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Klimaklage





Klimaschädliche IndustrieIn Duisburg raucht´s besonders schlimm

Eine Industrieanlage am Abend mit rauchenden Schloten
Thyssenkrupp in Duisburg: Größter Stahlproduzent Europas mit erheblichen CO2-Emissionen. (Bild: Rainer Halama, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Es sind vor allem die Stahlwerke in Duisburg aber auch in anderen Städten, die in erheblichem Maße die Treibhausgasemissionen Deutschlands in die Höhe treiben. Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse. Politik und Unternehmen arbeiten an Lösungen.

07.06.2023 – Allein die Anlagen von Thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg sorgten im letzten Jahr für CO2-Emissionen von 16,2 Millionen Tonnen. Dazu kommen die Hüttenwerke Krupp Mannesmann im Stadtgebiet, mit Emissionen von 7,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Mit den sieben im Europäischen Emissionshandel (ETS) erfassten Anlagen, steht die Duisburger Industrie damit deutschlandweit an der Spitze der sogenannten „Dirty Thirty“ – der dreckigen dreißig.

Im Auftrag des WWF Deutschland, hat das Ökoinstitut die Industrieemissionen von im ETS erfassten Anlagen in Deutschland analysiert und die 30 CO2-intensivsten identifiziert. Auf die entfielen 2022 fast ein Drittel der im Klimaschutzgesetz definierten Emissionen des Industriesektors und acht Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands. Auf den Plätzen 1 bis 13 finden sich allesamt Anlagen zur Eisen- und Stahlerzeugung. Insgesamt macht diese Sparte die Hälfte der „Dirty Thirty“ aus. Neben Duisburg finden sich weitere klimaschädliche Eisen- und Stahlwerke in Bremen, Salzgitter, Dillingen und Eisenhüttenstadt.

Über die „Dirty Thirty hinaus, verursachten 2022 energie- und prozessbedingte Prozesse zur Eisen- und Stahlherstellung in Deutschland 51 Millionen Tonnen CO2. Das macht fast die Hälfte aller Kohlendioxidemissionen der vom ETS erfassten Industrie aus. Es folgen Emissionen aus der Zement- und Kalkherstellung, die im letzten Jahr 27 Millionen Tonnen verursachten – etwa 25 Prozent der industriellen ETS-Tätigkeiten. An dritter Stelle findet sich die Chemieindustrie, die 2022 CO2-Emissionen in einem Umfang von 14 Millionen Tonnen verursachte (15 Prozent der industriellen ETS-Tätigkeiten).

Zwar sind die Emissionen im Industriesektor im letzten Jahr gegenüber 2021 gesunken, bedingt aber vor allem durch Produktionsrückgänge infolge der Energiekrise. An einer Umstellung der Anlagen auf grüne Energie und klimafreundliche Produktionsprozesse wurde bislang nur geforscht. Doch es kommt Bewegung in die Sache. Am Montag kündigte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck an, dass sich Unternehmen schon bald für sogenannte Klimaschutzverträge bewerben können. Es geht um erhebliche staatliche Förderungen für den Umstieg auf eine nachhaltige Produktion.

Konkret will der Staat Unternehmen Ausgleichszahlungen garantieren, für höhere Kosten, die zu Beginn durch die klimafreundliche Produktion entstehen. Auch sollen Unternehmen gegen mögliche Schwankungen bei der Preisentwicklung von Wasserstoff abgesichert werden. Vorgestellt wurden diese sogenannten Klimaschutzdifferenzverträge (Carbon Contracts for Difference), Anfang 2022. In einer darauffolgenden Analyse erklärten Expert:innen des Think Tanks Agora Industrie dass diese, auf einen Zeitraum von zehn Jahren angelegten Verträge zwischen Staat und Unternehmen, einen Anschub für Industrietransformation erbringen würden, auch wenn die klimafreundliche Produktion aktuell noch unwirtschaftlich ist. Flankiert müsste das ganze aber durch einen stetig steigenden CO2-Preis im ETS werden, der klimafreundliche Technologien gegenüber den fossilen schneller wettbewerbsfähig mache.

Der größte Emittent im Industriesektor, Thyssenkrupp Steel, kündigte im März an, in eine Wasserstoff-Anlage zu investieren, die 2026 in Betrieb gehen soll. Doch noch braucht es dafür neben der Anlage auch Pipelines, um den Wasserstoff nach Duisburg zu transportieren. Aufgrund seiner hohen Energiedichte gilt Wasserstoff, neben Ammoniak als zukunftsweisend für die Dekarbonisierung der Industrie. Vorausgesetzt, die Energieträger werden aus Erneuerbaren Energien produziert. Viviane Raddatz, Klimachefin bei WWF Deutschland sieht die Klimaschutzverträge als Schritt in die richtige Richtung. Mit den Förderungen dürfte aber nicht der Fehler gemacht werden, den Einsatz von sogenanntem blauem Wasserstoff zu fördern, der aus Erdgas hergestellt wird und durch CO2-Abscheidung vermeintlich klimaneutral gemacht wird. In der gesamten Lieferkette können jedoch weiterhin Treibhausgasemissionen entweichen.

CO2-Abscheidungen – sogenanntes CCS und CCU – sollte laut WWF und Ökoinstitut nur für nicht vermeidbare prozessbedingte Emissionen eingesetzt werden und nicht für prozess- und energiebedingte Emissionen, die durch Umstellung auf klimafreundlichere Prozesse vermieden werden könnten. Daran sollte sich auch die Vergabe von Subventionen und Entlastungen richten. Bei Thyssenkrupp wird die sogenannte Direktreduktionsanlage zum Betrieb mit Wasserstoff voraussichtlich über zwei Milliarden Euro kosten. Der Staat soll dazu bedeutende Mittel bereitstellen. Das Land NRW hat bereits eine Zusage von 700 Millionen gegeben, weitere Millionen sollen vom Bund kommen. Am gestrigen Dienstag waren NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Bundeswirtschaftsminister Habeck bei Thyssenkrupp in Essen und Duisburg, zu Gesprächen mit der Geschäftsführung und Gewerkschaften. Mittelpunkt der Gespräche: die Herausforderungen bei der Dekarbonisierung der Stahlindustrie. mg

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