TOP-THEMA
Europa







LNG-ExpansionFlüssiggas boomt weltweit

LPG-Schiff (Beispielbild)
Die neue Mapping-Plattform ExitLNG bündelt erstmals Daten zu sämtlichen geplanten LNG-Projekten weltweit – von den Standorten über Emissionen bis zu den Finanziers (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz)

Flüssiggas boomt. Ein neues globales Mapping zeigt 279 LNG-Projekte in Planung weltweit. Trotz Klimazielen bauen Unternehmen die fossile Infrastruktur weiter aus. Es droht fossile Abhängigkeit statt nachhaltiger Transformation.

09.12.2025 – Weltweit sind 279 neue LNG-Projekte geplant, darunter Export- und Importterminals sowie Erweiterungen bestehender Anlagen. Das internationale Kartierungsprojekt ExitLNG — von Reclaim Finance, Urgewald und weiteren Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen — macht erstmals die globale Expansion von LNG gebündelt sichtbar und nachvollziehbar, von den Finanzierern über die verantwortlichen Unternehmen bis zu den Anlagen.

Flüssiggas-Boom

Die USA dominieren den Boom im Bereich LNG-Export, teilweise angetrieben durch die fossile Energieagenda des US-Präsidenten Donald Trump. Auf US-Projekte entfallen rund 40 Prozent der geplanten Exportkapazitäten, gefolgt von Russland mit 20 Prozent und Katar mit 8 Prozent.

QatarEnergy und das US-Unternehmen Venture Global sind die größten Entwickler von Exportterminals. Ihre geplanten LNG-Exportprojekte werden bis 2030 Emissionen von über 1,2 Gt CO₂e verursachen. Der französische Konzern TotalEnergies liegt auf Platz fünf, mit Projekten, die bis 2030 auf über 300 Millionen Tonnen CO₂e geschätzt werden.

„Unternehmen, die neue LNG-Terminals bauen, treiben die Expansion entlang der fossilen Gaswertschöpfungskette voran. Neue LNG-Exportterminals in den USA und Mexiko beispielsweise drücken die schädliche US-Fracking-Industrie auf die globalen Märkte – insbesondere nach Europa und Asien“, erklärt Fiona Hauke, Öl- und Gas-Expertin bei Urgewald.

Mehr zum Thema

Flugzeug mit Schriftzug "Trump" beim Landeanflug
USA

Warnung aus Europa vor Trumps LNG-Plänen

Der neue US-Präsident Donald Trump hat den nationalen Energienotstand ausgerufen, um die Förderung fossiler Brennstoffe auszuweiten. Davor warnt ein breites Bündnis und legt gewichtige Gründe vor.

Ein Großteil des Ausbaus von LNG-Importterminals findet in der Asien-Pazifik-Region statt. China plant 49 Projekte, die zusammen 34 Prozent des Anstiegs der geplanten Importkapazitäten ausmachen. Es folgt Indien mit 11 Projekten, die 8 Prozent entsprechen, und Vietnam mit 14 Projekten, die 7 Prozent entsprechen.

„In diesen Regionen führen neue LNG-Importterminals wiederum zu neuen Wellen von Gaskraftwerksbauten“, sagt Hauke. „Da fossiles Gas für Mensch und Planet nicht weniger zerstörerisch ist als Kohle, ist das Stoppen des LNG-Booms entscheidend, um fossile Abhängigkeiten zu verhindern und die nachhaltige Transformation unserer Energiesysteme zu unterstützen.“

Fossile Abhängigkeit ist auch geopolitische Abhängigkeit

Endgültige Investitionsentscheidungen für neue Exportterminals haben 2025 laut Internationaler Energieagentur (IEA) deutlich zugenommen. Das steigende Gasangebot treibt auch die Entwicklung von zusätzlichen Gasfeldern und den Ausbau fossiler Infrastruktur voran.

Neue LNG-Terminals oder Gas-Kraftwerke haben oft eine wirtschaftliche Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten. Dadurch werden Gesellschaften langfristig an fossile Energie gebunden und der Umbau zu Erneuerbaren Energien erschwert. Der Ausbau neuer Terminals bedeutet gleichzeitig eine Fortsetzung der fossilen Importabhängigkeit mit anderen Mitteln. Geopolitisch wie ökologisch ist die langfristige Bindung an Gaslieferländer, die häufig autoritär regiert werden, mindestens fragwürdig.

