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Strombörse 2025Extreme Preisschwankungen am Strommarkt

Strommasten mit Hochspannungsleitungen stehen in einer Landschaft bei warmem Abendlicht. Im Vordergrund sind unscharfe Gräser zu sehen, im Hintergrund weitere Masten vor einem gelblichen Himmel, der von der tief stehenden Sonne erleuchtet wird.
Der Ausbau der Übertragungsnetze ist mitentscheidend für die Energiewende (Foto von Zosia Szopka auf Unsplash)

Negative Strompreise auf der einen und Hochpreiszeiten auf der anderen nehmen auf dem Strommarkt weiter zu. Das ist schlecht für viele Produzenten und Verbraucher. Die neue flexible Welt aber, die dem entgegenwirkt, ist in Sicht.

06.01.2026 – Eine Auswertung der Day-Ahead-Preise an der Strombörse durch den Ökoenergieversorger naturstrom zeigt: 2025 brachte einen neuen Rekord bei den Negativstrompreisen. 573 Stunden mit Preisen unter der Null-Linie sind über 100 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2024 (457). Und auch die Hochpreiszeiten werden mehr. Gegenüber dem Vorjahr haben die Stunden mit Börsenstrompreisen von über 200 Euro pro Megawattstunde um über ein Viertel auf nun 162 zugenommen. Insgesamt lag das durchschnittliche Preisniveau mit 89,08 Euro pro Megawattstunde rund zehn Euro über dem Vorjahr.

Insbesondere der Solarboom sorgt für eine Zunahme von Stunden mit negativen Preisen. Photovoltaik-Anlagen erzeugen tendenziell dann viel Strom, wenn der Bedarf gering ist – und zwar mitten am Tag, wenn das Gros der Verbraucher:innen nicht zuhause ist, nicht ihre Waschmachine, Spülmaschine oder Fernseher laufen lassen und die Menschen nicht künstlich beleuchten müssen.

In solchen Momenten – wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt – kippt der Preis an den Strombörsen ins Minus. Abnehmer:innen würden sogar Geld erhalten, wenn Sie Strom verbrauchen, die Betreiber von Wind- und Solarparks müssten drauf zahlen. Dem hatte der Gesetzgeber bereits mit Maßnahmen entgegengewirkt. Etwa mit der Anpassung der EEG-Vergütung, Umstellung vom Stunden- auf einen Viertelstunden-Abrechnungsrhythmus und die Möglichkeit flexibler Stromtarife. Andere Länder in Europa sind bereits wesentlich weiter.

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Luftaufnahme eines im Bau befindlichen Solarparks auf freiem Feld. Reihen von bereits installierten Solarmodulen wechseln sich mit offenen Flächen ab, auf denen weitere Module montiert werden sollen. Baustellenfahrzeuge und Materiallager sind auf den Wegen zwischen den Modulreihen sichtbar. Im Hintergrund erstreckt sich eine ländliche Landschaft mit Feldern, Bäumen und einem Dorf.
Solarenergie und Strommarkt

Positive Rekorde führen zu negativen Preisen

Für den Klimaschutz ist es eine gute Nachricht: Im Juni war die Solarenergie erstmals wichtigster Stromlieferant in Europa. Doch das führt in vielen Ländern zu mehr Stunden mit negativen Preisen. Ein EU-Staat arbeitet besonders gut dagegen an.

Hohe Preise dagegen entstehen oftmals dann, wenn Gaskraftwerke einspringen müssen, weil regional zu wenig Erneuerbarer Strom zur Verfügung steht. Hier sind der Ausbau der Übertragungsnetze und mehr Speicher entscheidend, den hohen Preisen entgegenzuwirken.

„Ein modernes Stromsystem auf Basis Erneuerbarer Energien muss flexibel und digital sein. Deutschland befindet sich hier in einem Aufholprozess, weshalb sich der Verbrauch noch nicht ausreichend der Erneuerbaren-Erzeugung anpasst. Das führt zu einer Zunahme der extremen Preisausschläge im Markt“, ordnet Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG, ein.

