Power Purchase Agreement PPA: Geschäftsmodell unter Druck

Negative Börsenstrompreise stellen PPAs in wichtigen Märkten für Erneuerbare Energien wie Deutschland und Spanien vor Herausforderungen. Wie eine Veranstaltung in Berlin zeigte, sind neue Ansätze gefragt – dabei lohnt sich ein Blick über die Grenzen.
11.07.2025 –Power Purchase Agreements (PPAs), also langfristige Stromlieferverträge, spielen eine zentrale Rolle beim marktgetriebenen Ausbau Erneuerbarer Energien. Unternehmen können sich damit grünen Strom zu langfristig kalkulierbaren Preisen sichern und ihren Klimazielen näherkommen. Betreiber können ihre Erneuerbare-Energien-Anlagen, wie Solar- und Windparks, finanzieren und Risiken beim Stromverkauf reduzieren. Dieses Modell boomte in den vergangenen Jahren. Laut den Analysten von Wood Mackenzie wurden europaweit 2024 PPAs im Umfang von 19 Gigawatt (GW) neu abgeschlossen, angeführt von Spanien und Deutschland.
So wurden in Deutschland im vergangenen Jahr PPAs für Erneuerbare Energien mit einem Volumen von 3,6 GW (ein Plus von 323 Prozent gegenüber 2023) gezeichnet, in Spanien 3,1 GW (ein Plus von 12 Prozent). Das gesamte PPA-Volumen erreichte in Spanien 2024 11,6 GW und in Deutschland 6,6 GW. Und die Zeichen stehen grundsätzlich auf weiterem Wachstum.
Hunderte von Stunden negative Preise
Doch zunehmend machen negative Day-Ahead-Börsenstrompreise, die infolge eines temporären Überangebots von Solar- und Windstrom auftreten, PPAs zu schaffen. Dies wurde am Dienstagabend (8. Juli) bei einer Veranstaltung der Marktoffensive Erneuerbare Energien unter dem Dach der dena in der Spanischen Botschaft in Berlin deutlich. So waren die Börsenstrompreise in Deutschland im ersten Halbjahr 2024 an insgesamt 389 Stunden negativ. Damit wurde innerhalb von sechs Monaten bereits fast der Jahreswert von 2023 mit 399 Stunden erreicht; 2024 kletterte die Marke auf 457 Stunden.
In Spanien gab es im April 2024 erstmals negative Börsenstrompreise, die sich im Laufe des Jahres auf 244 Stunden summierten. Nach einer Winterpause summierten sich die negativen Börsenpreisstunden (inkl. Stunden mit 0 €/MWh) in Spanien im ersten Halbjahr 2025 bereits auf 459.
Risiken erschweren Finanzierung
Photovoltaikanlagen in Spanien haben im vergangenen Jahr 7 Prozent ihres Stroms zu Zeiten negativer Börsenpreise erzeugt, in Deutschland waren es 18 Prozent, berichtete Max von Hausen, Country Lead PPA Transactions Germany bei Pexapark. Dies erschwere den Abschluss von langfristigen PPAs sowie die Kalkulation der Verträge. „Die Strukturierung bankfähiger PPAs wird schwieriger, da die Marktteilnehmer keine Klarheit darüber haben, wann die negativen Preisstunden wieder abnehmen werden”, sagte von Hausen.
Angesichts der unsicheren Preisentwicklung und der wirtschaftlichen Volatilität zögern viele Anbieter, sich auf langfristige PPAs festzulegen. Eine große Spanne zwischen den Höchst- und Tiefstpreisen sowie eine geringe Marktliquidität erschwerten die Geschäftsabwicklung zusätzlich. Zwar seien die Preise für Solarmodule gesunken, doch andere Kosten wie der Netzanschluss, Grundstücke und die Finanzierung seien weiterhin hoch. Dies erschwert die wirtschaftliche Realisierung von Projekten bei niedrigeren bzw. unsicheren PPA-Preisen.
