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Krise, Wandel und AufbruchGriechenland will grüne Energiedemokratie werden

Windkraftanlage auf griechischer Insel, Abendstimmung, im Vordergrund eine kleine Kirche, im Hintergrund das Meer
Windenergieanlage in Griechenland (Foto: HWEA / Dimos Atsalakis / Ioannis Vrouxas)

Nicht nur die Volkswirtschaft Griechenlands erholt sich, eine bemerkenswerte Wandlung hat auch die Energiewirtschaft des Landes vollzogen. Ein Wermutstropfen sind die stark eingeschränkten Flächen für den Windenergieausbau.

29.09.2026 – Vor eineinhalb Jahrzehnten drohte Griechenland der Staatsbankrott und es bedurfte eines Rettungsschirms der Euro-Staaten, um das Mutterland der Demokratie vor dem Finanzkollaps zu retten. In der Rückschau betrachtet ist dies gelungen. Inzwischen wächst die griechische Volkswirtschaft stärker als die der meisten EU-Länder und die Griechen vermochten, ihre hohe Staatsverschuldung zu senken.

Eine bemerkenswerte Wandlung hat auch die griechische Energiewirtschaft vollzogen. Der traditionelle Strom-Nettoimporteur Griechenland hat sich zum Elektrizitätslieferanten für seine Nachbarländer Italien, Albanien, Nordmazedonien und Bulgarien gemausert. Ermöglicht haben dies die Errichtung neuer Gaskraftwerke und ein Boom erneuerbarer Energien.

Daten der energiewirtschaftliche Denkfabrik Ember zufolge gehört Griechenland zu den Top Ten auf der Welt bei der Nutzung von Sonne und Wind zur Stromerzeugung. Mit einem Photovoltaik-Anteil an seiner Elektrizitätserzeugung von zweiundzwanzig Prozent lag es im vergangenen Jahr hinter Ungarn und Chile auf Rang Drei und mit seinem Windkraftanteil von zwanzig Prozent auf dem neunten Rang.

Die Wasserkraft trägt bis zu acht Prozent zur Stromversorgung bei. Bei den fossilen Brennstoffen ist der Erdgasanteil mit fünfunddreißig Prozent noch hoch, die Braunkohle aber wurde auf fünf Prozent reduziert und soll zügig ganz auslaufen.

Regierung verspricht fortgesetzte Dekarbonisierung der nationalen Energiewirtschaft

„Innerhalb von nur sieben Jahren haben wir die installierte Leistung erneuerbarer Energien fast verdreifacht“, rühmte sich Umwelt- und Energieminister Stavros Papastavrou Mitte September gegenüber der Athener-Mazedonischen Nachrichtenagentur (APE-MPE). Dass die Kapazität regenerativer Energien von 6,3 Gigawatt im Jahr 2019 auf über achtzehn Gigawatt gesteigert werden, sei kein Selbstläufer gewesen, sondern das Resultat strategischer Energiepolitik.

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So habe seine Regierung Bürokratie abgebaut und Investitionen in PV- und Windkraftanlagen systematisch gefördert. Auch künftig werde die Dekarbonisierung der nationalen Energiewirtschaft fortgesetzt, versprach der Minister. Tatsächlich kündigte der staatliche Übertragungsnetzbetreiber IPTO Mitte September an, bis Mitte der 2030er Jahre neun Milliarden Euro in sein Netz zu investieren und zehn Gigawatt Erzeugungskapazitäten regenerativer Energieträger ans Netz anzuschließen.

Sonne ernten statt Kohle baggern

Nirgendwo ist der Wandel der griechischen Energiewirtschaft so augenfällig wie in den einstigen Braunkohleabbaugebieten der nordgriechischen Region Makedonien. In Kozani ging im Jahr 2022 der von der griechischen HELLENiQ Energy und der deutsche JUWI errichtete Photovoltaikpark mit einer Leistung von 204 Megawatt in Betrieb. Und die staatliche Public Power Corporation (PPC) betreibt in Makedonien inzwischen Solarkraftwerke mit einer Kapazität von über 2,1 Gigawatt. Dazu gehört auch der in Kooperation mit RWE errichtete Photovoltaikkomplex Amyntaio, der eigenen Angaben zufolge mit seiner Leistung von 940 Megawatt der größte in Europa ist.

Aber auch small is beautiful

Zwei in den vergangenen Monaten in Kraft getretene Verordnungen scheinen indes eine gewisse Kurskorrektur der griechischen Öko-Energie-Politik zugunsten kleinerer, dezentraler Anlagen für private Haushalte anzudeuten. Zunächst legte die Regierung im August ihren Sonderrahmenplan für Raumordnung im Bereich der erneuerbaren Energien vor, der seit dem Jahr 2008 gültige Regelungen ersetzte. Seine erklärte Absicht ist es, „den Ausbau regenerativer Energieträger in Einklang zu bringen mit Naturschutz, Tourismus und Kulturdenkmälern“.

