Energie- und klimapolitisch war 2025 ein Jahr der zwei Geschwindigkeiten: Politisch betrachtet war es von einem Rollback geprägt, wie wir ihn vielleicht noch nie hatten. Aus Sicht der Praktiker sind trotz spürbarer Herausforderungen viele Erfolge auf dem Weg hin zu einer sauberen Energieversorgung zu verzeichnen.
Zunächst zum Politischen: Die USA verabschiedeten sich aus der Klimadiplomatie und setzen unter Trump nun wieder auf Öl und Gas. Auf EU-Ebene droht die Rückabwicklung des Green Deals, die Weltklimakonferenz bleibt ebenso ambitions- wie erfolglos – und kaum jemand regt sich überhaupt noch darüber auf.
Auch in Deutschland haben Klimaschutz und Energiewende mit dem Regierungswechsel im Bund an Rückhalt verloren. Symptomatisch für diese Entwicklung steht für mich die Übernahme der Gasspeicherumlage aus dem Klima- und Transformationsfonds, kurz KTF.
Unverfroren: die Gasspeicherumlage aus dem Klimaschutzfonds
Schockiert hat mich vor allem die Unverfrorenheit, mit der die Bundesregierung den KTF missbraucht. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Wirtschaftsministerin Reiche und Kanzler Merz bedienen sich aus einem Fonds, der explizit zur Finanzierung von Klimaschutz und Energiewende gedacht ist, um damit die Kosten für Erdgastarife zu senken. Besonders für die Transformation des Heizungsmarkts sendet dieser Trick ein grundfalsches Signal.
Wirtschaftsministerin Reiche vermittelt derweil den Eindruck, als befänden wir uns im Jahr 2020, als Gas noch billig war und in Hülle und Fülle aus Russland floss. Wertvolle Zeit hat sie verloren, indem sie in Brüssel erfolglos für die beihilferechte Freigabe von 20 Gigawatt neuen Gaskraftwerken warb. Der deutlich eingedampfte Kompromiss mit der EU, der aktuell in Reichweite scheint, ist nicht weit weg von dem, was die Ampel-Regierung mit der Kommission bereits im Sommer 2024 ausverhandelt hatte.
Es passt ins große Bild, dass die Bundesregierung das eigentlich für 2025 vorgesehene Klimaschutzprogramm erst im kommenden Jahr vorlegen will – aus dem lapidaren Grund, dass von der EU kein Mahnschreiben zu befürchten ist. Klimaschutz gibt es offenbar nur dann, wenn er eingeklagt wird – so sind derzeit die Prioritäten.
Hoffnung kommt aus der Praxis
Neben dem politischen Rollback gibt es aber noch die Ebene der Praxis – und hier hält 2025 durchaus etliche Lichtblicke bereit. Im ersten Halbjahr 2025 überstieg die neu zugebaute Leistung von Windenergie- und Photovoltaikanlagen erstmals das Wachstum der weltweiten Stromnachtrage. Das ist ein wichtiger Wendepunkt, denn der globale Strombedarf wird aufgrund der Industrialisierung in vielen Schwellen- und Entwicklungsländer kontinuierlich und über viele Jahre hinweg wachsen.
Und auch bei uns in Deutschland geht es voran: Bei der Windenergie ist das Jahr von einem deutlichen Aufwärtstrend gekennzeichnet – sowohl was die Zubauzahlen angeht als auch die Genehmigungen und die Bearbeitungsdauer der Genehmigungsverfahren. Der Photovoltaik-Zubau liegt solide auf hohem Niveau, auch wenn dieses Jahr keine Rekorde purzeln werden. Und selbst bei den Sorgenkindern, den Nachfragesektoren, tut sich was: Der Absatz von E-Autos und Wärmepumpen hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich erholt.
Auf das kommende Jahr blicke ich daher mit verhaltenem Optimismus. Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das ominöse Gebäudemodernisierungsgesetz – der Ersatz des bei der Union verhassten Gebäudeenergiegesetzes – stehen an. Bei allen Diskussionen, die derzeit in Politik, Wissenschaft und Branche geführt werden, bergen diese Gesetzesvorhaben die Chance, die Energiewende bei weiterhin hoher Dynamik effizienter zu gestalten und ihr damit zusätzlichen Rückhalt zu geben. Diesen Prozess werden wir als naturstrom konstruktiv begleiten. Ich freue mich drauf!



















































