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EU-TaxonomieFinanzsektor macht wenig Fortschritt bei grünen Investments

Grüner gezackter Pfeil der nach unten zeigt
(Foto: Getty Images für Unsplash+ / Unsplash+ License)

Die durchschnittliche Taxonomiefähigkeit und -konformität europäischer Finanzinstitute stagniert, zeigt die aktuelle PwC-Studie zum EU-Taxonomy Reporting. Die Taxonomie-Quoten werden demnach kaum zur strategischen Steuerung genutzt.

25.07.2025 – Die europäischen Finanzinstitute konnten im Geschäftsjahr 2024 ihre durchschnittliche Taxonomiefähigkeit und -konformität im Vergleich zum Vorjahr nur wenig steigern – trotz besserer Datenverfügbarkeit und größerer Erfahrung mit der Umsetzung der EU-Taxonomie, so das Fazit der aktuellen PwC-Studie EU-Taxonomy Reporting 2025. Zudem nutzten demnach nur wenige Finanzinstitute die Taxonomiedaten für ihre strategische Planung. Das sind zwei Kernergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland zur EU-Taxonomie. Für die Studie EU Taxonomy Reporting 2025 haben PwC-Expert:innen die veröffentlichten EU-Taxonomieangaben von insgesamt 93 Finanzinstituten – Banken, Vermögensverwaltern und Versicherern – aus elf europäischen Ländern für das Geschäftsjahr 2024 analysiert. Die Taxonomiefähigkeit beschreibt, ob eine Wirtschaftstätigkeit grundsätzlich unter die EU-Taxonomie-Verordnung fällt und damit als überprüfbare nachhaltige Aktivität klassifiziert werden kann.

Finanzinstitute nutzen die Taxonomiedaten überwiegend noch nicht für strategische Zwecke oder Investitionsentscheidungen. Dies liegt zum Teil an den geringen Konformitätsquoten. Außerdem mindert die Abhängigkeit der Taxonomiefähigkeit von bestimmten Geschäftsmodellen die Vergleichbarkeit und Aussagekraft der Daten“, erläutert Christoph Schellhas, Partner und Leiter Financial Services Sustainability bei PwC Deutschland, die Ergebnisse. „Mit einer zunehmenden Harmonisierung der Methoden sowie Verbesserungen bei den Kennzahlen können die Taxonomiekennzahlen jedoch in Zukunft eine wichtige Rolle bei nachhaltigen Finanzprodukten spielen.“

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Neue EU-Leitlinien verändern Bewertungsgrundlagen

Seit dem Geschäftsjahr 2023 müssen Finanzunternehmen die Taxonomiekonformität ihrer Investmentportfolios bezogen auf die beiden Klimaziele der EU, Klimaschutz (Ziel 1) und Anpassung an den Klimawandel (Ziel 2) berichten; außerdem erfassen sie die Taxonomiefähigkeit für alle sechs EU-Umweltziele, berichten die Studienautoren. Taxonomiefähigkeit und -konformität melden sie jeweils in Bezug auf Umsatz (Turnover) und Investitionsausgaben (CapEx). Im Jahr 2024 konnten Finanzunternehmen bei der Analyse ihres Portfolios – neben den Vorjahres-Konformitätsdaten der Portfoliounternehmen aus dem Industriesektor – erstmals auf die Daten aus dem Finanzsektor zurückgreifen. Trotz der umfassenderen Datenlage wären die durchschnittliche Taxonomiefähigkeit und -konformität im Finanzsektor im Vergleich zum Vorjahr kaum gestiegen.

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Ein Grund laut Studie: Neue EU-Leitlinien, die FAQ der EU-Kommission vom Dezember 2023, präzisierten die Berechnungsgrundlagen, insbesondere im Hinblick auf Finanzbeziehungen mit lokalen und regionalen Gebietskörperschaften. Einer der Kernpunkte war es, alle finanzierten taxonomiekonformen Tätigkeiten gegenüber lokalen und regionalen Gebietskörperschaften in die Bezugsgröße einzubeziehen. „Die Umsetzung der EU-Leitlinie von Dezember 2023 geschah in vielen Finanzunternehmen erst mit dem Geschäftsjahr 2024. Dies wirkt sich erheblich auf die Taxonomiewerte aus und verdeckt potenzielle Verbesserungen“, sagt Angela McClellan, Director, Financial Services Sustainability bei PwC Deutschland.

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Uneinheitliche Taxonomie-Quoten: Geschäftsmodelle und Portfolio entscheidend

Insgesamt hängen die Taxonomiewerte laut Studienbericht vom jeweiligen Geschäftsmodell und Anlageportfolio ab. Niedrige Quoten resultierten unter anderem aus einem großen Anteil an Geschäftsbeziehungen mit Nicht-EU-Unternehmen, die ihrerseits nicht der Berichtspflicht unterliegen. Umgekehrt seien höhere Quoten oft auf die bessere Datenqualität und -verfügbarkeit in Immobilien- und Hypothekenportfolios sowie auf einen größeren Anteil berichtspflichtiger Geschäftspartner zurückzuführen. In den EU-Omnibusentwürfen gebe es diesbezüglich einige sinnvolle Verbesserungsvorschläge. Die Studie zeigt zudem, dass Finanzinstitute teilweise uneinheitliche Methoden für die Berechnung der Taxonomiekennzahlen verwenden; dies erschwere die Vergleichbarkeit.