Auch in Europa soll ein nicht unerheblicher Teil neuer LNG-Importkapazitäten entstehen. In Deutschland sind etwa mehrere fest angelegte Terminals und schwimmende Regasifizierungsanlagen in Bau oder geplant. Anhaltende Bürgerproteste vor Ort, und steigende Bedenken hinsichtlich drohender Überkapazitäten änderten daran bisher nichts.

Mehr zum Thema

Bau einer neuen Gasleitung
GOGEL 2025

Öl- und Gasindustrie expandiert ungebremst

Öl- und Gaskonzerne bauen ihre Förderung aus. Europa will klimaneutral werden und plant gleichzeitig neue Gaskraftwerke. Milliarden fließen in neue Öl- und Gasfelder, während das Fenster für das 1,5-Grad-Ziel schrumpft.

Rekordinvestitionen trotz Klimakrise

Die geplanten LNG-Projekte könnten bei vollständiger Umsetzung bis 2030 mehr als 10 Gigatonnen CO₂e erzeugen — vergleichbar mit den jährlichen Emissionen von USA und der EU zusammen. Die zusätzlichen Emissionen aus neuen Export- und Importanlagen gefährden das internationale Klimaziel, die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, massiv.

Globale Banken haben zwischen 2021 und 2024 insgesamt 174 Milliarden US-Dollar in LNG-Expansion gelenkt. Drei Viertel dieser Unterstützung stammen aus nur fünf Ländern: den Vereinigten Staaten, Japan, China, Kanada und Frankreich. Drei Banken – Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG), Mizuho Financial Group und JPMorgan Chase – haben jeweils über 10 Milliarden US-Dollar beigetragen. Auch europäische Banken wie Santander, ING, Société Générale, Crédit Agricole und Groupe BPCE gehören zu den größten Finanzierern der LNG-Expansion.

„Der weltweite Wettlauf zum Bau neuer Anlagen steuert uns in eine Katastrophe – für das Klima und für lokale Gemeinschaften, und wir alle werden den Preis dafür zahlen“, warnt Justine Duclos-Gonda, Öl- und Gaskampagnerin bei Reclaim Finance. „Es ist kein Wunder, dass immer mehr Menschen ihre Stimmen gegen diese Projekte erheben, die ihre Gesundheit und Lebensgrundlagen bedrohen. Doch trotz dieser Bedenken pumpen Banken weiter Milliarden in die LNG-Expansion, ungeachtet der sozialen und klimatischen Kosten.“ Die Organisationen hinter dem Kartierungsprojekt ExitLNG fordern die beteiligten Banken auf, ihre Unterstützung zurückzuziehen.

Öl- und Gasförderung weiterhin ungebremst

Trotz der internationalen Klimaziele, einschließlich dem COP28-Beschluss, fossile Energien zu reduzieren, bleibt der Ausbau der Öl- und Gasförderung auch insgesamt ungebremst. 96 Prozent der untersuchten Öl- und Gasproduzenten sollen laut Urgewald ihre Förder- oder Ausbauaktivitäten fortsetzen. Nach der jüngsten Veröffentlichung der Datenbank Global Oil & Gas Exit List (GOGEL) 2025 planen Öl- und Gaskonzerne rund ein Drittel mehr fossile Ressourcen als 2021 zusätzlich zu erschließen. jb

Kommentare

Juri Hertel am 09.12.2025

Eine traurige globale Entwicklung ...

In Frankreich wird ein ungenutzter LNG Terminal wieder abgebaut:

 

https://www.reuters.com/business/energy/totalenergies-relocate-le-havre-floating-lng-terminal-after-french-court-ruling-2025-11-25/

 

"Court, TotalEnergies say emergency conditions requiring extra gas capacity no longer present"

 

Die Gasnetzbetreiber gehen von einem Absterben des Gasnetzes aus das bereits begonnen hat:

 

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/gas-leitungen-kommunen-100.html

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen