Sichere EnergieversorgungFlexibel statt fossil

Glühbirne
Das Licht bleibt auch ohne neue Gaskraftwerke an (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Effizienz und Lastmanagement können selbst längere Dunkelflauten abfedern, zeigt eine Greenpeace-Studie. Kritische Engpässe seien nur alle paar Jahre zu erwarten, und auch hier gibt es andere Lösungen als einen übermäßigen Ausbau von Gaskraftwerken.

01.06.2026 – Effizienzmaßnahmen und Lastmanagement können Engpässe in der Energieversorgung flexibel, klimafreundlich und kosteneffizient ausgleichen, zeigt eine Studie des Wuppertal Instituts im Auftrag von Greenpeace Deutschland. Dabei gilt ein klarer, pfadabhängiger Grundsatz: Je mehr Flexibilität im System mobilisiert wird, desto weniger Großkraftwerke müssen neu gebaut werden.

Ziel der Studie ist, alternative Flexibilitätsoptionen aufzuzeigen, aber auch, die Debatte zu versachlichen. Denn noch immer beherrscht häufig Panikmache die Diskussion um eine klimafreundliche Energieversorgung. „Deutschland braucht keine weiteren Gaskraftwerke, damit die Lichter an bleiben“, sagt Anike Peters, Energieexpertin von Greenpeace. Die in der Kraftwerksstrategie (StromVKG) vorgesehenen neuen Gaskraftwerkskapazitäten seien teuer, überdimensioniert und verursachen hohe Klimafolgekosten, so Greenpeace. „Statt Milliarden in neue fossile Kraftwerke zu stecken, sollte die Bundesregierung Kosten und CO2 sparen, etwa indem der Strombedarf der Industrie klug gesteuert wird. Energie sparsam und passend zum Angebot einzusetzen, stärkt die Versorgungssicherheit und spart Geld.“

Szenariocheck 2035: Der konkrete Kraftwerksbedarf

Bis zum Jahr 2030 besteht laut den gängigen Szenarien kaum Bedarf an neuen steuerbaren Backup-Kraftwerken, der Nettozubau liegt hier unter 5 Gigawatt. Für das Jahr 2035 skizziert der Bericht der Bundesnetzagentur zur Versorgungssicherheit jedoch zwei sehr unterschiedliche Pfade:

  • Im Zielszenario, das auf einem ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien und hoher Flexibilität basiert, wird der gesamte Kraftwerksbedarf auf 45,4 Gigawatt geschätzt. Dies entspricht einem Netto-Zubaubedarf von 12,5 Gigawatt.
  • Im Verzögerungsszenario verzögern sich der Ausbau und die Elektrifizierung um nur zwei Jahre bei gleichzeitig halbiertem Flexibilitätspotenzial. In diesem Fall steigt die benötigte Gesamtkapazität auf 58,5 Gigawatt, was den notwendigen Netto-Zubau mit 25,6 Gigawatt nahezu verdoppelt.

Stromimporte können hier nicht einberechnet werden, da sie über länderübergreifende Netze in extremen Engpassphasen aufgrund begrenzter Leitungskapazitäten und zeitgleicher Lastspitzen im Ausland als potenziell unsicher gelten.

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Flexibler Backup

Notwendig ist zum einen die Verringerung der Jahreshöchstresiduallast – also die größte Stromlücke eines Jahres, die nach Abzug von Wind- und Solarenergie zwingend durch steuerbare Kraftwerke oder Speicher gedeckt werden muss. Gezielte Energieeffizienzmaßnahmen wie etwa mehr Wärmedämmung und Langzeitwärmespeicher in Wärmenetzen mit Power-to-Heat können hier Abhilfe schaffen.

Zum anderen können Flexibilitätsoptionen das Netz gemeinsam systemdienlich unterstützen. Untersucht wurden:

  • Energieeffizienz
  • Langzeitwärmespeicher in Wärmenetzen mit Power-to-Heat
  • flexible Biogas-Kraftwerke
  • Demand Response
  • Batterien (Großspeicher, Batteriefahrzeuge, Heimspeicher)
  • flexible Elektrolyse
  • flexible dezentrale Wärmepumpen
  • flexible Geothermiekraftwerke

Der Analyse nach kann eine hohe Residuallast über bis zu fünf Tage bei einer optimierten Kombination der Flexibilitätsoptionen gut gemeistert werden.

Etwas schwieriger wird es bei sechs bis 10 Tagen, was in der Studie als kalte Dunkelflaute bezeichnet wird. In diesen Fällen muss entweder die Last gesenkt oder Strom geothermisch erzeugt werden – oder eben ein flexibles Backup-Kraftwerk einspringen. Für letztere sollten zunächst vorrangig flexible Biogas-Kraftwerke genutzt werden, die bereits vorhanden sind. Sollte der Bau neuer Gaskraftwerke unumgänglich sein, müsse sichergestellt werden, dass diese als H2-ready-Kraftwerke gebaut und ausschließlich mit grünem Wasserstoff betrieben werden.

Bei der Lastensenkung wird ausdrücklich auch die Möglichkeit einer Drosselung in der Industrie eingebracht – in extremen Ausnahmesituationen, freiwillig und gegen Vergütung. „Das Geld wäre sinnvoller investiert als in Gaskraftwerke”, so Peters. „Erst den Strom sparen, dann die Flexibilität nutzen und nur im äußersten Notfall auf klimaneutrale Backups setzen.“ jb

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