Bericht „Banking on Climate Chaos“Europäische Banken gehen beim Ausschluss fossiler Finanzierungen voran – Deutsche ausgenommen

Blick über die Frankfurter Skyline mit zahlreichen Hochhäusern und Bürogebäuden. Im Vordergrund steht ein spiegelnder Glasturm, dahinter ragen weitere Wolkenkratzer in den Himmel. Zwischen den Hochhäusern liegen dicht bebaute Wohnviertel und Grünflächen. Die Szene ist in warmes Abendlicht getaucht.
Die beiden gläsernen Türme des „Deutsche Bank Hochhaus“ in Frankfurt am Main (Bild: cmophoto.net auf Unsplash)

Mit über 900 Milliarden US-Dollar haben Banken weltweit im vergangenen Jahr fossile Geschäfte unterstützt. Dem Klimaschutz Hoffnung geben hingegen einige europäische Banken. Deutsche aber sind nicht darunter.

09.06.2026 – Es ist ein weiterer Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Schon 2024 hatten die 65 größten Banken der Welt ihre Finanzierungen für die Kohle-, Öl- und Gasindustrie um mehr als 162 Milliarden US-Dollar gesteigert, auf rund 869 Milliarden – und damit einen gegenläufigen Trend aus den Vorjahren umgekehrt. 2025 nun eine abermalige Steigerung auf 906 Milliarden US-Dollar.

Konkret geht es um Kredite, die Banken im letzten Jahr an Unternehmen vergaben, die im Kohle- Öl- und Gasgeschäft tätig sind. Sowie um Wertpapiergeschäfte – sogenanntes Underwriting – mit ebendiesen Firmen. Analysiert hat die Werte, in der 16. Auflage des Bankenberichts Banking on Climate Chaos (BOCC), ein internationaler NGO-Verbund aus den Organisationen Rainforest Action Network (RAN), BankTrack, das Center for Energy, Ecology, and Development (CEED), das Indigenous Environmental Network, Oil Change International, Reclaim Finance, Sierra Club und urgewald, unterstützt von vielen weiteren lokalen Partnern. Der Bericht wurde am heutigen Dienstag veröffentlicht und lag der energiezukunft vorab vor.

Die Analyse zeigt, dass allein 12 Großbanken für fast 40 Prozent aller weltweiten Bankenfinanzierungen für fossile Brennstoffe verantwortlich sind – und dass unter insgesamt rund 2.000 Banken weltweit. Wie in den Jahren zuvor weiterhin wichtigster Geldgeber: Die US-Bank JPMorgan Chase. Sie stellte 2025 insgesamt 58 Milliarden US-Dollar für Unternehmen aus der fossilen Brennstoffindustrie bereit, was einem Anstieg von 12,6 Prozent gegenüber 2024 entspricht.

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Es folgen die Bank of America und die japanische Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG), mit jeweils 47 Milliarden US-Dollar. US-Amerikanische Banken allein waren 2025 für 32 Prozent der weltweiten Finanzierung für Unternehmen verantwortlich, die mit fossilen Brennstoffen agieren. Während die Finanzierungen seitens US-Banken in den vergangenen Jahren stiegen, weisen einige europäische Banken einen deutlichen Abwärtstrend zwischen 2024 und 2025 auf.

UBS zeigt, in welche Richtung es gehen kann

Besonders die Schweizer Bank UBS sticht hervor. Innerhalb eines Jahres reduzierte sie ihre fossilen Geschäfte um 36 Prozent. Seit 2021 sind die Finanzierungen kontinuierlich rückläufig, von 21,1 Milliarden US-Dollar auf 3,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 – ein Rückgang von mehr als 82 Prozent. Die früheren fossilen Finanzsummen der Credit Suisse wurden nach der Übernahme durch die UBS im Jahr 2023 berücksichtigt.

Philipp Noack, urgewald-Finanz-Campaigner, kommentiert: „Auch wenn die UBS nach wie vor einige hochproblematische Konzerne wie zum Beispiel Glencore mit Geld versorgt, zeigt sie, dass große Geschäftsbanken relativ schnell ihre fossilen Geschäfte verringern können. Diesen Weg muss der gesamte europäische Bankensektor einschlagen.“

Weitere Vorreiter sind die spanische La Caixa, mit einem Minus an fossilen Investments von 34 Prozent zwischen 2024 und 2025, die französische BNP Paribas, mit einem Minus von 28 Prozent und die ebenfalls französiche Crédit Agricole, mit Minus 8,4 Prozent. Lucie Pinson, Gründerin und Geschäftsführerin von Reclaim Finance (Co-Autorin), sagt: „Während US-amerikanische und japanische Banken weiterhin Milliarden in Kohle, Öl und Gas pumpen, um ohne Rücksicht auf die Folgen kurzfristige Gewinne zu erzielen, haben einige europäische Banken erste Maßnahmen beschlossen, um die Finanzierung neuer Öl- und Gasförderung einzuschränken. BNP Paribas und Crédit Agricole, beide unter den zehn größten Banken der Welt, haben gezeigt, dass solche Maßnahmen zu einer erheblichen Reduzierung der Finanzierungen führen können.“ Anhaltender öffentlicher Druck könne Veränderung erzwingen. Die Herausforderung bestehe nun darin, diesen Druck aufrechtzuerhalten und zu verstärken, bis der Ausschluss fossiler Finanzierung zur Norm werde.

