Net-Zero Banking AllianceFinanzwende stockt

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Bemühungen um Klimawende im Finanzsektor pausiert: Die Net-Zero Banking Alliance stoppt Aktivitäten (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Nach mehreren Austritten internationaler Banken hat die 2021 auf der Klimakonferenz in Glasgow gegründete Net-Zero Banking Alliance ihre Aktivitäten gestoppt. Druck aus den USA nimmt der Klimainitiative im Finanzsektor den Wind aus den Segeln.

29.08.2025 – Die Net-Zero Banking Alliance (NZBA) hat ihre Aktivitäten eingefroren. Zukünftig soll die Allianz voraussichtlich in Form einer Rahmeninitiative weitergeführt werden, anstatt als mitgliederbasierte Allianz. Der Schritt folgt dem Austritt mehrerer amerikanischer Großbanken Anfang des Jahres.

Klimawende im Finanzsektor

Neben Regierungen und Unternehmen stellen Banken einen wichtigen Baustein für die grüne Wirtschaftswende bereit, nämlich Finanzierungslösungen. Die Net-Zero Banking Alliance wurde auf der Klimakonferenz in Glasgow im November 2021 ins Leben gerufen. Von ursprünglich 43 wuchs die Zahl der NZBA-Mitglieder in wenigen Jahren auf weit über 120 Mitglieder aus mehr als 40 Ländern.

Ziel der NZAM ist, das Finanzwesen in Einklang mit den Klimazielen zu bringen, und wenn möglich Klimaschutz aktiv mitzugestalten. Sie unterstützte Banken dabei, ihre Kredit- und Investmentportfolios klimagerecht umzubauen, Investitionen in emissionsreiche Sektoren und Projekte schrittweise zu reduzieren, und bis 2050 auf Netto-Null zu bringen.

Dazu bot die NZBA technische Unterstützung, aber auch Hilfe im Umgang mit sich schnell entwickelnden Bereichen und der Entwicklung neuer Praktiken, Ansätze und Messgrößen. Sie veröffentlichte etwa internationale Leitlinien für die Festlegung von Klimazielen für Banken sowie deren praktische und transparente Umsetzung mit Regulierungsbehörden, Investoren und der Zivilgesellschaft.

Fossiler Druck aus den USA

Zu Beginn des Jahres verließen dann mehrere große internationale Banken die NZBA. Zu den Ausgeschiedenen gehörten alle sechs großen US-amerikanischen Banken Goldman Sachs, Wells Fargo, Citi, Bank of America, Morgan Stanley und JPMorgan. In den folgenden Monaten traten auch UBS, HSBC und Barclays aus. Die Austrittswelle der Banken aus der NZBA begann kurz vor Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump, der die USA inzwischen erneut aus dem Klimaabkommen geführt hat und fossile Produktion und Expansion fördert.

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In den USA gibt es bereits seit einiger Zeit politisch einflussreichen Gegenwind gegen Bemühungen, fossile Brennstoffe und Emissionen einzuschränken. Elf republikanisch regierte Staaten verklagten im vergangenen Jahr sogar die Vermögensverwalter BlackRock, Vanguard und State Street für ihren Einsatz für Klimaschutz. Die zielgerichtete Reduzierung von emissionsreichen Geschäften verstoße gegen das Kartellgesetz, so die Argumentation. Black Rock trat daraufhin im Frühjahr aus der Net Zero Asset Managers Initiative (NZAMI), die wie mehrere weitere Branchenallianzen ebenfalls in Glasgow gegründet worden war, aus.

Mut zur roten Linie

Eine Lenkungsgruppe der NZBA hat den Umbau zur Rahmeninitiative vorgeschlagen. Nun sollen die Mitglieder darüber abstimmen, wie es weitergeht, das Ergebnis sei Ende September zu erwarten. Die NZBA ermutige den Bankensektor, seine Netto-Null-Verpflichtungen weiterhin konsequent umzusetzen, heißt es auf der Webseite der NZBA.

„Wenn die Welt brennt, braucht es Klimataten statt Klimarhetorik. Dies konnten freiwillige Bündnisse wie die NZBA bisher nicht einlösen“, kommentiert Katrin Ganswindt, Leiterin der urgewald-Finanzrecherche. „Fossile Finanzströme müssen endlich wirksam reguliert werden – auch, um die Stabilität des Finanzsystems zu sichern. Zentralbanken, Bankenregulierer und Aufsichtsbehörden müssen hier endlich aktiver werden. Die Finanzierung fossiler Expansion muss zu einer roten Linie werden.“

Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald recherchiert seit mehreren Jahren die fossilen Verwicklungen des globalen Finanzsystems und veröffentlicht seit Glasgow detaillierte jährliche Berichte etwa zur Finanzierung der Sektoren Kohle, Öl und Gas. jb

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