Fossile Energiekrise: Gegenwind auf der Hauptversammlung von EnBW

Während EnBW mit Investitionen in die Energiewende wirbt, kritisieren Verbände neue LNG-Importe und steigende Kohleverstromung. Auf der heutigen Hauptversammlung des Energiekonzerns machen sie ihren Ärger deutlich.
07.05.2026 – Man habe 2025 einen Rekord-Zubau bei Wind und Solar zu verzeichnen und so viel wie noch nie in die Transformation des Energiesystems und damit in die Versorgungssicherheit investiert, verkündete der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Georg Stamatelopoulos, im März, im Rahmen der Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse des vergangenen Jahres.
Das Transformation des Energiesystems und die Versorgungssicherheit nicht nur den Ausbau Erneuerbarer Energien meint, zeigt sich im weiteren Verlauf der Pressemitteilung zum Geschäftsergebnis. Dort ist unter anderem vom Ausbau von Gasnetzen, sowie dem „Bau wasserstofffähiger und flexibel einsetzbarer Gaskraftwerke“ die Rede. Als Ziel formuliert der Energiekonzern: Bis 2030 solle der Anteil der Erneuerbaren an der installierten Erzeugungsleistung der EnBW zwischen 75 und 80 Prozent betragen.
Eigenen Angaben zufolge betrug Ende 2025 der Anteil Erneuerbarer an der installierten Erzeugungsleistung 65,6 Prozent. Der Anteil Erneuerbarer an der tatsächlichen Stromerzeugung aber, betrug nur 53,1 Prozent. Und gemessen am Umsatz erwirtschaftet der Energiekonzern aus Baden-Württemberg diesen weiterhin zu rund 50 Prozent mit fossilen Energien, wie eine Analyse von urgewald auf Grundlage der eigenen Kohle- (Global Coal Exit List (GCEL)) sowie Öl- und Gasdatenbank (Global Oil and Gas Exit List (GOGEL)) zeigt.
Gegen die Entlastung des EnBW-Vorstands
Es ist eine Analyse, die urgewald, der Dachverband kritische Aktionär*innen und Deutsche Umwelthilfe (DUH) anlässlich der heutigen Hauptversammlung von EnBW veröffentlichen. Die kritischen Aktionär*innen sind als Anteilseigner auf der Versammlung vertreten und haben einen Gegenantrag zur Entlastung des Vorstandes eingebracht, mit dem Ziel die Entlastung zu verweigern. Mit Verweis auf die Analyse von urgewald erklären sie, der Vorstand der EnBW komme weiterhin nicht seiner Verantwortung nach, wirksamere Maßnahmen für den Klimaschutz umzusetzen und verletze die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten in der Lieferkette.
Urgewald zufolge, hat EnBW den Anteil von Kohle an seiner Stromerzeugung zuletzt deutlich erhöht, von rund 23 Prozent im Jahr 2024 auf rund 33 Prozent Kohleanteil im Jahr 2025. Zahlen des Datenanbieters ENTSO-E würden zeigen, dass die Gesamtstromerzeugung aus Kohle bei EnBW in 2025 mit 10,6 Millionen Megawattstunden (MWh) um 12 Prozent über der des Jahres 2023 (9,4 Mio. MWh) und sogar um 89 Prozent über der des Jahres 2024 (5,6 Mio. MWh) lag.
Moritz Leiner, Energie-Campaigner bei urgewald, kommentiert: „EnBW verschleppt die Energiewende. Kein anderer deutscher Energieversorger hat die Kohleverbrennung zuletzt auch nur annähernd so stark ausgeweitet. Statt möglichst lange dreckige Steinkohle aus Kolumbien zu verbrennen, sollte EnBW endlich Kurs setzen auf den Kohleausstieg im Jahr 2028 und Erneuerbare klar priorisieren.“
Kolumbien ist derzeit wichtigster Lieferant für die Kohlekraftwerke des Energiekonzerns. Nach einem Rückgang 2024 stieg die Importmenge 2025 deutlich auf ca. 1,9 Mio. Tonnen an. Damit deckt Kolumbien etwa 65 % des Gesamtbedarfs der EnBW (2,9 Mio. Tonnen) ab. Der Dachverband kritische Aktionär*innen verweist auf eklatante Verletzungen von Umweltschutz und Menschenrechten in Kolumbien. Das Land selbst will schnellstmöglich aus dem Kohleabbau aussteigen.