Künftig soll die Errichtung von Windparks in den Metropolregionen Athen und Thessaloniki untersagt sein. Für die Berge gilt eine Höhenbegrenzung für Windkraftanlagen auf 1.200 Meter. In Naturschutzgebieten und an unberührten Stränden sollen PV-Anlagen und Windräder nicht mehr genehmigt werden, rund um bedeutende kulturhistorische Monumente und UNESCO-Welterbestätten sollen sie einer „visuellen Verträglichkeitsprüfung" unterzogen werden.

Flächen für Windkraft werden begrenzt

Windkraftprojekte sollen nur noch auf den dreizehn größten Inseln wie Kreta und Euböa realisiert werden und die von ihnen eingenommene Fläche darf vier Prozent der Gesamtfläche einer Insel nicht überschreiten. Bei Branchenverbänden stößt der Sonderrahmenplan auf Kritik. Efi Karra, Nachhaltigkeitsbeauftrage der Hellenic Wind Energy Assocation (HWEA), hält die Beschränkungen für Windenergie, für „übertrieben und strenger als erwartet“. Über sechzig Prozent des griechischen Territoriums würden zur „Sperrzone für neue Windparks“, teilt sie auf journalistische Anfrage mit. „Geeignete Projekte könnten künftig ohne individuelle Prüfung abgelehnt werden, obwohl viele von ihnen bei ordnungsgemäßer Durchführung der Genehmigungs- und Umweltverträglichkeitsprüfungen wahrscheinlich genehmigt worden wären“, fürchtet sie.

Mutterland der Demokratie soll Energiedemokratie werden

Am 14. September 2026 trat eine Verordnung in Kraft, die ab November die Installation von Plug-In-PV-Anlagen mit einer maximalen Leistung von 800 Watt auch auf Balkonen erlaubt. Nicht nur Großkonzerne sollen sich an der Energiewirtschaft beteiligen, sondern auch Privathaushalte, liegt ihr als Idee zugrunde. „Energiedemokratie bedeutet für uns, dass mehr Bürger ihre eigene Energie produzieren und Kontrolle über ihre Energiekosten erlangen“, so der Energieminister. Auch dies werde dazu beitragen, die für das Jahr 2029 angestrebte Senkung der Energiekosten um dreißig Prozent zu erreichen.

GR-Eco Islands

Als grundlegendes Element der griechischen Energiestrategie gilt die Anbindung der Inseln an die Stromnetze auf dem Festland. Im Rahmen ihres ersten Klimagesetzes aus dem Jahr 2022 hat die Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis ihre Initiative GR-Eco Islandsins Leben gerufen, mit der sie Klimaneutralität auch für die bewohnten Inseln anstrebt.

Anfang September hat die Europäische Investitionsbank (EIB) dafür einen Dekarbonisierungsfonds in Höhe von 2,3 Milliarden Euro bewilligt. Aus ihm sollen submarine Netzverbindungen und Anlagen erneuerbarer Energien finanziert werden, um die bisher noch übliche Stromerzeugung mit Diesel- oder Schwerölgeneratoren zu ersetzen. Sie ist nicht nur teuer, sondern auch umweltschädlich. Der Fonds soll Privathaushalten, Hoteliers und Gastronomen sowie öffentlichen Einrichtungen finanzielle Unterstützung gewähren für die Installation von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichersystemen.

Submarines Megaprojekt sorgt für Verstimmungen mit der Türkei

Rund fünfzig küstennahe Inseln wurden bereits mit dem Festland-Stromnetz verknüpft, knapp die Hälfte der bewohnten Inseln. Die großen Inseln Kreta, Euböa und Korfu befinden sich darunter und Kykladeninseln wie Mykonos, Naxos und Santorini. Bis zum Ende des Jahrzehnts will der Netzbetreiber IPTO weitere Inseln im Dodekanes und der nördlichen Ägäis an sein Netz anschließen.

Das größte Verbindungsprojekt aber, der sogenannte Great Sea Interconnector (GSI) zwischen Kreta und Zypern, der später bis Israel reichen soll, hat indes zu diplomatischen Spannungen mit der Türkei geführt. Ankara protestiert gegen den GSI, weil er die türkische ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) durchqueren soll. „Wir werden die Türkei nicht um ihre Erlaubnis fragen“, zeigt sich Minister Papastavrou entschlossen. Frank Stier

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