Banken verbessern ihre Green Asset Ratio, während Vermögensverwalter im Vergleich niedrigere Quoten aufweisen.

Zu den Ergebnissen im Einzelnen

Bei den europäischen Banken sank die durchschnittliche umsatzbasierte Taxonomiefähigkeit von 32,8 Prozent im Geschäftsjahr 2023 auf 28,4 Prozent im Geschäftsjahr 2024. CapEx-basiert ging sie von 33 auf 29,6 Prozent zurück. Dagegen verbesserten die Banken ihre Green Asset Ratio, also ihren Anteil an nachhaltigen Geschäften: Die durchschnittliche Konformitätsquote stieg umsatzbasiert von 2,2 auf 2,9 Prozent und auf CapEx-basiert von 2,3 auf 3,2 Prozent. Die Banken profitierten bei Immobilien und Hypotheken davon, dass für diese Assets mehr und bessere Energiedaten verfügbar sind. Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der analysierten Banken verwenden dazu Energieausweise (EPCs) oder ähnliche Energiezertifikate.

Bei den Vermögensverwaltern lag die durchschnittliche Taxonomiefähigkeit deutlich unter der von Banken; die Taxonomiekonformität war auf einem ähnlichen Niveau. Im Geschäftsjahr 2024 betrug die durchschnittliche umsatzbasierte Taxonomiefähigkeit 9,9 und die CapEx-basierte 9,6 Prozent. Die durchschnittliche Konformität lag umsatzbasiert bei 2 Prozent und CapEx-basiert bei 2,3 Prozent.

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Versicherungsgeschäft verzeichnet Rückgang bei Taxonomiefähigkeit

Im Versicherungssektor werden die Kapitalanlagen und das Versicherungsgeschäft getrennt betrachtet. Bei den Kapitalanlagen lag die durchschnittliche Taxonomiefähigkeit über alle Länder hinweg umsatzbasiert bei 18,2 Prozent und CapEx-basiert bei 16,5 Prozent. Die durchschnittliche Taxonomiekonformität über alle Länder hinweg betrug umsatzbasiert 2,5 Prozent und CapEx-basiert 2,7 Prozent.

Im Versicherungsgeschäft lag die durchschnittliche Taxonomiefähigkeit bei 13,5 Prozent, bei einer enormen Bandbreite zwischen den Ländern von 0,3 bis 33,4 Prozent. Im Vorjahr hatte dieser Durchschnitt mit 18,8 Prozent deutlich höher gelegen. Deutschland erreichte mit 33,4 Prozent die höchste Länderquote bei der Taxonomiefähigkeit (Vorjahr: 39,6 Prozent). Die durchschnittliche Taxonomiekonformität stieg von 1,9 auf 2,1 Prozent, wobei deutsche Unternehmen mit 4,6 Prozent (2023: 3,6 Prozent) deutlich über dem Länderdurchschnitt lagen. Den höchsten Wert erreichte ein deutscher Rückversicherer mit 10,5 Prozent (2023: 7,9 Prozent).

Der Rückgang der Taxonomiefähigkeit lässt sich laut Studie unter anderem auf die FAQs der Europäischen Kommission vom Dezember 2023 zurückführen. Ihnen zufolge sollen für die Berichterstattung zur Taxonomiekonformität nur Prämien, die sich auf den klimarelevanten Anteil eines Versicherungsprodukts beziehen, verwendet werden (Prämiensplit). Bei der Taxonomiefähigkeit blieben die FAQs unklar. Mehr als die Hälfte der Versicherer (56,3 Prozent) wendeten den Prämiensplit an, um beides zu berechnen, Taxonomiefähigkeit und -konformität. Dadurch sank der Anteil der taxonomiefähigen Prämien im Vergleich zum Vorjahr.

Geringe strategische Relevanz der Taxonomiedaten

Christoph Schellhas betont: „Ohne die strategische Nutzung dieser Daten kann die Taxonomieverordnung ihr Ziel, Finanzströme in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu lenken, nicht erreichen. Mit der Überarbeitung der Sustainable Finance Disclosure Regulation wird es voraussichtlich neue Produktkategorien geben, die zu einer verstärkten Nutzung der Taxonomiedaten für grüne Finanzprodukte führen.“

Die Ergebnisse zeigen: Ohne eine klare strategische Nutzung der Taxonomiedaten droht die EU-Taxonomie zur reinen Compliance-Übung zu werden und ihre Lenkungswirkung zu verpassen. Angesichts steigernder Klima- und Biodiversitätsrisiken müssen Finanzinstitute ihre Dekarbonisierungspfade fortsetzen. Sie sollten die Chance nutzen, um Taxonomiedaten als eine von mehreren Steuerungsgrößen für ihr Produktportfolio zu nutzen, so der Rat der Studienautoren.

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