Die glücklichen Haushalte

Haushalte, die bereits über größere steuerbare Stromverbraucher wie Wärmepumpe, Wallbox oder Speicher verfügen, können sich glücklich schätzen. Sie können günstig Strom beziehen – im besten Fall auch noch über die eigene Solaranlage – den Strom zwischenspeichern, und den Verbrauch über den Tag verteilt und insbesondere in die Abendstunden hinein steuern.

Zudem geben mit dynamischen Stromtarifen Stromversorger die Day-Ahead-Börsenstrompreise direkt an ihre Kund:innen weiter. Wie diese in verschiedenen Szenarien von dynamischen Tarifen profitieren, hatte eine Studie des Beratungsunternehmens Neon Neue Energieökonomik im Auftrag der naturstrom AG im Oktober genauer untersucht. Ergebnis: besonders lukrativ ist es das Elektroauto flexibel laden zu können und vergünstige Netzentgelte zu nutzen.

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Person, offene Kofferaumklapp, im Hintergrund Wallbox für Elektroauto
Neon-Studie

Dynamische Stromtarife bieten Kostenvorteile

Haushalte können mit dynamischen Stromtarifen Stromkosten senken. Eine Studie beziffert, wie hoch das Sparpotenzial für prototypische Verbrauchsprofile ausfällt. Besonders lukrativ: Elektroauto flexibel laden und vergünstige Netzentgelte nutzen.

Laut Plänen der Bundesregierung und Bundesnetzagentur sollen Heimspeicher künftig systemdienlicher eingesetzt werden können. Auch beim Smart-Meter-Rollout werden Fortschritte erwartet. Dabei geht es um die intelligente Messung der Verbräuche, die Voraussetzung für die private Flexibilisierung des Strombedarfs und -verbrauchs sind. Eine weitere anstehende Novelle des Energiewirtschaftsrechts (EnWG) 2026, soll den Rollout der Messsysteme deutlich beschleunigen.

Große Energiespeicher und Übertragungsnetze im Fokus

Eine Novelle des EnWG im November 2025 brachte bereits Erleichterungen für die Planungen großer Energiespeicher. Batteriespeicher mit einer Kapazität ab einer Megawattstunde sowie untertägige Wärme- und Wasserstoffspeicher profitieren fortan von einer sogenannten Außenbereichsprivilegierung. Zudem wird Energiespeicheranlagen ein überragendes öffentliches Interesse zugesprochen. Das sollte deren Bau beschleunigen.

Laut aktuellen Zahlen des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), stieg etwa die Kapazität von Großbatteriespeichern im Jahresverlauf 2025 von 2,3 auf 3,7 Gigawattstunden (GWh) – das ist ein Plus von 60 Prozent. im Marktstammdatenregister sind zudem 11,5 GWh mit geplantem Inbetriebnahmedatum verzeichnet.

Auch bei den Übertragungsnetzen gibt es positives zu berichten. 2025 genehmigte die Bundesnetzagentur mehr als 2.000 Kilometer neuer Stromautobahnen in Deutschland. Das sind etwa 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Es geht um die großen Übertragungsnetze, gebaut und betrieben von den großen Netzbetreibern wie Amprion und TenneT.

Über die genehmigten Hochleistungsstromleitungen soll künftig insbesondere Windstrom aus dem erzeugungsstarken Norden in die Verbrauchsstarken Zentren im Süden geleitet werden. Aufgrund des aktuell noch zu geringen Ausbaus, besteht häufig das Problem des sogenannten Redispatchs. Aufgrund der Netzengpässe wird überschüssiger Windstrom im Norden abgeregelt. Zugleich besteht im Süden ein Mangel an Strom, der durch fossile Kraftwerke ausgeglichen werden muss.

Naturstrom-Vorstand Hummel aber blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir sind nun an einem Punkt, an dem wir unser Energiesystem grundlegend upgraden. Wenn wir das klug anstellen, wird das viele Vorteile haben. Die Basis dafür bleibt der Ausbau Erneuerbarer Energien in hohem Umfang, auch als Innovationstreiber. Die aus der Ökostrom-Erzeugung resultierenden Preissignale müssen dann viel stärker im Markt genutzt werden.“ Als naturstrom AG wolle man sich verstärkt bei der Kombination von Erneuerbaren-Anlagen mit Speichern und entsprechend optimierten Vermarktungsmöglichkeiten engagieren. mg

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