BEE-Sommerfest 2026: Hoffen auf die Zielgerade

SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Miersch zeigte sich beim BEE-Sommerfest zuversichtlich, dass die EEG-Novelle im Herbst ins Parlament kommt und schlussendlich ein gutes Paket verabschiedet wird. Er gab der Branche aber auch einen klaren Impuls.
08.07.2026 – Bei durchwachsenem Wetter traf sich die Erneuerbaren Branche in Berlin zum Sommerfest an der Spree. Eingeladen hatte der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE). Dessen Präsidentin Ursula Heinen-Esser sprach in ihrer Eröffnungsrede die immer noch ausstehende EEG-Novelle an, auf die die Branche dringend wartet. Sie hoffe, dass auf der Zielgeraden ein guter Kompromiss für die Novelle, aber auch für das Netzpaket gefunden werde.
Immerhin steht in dieser letzten Sitzungswoche des Bundestages das Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (Strom VKG) auf der Tagesordnung. Hier wurden zuletzt Zugangshürden für Speicher geringfügig abgesenkt, aber nach wie vor bevorzugen die im Gesetz formulierten Ausschreibungsbedingungen für Back-Up-Kraftwerke vor allem neue Gasinfrastruktur. Auch das Gebäudemodernisierungsgesetz könnte noch in dieser Woche den Bundestag passieren, die Chancen dafür stehen seit Wochenbeginn aber deutlich schlechter.
Heinen-Esser betonte, dass die Erneuerbaren Branche immerhin für 436.000 Arbeitsplätze stehe und mit einem Anteil von knapp über 60 Prozent an der öffentlichen Stromversorgung im ersten Halbjahr längst bestimmend im Stromsystem sei. Man wolle mehr Markt, doch man müsse die Branche dafür auch von Fußfesseln befreien.
Der Kampf für die Energiewende ist trotz Erfolgen noch nicht gewonnen
Gastredner Matthias Miersch, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, erinnerte daran, dass trotz der Erfolge der Erneuerbaren weiter für den Weg der Energiewende gekämpft werden müsse und der Kampf noch nicht gewonnen sei. Zuletzt habe das die Debatte um die Kraftwerkstrategie gezeigt. Während hier die Finanzierung überhaupt nicht oder kaum diskutiert wurde, werde bei den Erneuerbaren immer wieder eine Kostendebatte geführt.
Die Unabhängigkeit, die Erneuerbare Energien ins Stromsystem bringen, sei ein starkes Argument, das immer wieder betont werden müsse. Es gebe immer noch Stellschrauben zur Verbesserung. Er nannte Pachtverträge als Beispiel, hier habe es in den letzten Jahren eine Entwicklung gegeben, die so nicht weitergehen sollte. Auch müsse die Wertschöpfung vor Ort bei den Standortgemeinden gestärkt und hier noch stärkere Anreize gesetzt werden. Allerdings dürfe die Redispatch-Karte, so wie sie jetzt im Raum steht, niemals gespielt werden. Miersch zeigte sich optimistisch, dass bei der EEG-Novelle und beim Netzpaket ein gutes Ergebnis zustande komme, das im Sommer im Kabinett und im Herbst im Parlament verabschiedet werden kann.
Erneuerbaren Branche muss stärker geeint auftreten
Miersch adressierte aber auch eine klare Botschaft an die Branche, die er als nachdenklichen Impuls einleitete. Die Erneuerbaren in ihrer Vielfalt müssten noch stärker mit einer Stimme sprechen, die Interessenkonflikte, die es zwischen den verschiedenen Erzeugungsarten gebe, dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Neues Format: Die jungen Wilden
Erstmals zum BEE-Sommerfest war Politik-Nachwuchs zum Podiums-Talk geladen. Unter dem Titel „Junge Wilde – Neue Impulse in der deutschen Energiepolitik“ waren Abgeordnete der SPD, CDU, CSU, Bündnis 90/Die Grünen und der Linken geladen, die in dieser Legislatur erstmals in den Bundestag eingezogen sind. Es diskutierten (v.l.n.r.) Vanessa Zobel (CDU), Alaa Alhamwi (Grüne), Christian Moser (CSU), Fabian Fahl (Linke) und Jakob Blankenburg (SPD). Moderiert wurde das Panel von Alina Rappaport vom Tagesspiegel Background.
Startup-Pitch 2026
Beim bereits traditionellen Startup-Pitch stellten sich fünf Kandidaten der deutschen Erneuerbaren Energiewirtschaft vor. In diesem Jahr wurden auf der Hauptbühne digitale Lösungen für die Energiewende gesucht. Die Startups Nuno Labs, Up-Cell, avori, dvlp.energy und SPine pitchten ihre Konzepte. Den ersten Platz sicherten sich die Gründer von Nuno Labs. Mit einem eigens entwickelten, hardwarebasierten Solar-Prognosesystem liefert das Unternehmen präzise Vorhersagen für die PV-Stromerzeugung.
Die Ansätze reichten von präzisen Erzeugungsprognosen und intelligenter Kreislaufwirtschaft bis hin zu digitalisierter Projektplanung und flexiblen Plattformlösungen. Während Nuno Labs mit ihrem Prognosesystem die Vorhersage von PV-Strom optimiert und Up-Cell gebrauchte Batteriezellen zu intelligenten Speichern upcycelt, fokussieren sich die anderen Teilnehmer auf Softwarelösungen.
avori beschleunigt als anbieterneutraler Marktplatz die Planung von Ladeinfrastruktur, dvlp.energy, nur knapp hinter Nuno Labs auf dem zweiten Platz gelandet, vereinfacht die Flächenakquise für Wind- und Solarparks durch die Bündelung von über 2.000 Geodatensätzen, und SPiNE bietet mit einer offenen App-Plattform ein herstellerunabhängiges Energiemanagement für Gebäude. pf/jb

















































