Menü öffnen

EnergiespeicherEuropa könnte bis 2030 das Zehnfache an Batteriezellen produzieren

Forscher der Fraunhofer ISI erwarten, dass Deutschland ein wichtiges Zentrum der stark wachsenden Batteriezellproduktion in Europa bis 2030 wird. (Bild: Fraunhofer ISI)

Aktuelle Zahlen des Fraunhofer ISI zeigen, dass die Produktionskapazitäten für Batteriezellen in Europa bis zum Ende des Jahrzehnts auf bis zu 1,5 Terawattstunden ansteigen könnten. Deutschland könnte ein Viertel der Produktion abdecken.

02.08.2022 – Batterietechnologien spielen in der Energiewende eine zentrale Rolle. Für die Vermeidung von Treibhausgasemissionen aus dem Automobilsektor wird ein starker Fokus auf batterieelektrische Antriebe gesetzt. Darüber hinaus setzen auch nachhaltige Stromspeicherlösungen auf batteriebasierte Ansätze. Diese schnell wachsenden Märkte erfordern einen raschen Aufbau von Produktionskapazitäten, um die Nachfrage aus den verschiedensten Sektoren decken zu können.

Umfangreiche Investitionen in die Zellherstellung in Europa

Die große Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien decken derzeit vor allem Hersteller aus China, Japan und Südkorea. Doch es gibt seit einigen Jahren auch in Europa zunehmende Bemühungen, große Batteriezellfabriken – oft Gigafactories genannt –entstehen zu lassen: Zum einen expandieren viele etablierte asiatische Zellhersteller nach Europa, andererseits planen eine Vielzahl neugegründeter europäischer Start-Ups umfangreiche Investitionen in die Zellherstellung oder setzen diese bereits um.

Das Fraunhofer ISI wertet im Rahmen der vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Begleitmaßnahme „BEMA 2020 II (Begleitmaßnahme zur Förderinitiative Batteriematerialien für zukünftige elektromobile, stationäre und weitere industrierelevante Anwendungen (Batterie 2020)“ diese Ankündigungen der unterschiedlichen Akteure aus und erstellt auf dieser Basis Prognosen zu den in Europa entstehenden Zellproduktionskapazitäten.

Deutschland als ein wichtiger Produktionsstandort

Die Auswertungen zeigen: Gemäß den Ankündigungen der in Europa aktiven Zellhersteller könnten bereits im Laufe des Jahres 2022 Produktionskapazitäten von bis zu 124 GWh erreicht werden. Bis 2025 werden sich diese voraussichtlich auf über 500 GWh vervierfachen, bis 2030 sogar auf bis zu 1,5TWh verzehnfachen. Damit werden bis Ende des Jahrzehnts ungefähr ein Viertel der global angekündigten Produktionskapazitäten in Europa entstehen.

Die Projekte zum Aufbau von Batteriezellfabriken erstrecken sich über mindestens 15 europäische Länder. Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle, da hierzulande laut den Prognosen von Fraunhofer ISI mit knapp 400 GWh mehr als ein Viertel der europäischen Zellproduktionskapazitäten entstehen werden.

Gigafactory in Heide geplant

Lukas Weymann, der am Fraunhofer ISI zu Batteriethemen forscht und die Angaben der Hersteller analysiert hat, erklärt: „Dieser rasante Aufbau wird maßgeblich durch europäische Akteure wie Northvolt, VW und ACC getrieben. Allein die drei Genannten haben gemeinsam ungefähr ein Drittel der europäischen Zellproduktionskapazitäten angekündigt.“

Northvolt baut neben zwei großen Zellfabriken in Schweden auch eine Gigafactory im deutschen Heide, mit deren Bau im nächsten Jahr begonnen werden soll. Bereits vor dieser Ankündigung plante Northvolt den Aufbau einer Fabrik mit VW in Salzgitter, die VW nun wie auch eine weitere Fabrik in der Nähe von Valencia (Spanien) selbstständig errichten wird.

40 Zellhersteller wollen Batteriefabriken aufbauen

Die Standorte für drei weitere Zellfabriken stehen Lukas Weymann zufolge noch nicht fest, wohl aber die geplante maximale Produktionskapazität von 40 GWh, die jeder dieser fünf Fabriken im Endausbau erreichen könnte. Die europäischen Autohersteller Mercedes-Benz und Stellantis sind gemeinsam mit Saft Anteilseigner der Automotive Cells Company (ACC), die in Deutschland, Frankreich und Italien den Bau von Gigafactories angekündigt hat. ACC profitiert dabei genau wie Northvolt von der Unterstützung im Rahmen des von der Europäischen Union gestarteten Großförderprojekts „Important Project of Common European Interest (IPCEI)“.

Neben den europäischen Zellherstellern werden auch nicht-europäische Akteure wie beispielsweise CATL (China) und Tesla (USA) mit ihren geplanten deutschen Zellfabriken sowie LGES und Samsung SDI (beide aus Südkorea) mit ihren osteuropäischen Fabriken einen großen Anteil der europäischen Zellproduktion etablieren. Insgesamt haben mehr als 40 Zellhersteller angekündigt, Batteriefabriken in Europa aufzubauen. (hcn)


Mehr zum Thema


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen


energiezukunft