Handelspolitik: Freier Handel zwischen Indien und der EU

Nach Mercosur folgt Indien: Die EU plant einen neuen Freihandelsdeal mit der viertgrößten Demokratie der Welt. Das Abkommen soll Handel, Lieferketten und geopolitische Resilienz stärken.
29.01.2026 – Nur zwei Wochen nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten unterschrieben hat, kündigt die EU bereits den nächsten großen Handelsdeal an.
Das Freihandelsabkommen mit der viertgrößten Demokratie der Welt, Indien, schafft eine Wirtschaftszone mit knapp zwei Milliarden Menschen und soll innerhalb eines Jahres umgesetzt werden. Die EU und Indien handeln derzeit Waren und Dienstleistungen im Wert von über 180 Milliarden Euro pro Jahr. Durch den Abbau von Zöllen auf 96,6 Prozent der EU-Warenausfuhren nach Indien soll dieser bis 2032 verdoppelt werden.
Die EU sieht Vorteile für den europäischen Maschinenbau, den Agrar- und Automobilsektor. So soll etwa ein großzügiges Zollkontingent für europäische Autos geschaffen werden – nahezu zwei Drittel für Verbrenner. Auch die Zölle für europäischen Stahl sollen über zehn Jahre von bis zu 22 Prozent fast vollständig abgebaut werden.
Wie schon bei Mercosur erwarten Wirtschaftsinstitute wie Kiel und Köln Wohlfahrtsgewinne für beide Seiten sowie eine Stärkung der Lieferketten und Reduzierung geopolitischer Risiken. Indien ist derzeit der neuntgrößte Handelspartner der EU, das Handelsvolumen mit den USA und China ist allerdings um ein Vielfaches größer.
Kritik deutlich leiser
Mit 20 Jahren war das Abkommen nahezu ebenso lange in der Mache wie das mit den Mercosur Staaten, ist jedoch weit weniger umstritten. Dies könnte auch daran liegen, dass das Abkommen kein Kapitel zu Rohstoffen, Klimaschutz und Energiewende enthält; Bereiche, die beim Mercosur-Abkommen deutlich kritisiert wurden. Zu dem Handelsabkommen zwischen Indien und der EU äußerten sich hingegen nur wenige Umwelt- und Klimaschutz NGOs.
Ein Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen fehlt zwar. Allerdings wurden nach bisherigen Erkenntnissen auch keine großen Zugeständnisse in Sachen Klimaschutz gemacht. Vielmehr habe Indien trotzdem verbindlich zugesagt, das Pariser Klimaabkommen umzusetzen, berichtet der Tagesspiegel Background. Auch ist noch in diesem Jahr eine europäisch-indische Plattform für Zusammenarbeit beim Klimaschutz geplant. Unter anderem will die EU Indien, dem drittgrößten CO2-Emittenten der Welt, mit 500 Millionen Euro über zwei Jahre beim Klimaschutz unterstützen. Auch der von Indien kritisierte CO2-Grenzausgleichmechanismus (CBAM), auch als Klimazoll der EU bezeichnet, bleibt von dem Abkommen unberührt. CBAM gleicht Kostennachteil für nachhaltig produzierte Industrieprodukte der EU aus, und führt so bei importierten Produkten zu einem ‚Klimaaufschlag‘.
„Dass Indien nun mit der EU den Schritt Richtung Freihandel geht, ist ein starkes geopolitisches Zeichen in Richtung EU. Denn Indien steht unter dem gleichen wirtschaftlichen Druck durch die USA und China“, kommentiert Anna Cavazzini, handelspolitische Sprecherin der Grünen/EFA-Fraktion. Sie lobte die pragmatischen Verhandlungen als zukunftsweisend für die EU-Handelspolitik: „Kleinere Abkommen, die sich auf konsensuale Themen und Sektoren fokussieren, während sie sensible schützen.“ In Zeiten von Trump im Weißen Haus seien neue Partnerschaften wichtig und notwendig, um die europäische Handelspolitik nachhaltiger und die Wirtschaft resilienter aufzustellen. jb




















































