Bankenrating: ING DiBa: Grüne Ziele, fossile Realität

Bei einer Analyse von in Deutschland tätigen Geldinstituten landet die niederländische Großbank ING in Sachen Nachhaltigkeit an erster Stelle. Deren künftige Ausrichtung erscheint vorbildhaft. Doch noch wiegt das fossile Geschäft schwer.
14.01.2026 – Sie firmiert im Anfang der Woche veröffentlichten Bankenrating der Naturschutzorganisation WWF Deutschland an erster Stelle, die niederländische Großbank ING, die auch in Deutschland als ING-DiBa aktiv ist. In dem Bankenrating, dass das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte im Auftrag des WWF erstellte, werden 15 in Deutschland tätige Banken hinsichtlich ihrer Ausrichtung bei Kredit- und Investitionsentscheidungen sowie interner Prozesse für Klimaschutz und Biodiversitätsaspekte analysiert.
In keinem Bereich in der höchsten Kategorie „Visionär“ eingestuft, landet die ING jedoch im Vergleich der Banken ganz vorne und positioniert sich im Bereich Governance und Finanzieren als „Vorreiter“ (zweite Kategorie), während es im Bereich Investieren in der Kategorie „Verfolger“ (dritte Kategorie) landet. Beim Thema Investieren erringt derweil die ebenfalls niederländische Triodos Bank als einzige Bank im Testfeld das Prädikat „Visionär“. Des Weiteren gibt es die Kategorien „Mittelmaß“ und „Nachzügler“.
Wie die ING im Bankenrating abschneidet
Doch was steckt hinter den untersuchten Bereichen und den eingeordneten Kategorien? Governance beschreibt erst einmal die Art und Weise, wie Organisationen, Staaten oder Gesellschaften geleitet, gesteuert und kontrolliert werden. Konkret bewerteten die Analysten von Deloitte wie systematisch und verbindlich Banken Nachhaltigkeit in ihre Steuerungs- und Entscheidungsprozesse integrieren. Gibt es etwa verbindliche Selbstverpflichtungen und eine strategische Verankerung der Ziele? Gibt es klare Verantwortlichkeiten und eine transparente Fortschrittskommunikation? Und werden ökologische und soziale Risiken in Strategien integriert?
So habe die ING laut Analyse eine umfassend operationalisierte Klimastrategie etabliert, welche wissenschaftsbasierte Net-Zero-Ziele, sektorspezifische Transitionspläne, datengetriebene Steuerungsmechanismen sowie klare Maßnahmen zur Mitigation und Adaption in allen Geschäftsbereichen beinhalte. Zudem würde die ING überzeugen durch ein systematisch integriertes Management von Klima- und Biodiversitätsrisiken sowie durch ein Reporting, das über regulatorische Anforderungen hinausgeht.
Beim Thema Finanzieren geht es um die Art und Weise der Kreditvergaben von Geldinstituten. Laut Deloitte-Analysten, verfüge die ING über verbindliche, öffentlich zugängliche Richtlinien, die klima- und biodiversitätskritische Unternehmensaktivitäten explizit ausschließen. Umweltrisiken seien fest in ESG-Prozesse – also der Beachtung von Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und guter Unternehmensführung (Governance) – eingebettet. Das Kreditportfolio werde auf Basis eines extern validierten, wissenschaftsbasierten 1,5-Grad-Dekarbonisierungsziels gesteuert.
Im Bereich Investieren werden im Bankenrating Finanzprodukte wie Fonds der Banken hinsichtlich Klima- und Biodiversitätsaspekten abgebildet. Hier wird die ING lediglich als „Verfolger eingeordnet. Wie einige andere Banken zeige die ING fortgeschrittene Ansätze bei nachhaltigen Anlageprodukten. Sie verfüge überwiegend über quantitative Dekarbonisierungsziele für ihre Investmentportfolios sowie über Ausschlusskriterien für Sektoren mit „harmful activities“. Ziele und Richtlinien mit Bezug auf Biodiversität seien dagegen kaum oder gar nicht vorhanden. In den Portfolios würden sich vereinzelte nachhaltige Anlagen finden, jedoch ohne klaren Schwerpunkt auf diesem Segment. Im Vergleich Visionär dagegen, die Triodos Bank mit verbindlichen Richtlinien, klaren Dekarbonisierungszielen und Ausschlusskriterien für schädliche Anlageprodukte bei ihren Finanzprodukten.