Starke Einbrüche im PPA-Markt
Laut dem Experten von Pexapark ist der PPA-Markt im Jahr 2025 jedenfalls bereits stark eingebrochen. So sank die Kapazität der angekündigten PPAs in Spanien im ersten Quartal auf etwas über 1000 MW, im zweiten Quartal auf rund 500 MW, in Deutschland auf rund 200 MW im ersten Halbjahr 2025 (I/25) und auf einige wenige Megawatt im zweiten Halbjahr 2025 (II/25). Europaweit wurden seit Jahresbeginn PPAs mit einem Volumen von 5,6 GW angekündigt, deutlich weniger als in den Vorjahren.
Von Hausen sieht die Flexibilisierung der Erneuerbaren Erzeugung sowie des Verbrauchs als zentralen Hebel, um die negativen Börsenstrompreise zu vermeiden und PPAs wieder attraktiver und tragfähiger zu machen. Darüber hinaus hält er einen staatlichen Schutzschirm jenseits des bisherigen Regimes der garantierten Einspeisetarife für notwendig. „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Preisvolatilität und das langfristige Risiko berücksichtigt werden“, unterstreicht der Experte.
FERGEI-System als Vorbild für Risikoabsicherung
Dafür seien deutlich mehr große Batteriespeicher nötig, um die Erzeugungsspitzen zu glätten. Hier gelte es, Engpässe bei den Netzanschlüssen abzubauen und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Zudem müsse es darum gehen, mehr Anreize für die Nachfragesteuerung und die Digitalisierung der Infrastruktur zu schaffen.
Um das Risiko bei PPAs zu begrenzen, hält von Hausen zudem „effiziente staatliche Garantien“ für sinnvoll. Als Vorbild könne das spanische „FERGEI“-System (Reserve Fund to Guarantee Large Electricity Consumers) dienen, das seit 2020 von der staatlichen CESCE (spanische Exportkreditagentur) verwaltet wird. Dabei ist das finanzielle Risiko eines PPAs für Anbieter und Verkäufer bis zu 80 Prozent des Vertragswerts abgedeckt. In Deutschland gibt es bisher kein spezielles nationales Kreditsicherungssystem für PPAs.
Nicht nur auf niedrige Industriestrompreise setzen
Von Hausen plädierte zudem dafür, Entlastungsprogramme für die Industrie beim Strompreis mit der Förderung Erneuerbarer Energien zu kombinieren, um so auch die Energiewende voranzubringen. Er verwies dabei auf entsprechende Regelungen in Spanien und Italien.
In der anschließenden Diskussion unterstrichen Vertreter der Energiewirtschaft und der Industrie trotz der bestehenden Hürden und Risiken die hohe Bedeutung von PPAs für die Weiterentwicklung der Energiewende, der Dekarbonisierung und einer sicheren und kostengünstigen Energieversorgung.
Bayer geht voran – Stadtwerke als Partner
„Wir setzen vor allem auf physische Onsite-PPAs, um lokale Erneuerbare Produzenten und lokale Märkte zu stärken”, sagte Sabrina Ritterbach, Energy & Renewables Global Lead der Bayer AG. Das Ziel sei, bis 2029 alle Bayer-Standorte in Deutschland entsprechend über PPAs mit erneuerbarem Strom zu versorgen. In Spanien habe man dieses Ziel bereits erreicht.
Wichtige Partner bei der Umsetzung von regional ausgerichteten PPAs, auch mit kleineren Erzeugern, und von PPAs mit kürzeren Laufzeiten von drei bis fünf Jahren, seien die Stadtwerke, betonte Ritterbach. Die kommunalen Unternehmen seien wichtige Vermittler und verfügten über viel Erfahrung in diesem Bereich. So arbeite man unter anderem erfolgreich mit den Wuppertaler Stadtwerken zusammen.
EDP: Hybride Modelle sind die Zukunft
„Für uns sind PPAs weiterhin ein zentrales Instrument auf dem Weg zur Klimaneutralität“, sagte Pedro Vinagre, Executive Director North & Central Europe bei EDP. Als nächsten zentralen Schritt sieht er hybride PPA-Modelle, also die Kombination von Solar-, Wind- und Batterieparks für Stromlieferverträge.
Hans-Christoph Neidlein






















