In den Steinkohletagebauen Kolumbiens wird oftmals mit Sprengungen gearbeitet. Das sorgt für enorme Feinstaubbelastungen. Staublunge und Asthma sind weitverbreitet, schon bei Kindern. Auch verbraucht der Kohleabbau enorme Mengen Wasser und erfordert Flussumleitungen. In einer trockenen Region wie La Guajira, führt das zu akutem Wassermangel und Gesundheitsschäden bei der lokalen Bevölkerung durch Feinstaub und Schwermetallen in den umgeleiteten Flüssen. Auch soll es In Tagebauen wie Cerrejón in der Vergangenheit zu teils gewaltsamen Umsiedlungen indigener und afrokolumbianischer Gruppen gekommen sein.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz untersage aber widerrechtliche Räumungen, sagt Markus Dufner vom Dachverband der kritischen Aktionär*innen. „EnBW muss mehr Druck auf die Minenbetreiber ausüben und sich für angemessene Entschädigungen oder Landrückgaben einsetzen.“
Zementierung von Gasinfrastrukturen
In der Kritik auch: Die Gasgeschäfte des Energiekonzerns. EnBW halte auch an folgenreichen LNG-Importen fest, unter anderem durch Verträge mit dem Staatskonzern ADNOC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, so die Umweltverbände. Auch ein LNG-Liefervertrag mit dem US-amerikanischen Unternehmen Venture Global, das sein Geschäft mit Fracking-LNG aktuell stark ausweitet, monieren sie. Hier ist eine Beschwerde der DUH wegen vermuteter menschen- und umweltrechtlicher Verstöße dieses Liefervertrags gegen das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) anhängig.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, kommentiert: „EnBW kauft große Mengen an Fracking-LNG aus den USA, das unter besonders gesundheits-, umwelt- und klimaschädlichen Bedingungen produziert wird. Die massive Ausweitung der US-Gasproduktion und Exportinfrastruktur, die EnBW damit unterstützt, geht zu Lasten der Umwelt und betroffener Bevölkerungsgruppen, die mit gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch fossile Verschmutzung zu kämpfen haben.“
Die Zementierung von Gasinfrastrukturen erfolgt scheinbar Hand in Hand mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Das Wirtschaftsministerium (BMWE) hatte Anfang des Jahres bei EnBW angefragt, Kriterien zur sogenannten „10h-Regel“ aufzuführen. Das Ziel offensichtlich: Batteriespeicher in der Kraftwerksstrategie des Bundes zur Versorgungssicherheit von Auktionen und Zuschlägen auszuschließen, die länger als 10 Stunden Energie vorhalten müssen. Denn genau dafür fand EnBW Argumente. Unternehmen mit Fokus auf Batteriespeichern hingegen wurden nicht gefragt.
Ein entsprechendes Ersuchen des BMWE an EnBW müsste eigentlich im Lobbyregister vermerkt werden. Das geschah jedoch erst, nachdem der Spiegel zu dem Fall recherchierte und bei EnBW und dem BMWE anfragte. Das für die Kraftwerksstrategie nötige Gesetz, das StromVKG, befindet sich derzeit in Ausarbeitung.
Zuletzt ging es in die Verbändeanhörung. Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) erklärte am Dienstag, in der vorgelegten Fassung würde das Gesetz fossile Strukturen weiter festigen. Tatsächlich seien bei 10 von 12 Gigawatt auszuschreibender Leistung die Kriterien derart verengt, dass diese praktisch nur durch fossile Gaskraftwerke zu erfüllen sind und Batteriespeicher benachteiligen. „Das StromVKG in seiner aktuellen Fassung ist weder der sicherste noch der günstigste volkswirtschaftliche Weg zur Versorgungssicherheit. Eine Kilowattstunde Versorgungssicherheit aus dem StromVKG kostet die Verbraucher rund 20 Cent Subvention. Eine Kilowattstunde aus Erneuerbarem-Backup läge deutlich darunter, im einstelligen Cent Bereich“, sagte BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser.
Ein Gutachten, im Auftrag von DUH und Wirtschaftsverband Windkraftwerke, widersprach zuletzt der Mär Reiches von vermeintlich hohen Systemkosten der Energiewende. So seien, auch unter Einbeziehung der Kosten für Netzausbau und Batteriespeicher, Erneuerbare Energien deutlich günstiger als der Neubau von Gaskraftwerken. mg






















































