabei Maßnahmen, die die Systemkosten senken und dadurch die Effizienz der Energiewende steigern, Vorrang vor Entlastungen aus Staatsmitteln haben.
Marktpreise als zentrales Koordinationsinstrument
Angesichts der stark unterschiedlichen Standortbedingungen für die Stromerzeugung in Deutschland sind nach Ansicht der Kommission regional differenzierte Börsenstrompreise eine zentrale Voraussetzung für einen effizienten Anlagenbetrieb und rationale Investitionsentscheidungen. Zahlreiche potenziell erforderliche Fördermaßnahmen können ihre steuernde Wirkung nur dann vollständig entfalten, wenn regional variierende Erlöse die tatsächlichen wirtschaftlichen Knappheiten angemessen widerspiegeln und entsprechende Investitionsanreize setzen.
„Um die Energiewende effizient voranzutreiben und die Kosten im Rahmen zu halten, ist es entscheidend, dass stärker auf Marktsignale gesetzt wird“, betont Veronika Grimm, ebenfalls Kommissionsmitglied. „Dies umfasst sowohl ein weiterentwickeltes Strommarktdesign als auch die Bepreisung von Emissionen. Nur so können Investitionen wirksam gesteuert und Fehlanreize vermieden werden.“
Integrierte Strategie für das Auslaufen der Erdgasnutzung nötig
Neben dem Ende der Kohleverstromung wird auch der Absatz von Mineralöl und Erdgas in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten massiv zurückgehen. Das hat Konsequenzen für die Erdgasinfrastruktur, die nur teilweise für Wasserstoff umgenutzt werden kann. Trotzdem muss eine hohe Versorgungssicherheit gewährleistet werden, etwa durch unterschiedliche Bezugsquellen für Erdgas und ausreichend gefüllte Speicher.
Der Gasverbrauch in Deutschland müsse reduziert und langfristig auf null zurückgefahren werden. Deshalb müssten Gas- und Wasserstoffpolitik strategisch zusammen gedacht werden. Ähnliches gelte für die Mineralölwirtschaft und den Raffineriesektor. pf




















