Im Falle der ING beruht die Analyse auf einer aktiven Teilnahme der Bank, in der diese transparent ihr nachhaltiges Wirtschaften darlegen sollte. Andere Banken antworteten nicht oder erst im Nachhinein, wodurch eine externe Bewertung von Deloitte aufgrund frei verfügbarer Daten erfolgte, zum Teil ergänzt durch Rücksprachen mit den Banken, nach Vorlage der Analyse. Bei der Triodos Bank erfolgte die Bewertung rein auf Grundlage öffentlich zugänglicher Daten.
Die Fonds Triodos Global Equities Impact Fund und Triodos Pioneer Impact Fund etwa sind in der höchsten EU-Nachhaltigkeitskategorie, den sogenannten Artikel-9-Fonds eingeordnet. Jegliche Investments in fossile und nukleare Energie, Waffen, Tabak und Fabriktierhaltung werden kategorisch ausgeschlossen. In unabhängigen Tests wird den Fonds der Triodos Bank regelmäßig ein anspruchsvolles Nachhaltigkeitskonzept attestiert. Jedoch zieht sich die Triodos Bank bis Ende 2027 aus ihrem Deutschland-Geschäft zurück. Die ING hat ebenfalls Artikel-9-Fonds in ihrem Angebot, zudem aber auch Artikel-8-Fonds, die in Sachen Nachhaltigkeit Platz für Interpretationen lassen. Wobei auch vermeintliche Artikel-9-Fonds nicht immer nachhaltig sind.
Eigenen Aussagen zufolge will die ING unter anderem die Finanzierung der Exploration und Förderung von Öl- und Gasfeldern bis 2040 vollständig beenden und keine Finanzierung für neue LNG-Exportterminals ab 2026 vergeben. Mehr als 50 Prozent der Kredite in den Stromsektor, würden bereits in Erneuerbare Projekte fließen. Ein Anteil der weiter steigen soll. In globalen Indizes firmiert die ING, hinsichtlich ihrer ESG-Bewertungen im Bankenvergleich bereits weit oben.
Deutliche Kritik an der ING
Positioniert sich die ING im Vergleich der Großbanken relativ gut und scheinen die Ziele in die richtige Richtung zu gehen, kritisieren viele NGOs weiterhin einen unzureichenden Ausschluss fossiler Brennstoffe in den aktuellen Kreditentscheidungen und Anlagen der Bank. Das internationale Netzwerk Fair Finance etwa gab der ING im vergangenen für das Thema „Klima“ ein Rating von 54 von 100 Prozent („gerade ausreichend“) und verwies einerseits auf ein relativ starkes Ausstiegskonzept für Kohlekraft, andererseits aber auch, dass Kohleminen erst ab über 30 Prozent Umsatzanteil ausgeschlossen werden.
Laut der Studie Banking on Climate Chaos – die jährlich von einem internationalen NGO-Netzwerk herausgebracht wird – gehört die ING zu den 65 größten Banken, die international weiter in fossile Geschäfte investiert. 10,2 Milliarden US-Dollar waren es 2024. Immerhin machte die Bank, gemessen an ihrem Investitionsvolumen zwischen 2023 und 2024 die größten Fortschritte aller 65 Banken. 3,2 Milliarden US-Dollar weniger investierte sie im Jahresvergleich.
Basierend auf der Studie kam die NGO Reclaim Finance aber auch zu dem Ergebnis, dass die ING weiterhin Finanzierungsbeziehungen zu großen Öl- und Gasfirmen unterhält, die weiter expandieren. Insbesondere auf dem LNG-Markt für Flüssigerdgas. Explizit genannt wird etwa Venture Global, der größte Entwickler von LNG-Terminals weltweit, bei denen ING einer der wichtigsten Kreditgeber ist.
Anhängig ist zudem weiterhin eine Klage des niederländischen Ablegers von Friends of the Earth – Milieudefense. Sich stützend auf vermeintliche Verfehlungen hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz und basierend auf niederländischer Gesetzgebung und die europäische Menschenrechtskonvention, fordert Milieudefense, ING solle die Finanzierung von Unternehmen, die neue Öl- und Gasprojekte entwickeln, stoppen, sowie, umgerechnet auf den Emissionsausstoß, die Investitionen in fossile Brennstoffe um mindestens die Hälfte herunterfahren. Die Verhandlungen könnten 2026 beginnen, ein Urteil wird frühstens 2027 erwartet. Um ihre Kritiker zu besänftigen, müsste die ING wohl deutlich schneller aus fossilen Investments aussteigen als bislang vorgesehen. mg





















