Was ist mit den Deutschen Banken?

Insgesamt investierten Banken in der Europäischen Union im letzten Jahr 9,4 Milliarden US-Dollar weniger in Unternehmen mit fossilen Brennstoffen im Portfolio als noch 2021. Nicht so die Deutsche Bank. Um 60 Prozent steigerte sie ihre fossilen Investments im selben Zeitraum. Allein zwischen 2024 und 2025 gab es einen Srpung von 19,9 Prozent und ein Plus von 2,9 Milliarden US-Dollar. 17,7 Milliarden US-Dollar an Krediten und Herausgabe neuer Aktien und Anleihen gingen 2025 an Unternehmen, die vor allem im Öl- und Gasgeschäft tätig sind.

2025 war die Deutsche Bank europaweit der größte Finanzierer von Konzernen, die im LNG-Sektor expandieren. Vor allem die US-Konzerne Enbridge und Venture Global werden seit Jahren mit Mitteln bedacht – Enbridge mit 4,2 Milliarden US-Dollar seit 2021 und Venture Global mit 3,2 Milliarden. Es sind Unternehmen, die die von US-Präsident Donald Trump forcierte Energiepolitik mit dem Ausbau von Pipelines und LNG-Exportterminals vorantreiben. Flüssigerdgas, das auch und vor allem nach Europa verschifft werden soll. Zudem erhalten auch die Öl- und Gas-Multis BP (2,9 Mrd. USD) und TotalEnergies (2,5 Mrd. USD) seit 2021 erhebliche Zuwendungen.

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Im Bereich Underwriting war die Deutsche Bank im Jahr 2025 zudem an der Auflage gleich mehrerer Anleihen mit extrem langer Laufzeit für fossil expandierende Konzerne beteiligt: für TransCanada Pipelines (zwei Anleihen bis 2065 bzw. 2085), Energy Transfer (zwei Anleihen jeweils bis 2056) und Exxon Mobil (zwei Anleihen jeweils bis 2075). Noack sagt: „Die Deutsche Bank ist eine große Enttäuschung, wenn es um klima- und transformationsgerechte Finanzgeschäfte geht. Sie setzt weiterhin im gewaltigen Umfang auf fossile Expansion, die vielleicht kurzfristige Renditen bringt, aber mittel- und langfristig Wirtschaft und Gesellschaft destabilisiert.“

Einen „Schlingerkurs“ bescheinigen urgewald und Co. den deutschen Commerzbank und DZ Bank. Nach einem kontinuierlichen Anstieg zwischen 2022 und 2024 von 2,2 auf 3,8 Milliarden US-Dollar, reduzierte die Commerzbank ihr fossiles Finanzvolumen 2025 mit 2,3 Milliarden US-Dollar immerhin wieder fast auf das vorherige Niveau. Die DZ Bank steigerte zwischen 2021 und 2023 ihr fossiles Volumen deutlich von 983 Millionen auf 2,3 Milliarden US-Dollar, um es dann auf 1,2 Milliarden US-Dollar 2024 zu reduzieren und zuletzt erneut auf 1,7 Milliarden US-Dollar 2025 zu steigern. Insbesondere der deutsche Energiekonzern EnBW profitierte von beiden Banken in erheblichem Maße von jeweils 894 (Commerzbank) und 857 (DZ Bank) Millionen US-Dollar.

Zwar haben die deutschen Banken Richtlinien zur Reduzierung fossiler Geschäfte implementiert, die aber erhebliche Lücken aufweisen. So gilt die Reduzierung der Öl- und Gasgeschäfte bei der Deutschen Bank nur für die Kreditvergabe, neue Aktien und Anleihen für diese Unternehmen können weiter ausgegeben werden. Zudem gelten Minderungsziele nur für das Öl- und Gasfördergeschäft, nicht aber für Unternehmen, welche die nötige Transportinfrastruktur bereitstellen. Und genau wie die Deutsche Bank, senkte die Commerzbank ihre Ausschlusskriterien bei Kohlegeschäften kürzlich wieder ab. mg

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