Bild: Michael Berger

Nachgefragt 19.06.2026

The Green Deal Show

Bei The Green Deal Show pitchen grüne Startups um Reichweite statt Geld. Mehr zur Creator-Investmentshow und den Impact-Startups erklärt Mitgestalter Leon Reiner vom Impact Hub im Interview.

Leon Reiner ist Co-Gründer des Impact Hub Berlin sowie von SEND. Als erfahrener Advisor begleitet er seit vielen Jahren Startups, die mit nachhaltigen Geschäftsmodellen gesellschaftliche Probleme lösen.


Nachgefragt 19.06.2026

The Green Deal Show

Bei The Green Deal Show pitchen grüne Startups um Reichweite statt Geld. Mehr zur Creator-Investmentshow und den Impact-Startups erklärt Mitgestalter Leon Reiner vom Impact Hub im Interview.

Bild: Michael Berger

Leon Reiner ist Co-Gründer des Impact Hub Berlin sowie von SEND. Als erfahrener Advisor begleitet er seit vielen Jahren Startups, die mit nachhaltigen Geschäftsmodellen gesellschaftliche Probleme lösen.



Bei der Green Deal Show gewinnen Startups Reichweite statt Geld. Ist Sichtbarkeit inzwischen wichtiger als finanzielles Investment?

Interessanterweise sagen Startups, die etwa in der Show die Höhle der Löwen pitchen, regelmäßig, dass der echte Mehrwert der Show eigentlich die Reichweite derselben ist. Allein der Auftritt in der Show ist der Hook für die Zuschauer – unabhängig vom Investment. Die Sichtbarkeit und der damit verbundene Marktzugang machen einen riesigen Unterschied. Das ist bei The Green Deal Show konsequent zu Ende gedacht. Wir haben von Anfang an überlegt, was so eine Show leisten kann. Das ist maximale Sichtbarkeit erzeugen, insbesondere für Produkte, die schon funktionieren, schon am Markt sind, aber einfach eine größere Plattform brauchen. Die Green Deal Show ist der Versuch, ihnen eine maximal große Plattform zu geben. Da war es nur konsequent, in die Jury keine Investor:innen zu setzen, sondern Influencer:innen, die aktuell zu den größten Reichweite-Boostern gehören.

Nach welchen Kriterien habt ihr die Startups beurteilt?

Beim Impact Hub befassen wir uns seit über zehn Jahren damit, Impact-Gründer:innen mit unterschiedlichsten Mitteln zum Erfolg zu verhelfen. Wir haben die Startups erstmal gescoutet, das heißt, wir haben in unseren verschiedenen Accelerator-Inkubator-Programmen, aber auch in unserem Netzwerk nach passenden Startups gesucht, und dafür geworben, sich zu bewerben. Eine Bewerbung war nicht für jedes Startup zwangsweise sinnvoll, sondern besonders für Startups, die erstens schon am Markt sind, und zweitens eher ein B2C-Produkt haben. Eine große Reichweite ist hauptsächlich für Startups relevant, die direkt an private Endkunden verkaufen.

Am Ende hatten wir etwa 70 passende Startups, die wir uns genauer angeguckt haben. Zuerst haben wir das Businessmodell angeschaut. Wie steht das Startup finanziell da, was ist das Marktpotenzial? Als nächstes haben wir geschaut, ob das Startup gut in die Show passt. Passt etwa die Zielgruppe zu der, die wir mit der Green Deal Show erreichen können und wollen? Kann das Gründerteam aus dem Format das meiste herausholen und einen coolen Pitch abliefern? Da blieben 15 bis 20 Startups übrig. Am spannendsten sind natürlich innovative Produkte, die besonders nachhaltig sind. Die ecodesign - akademie für nachhaltiges design hat sich dann nochmal den ökologischen Impact in der Tiefe angeschaut. Die wissenschaftliche Bewertung der Ecosign sollte sicherstellen, dass die Startups wirklich nachhaltig sind und nicht etwa greenwashing betreiben. Wir als Impact Hub haben nach Businessmodell, Innovationsgrad, Potenzial nach oben und Impact geschaut.

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Timo Busch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg

Timo Busch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg und Senior Fellow am Center for Sustainable Finance and Private Wealth der Universität Zürich

Seid ihr dem Problem begegnet, dass sich bestimmte Technologien einfach schwer in drei Sätzen erklären lassen?

Ja, ganz oft. Ich glaube aber, auch die schwierigste Technologie kann man am Ende runterbrechen. Das ist das Handwerkszeug, das Pitchen. Es gibt aber auch viele Teams, die eben nicht direkt an Kund:innen verkaufen, sondern an andere Firmen. Im Nachhaltigkeitsbereich geht es viel um Energiesparen, um Prozesse, um Materialien. Eine großartige, revolutionäre Lösung im Bereich industrielle Speichermedien oder ein wahnsinnig nachhaltiges Filtermaterial für die Chemieindustrie könnte einen sehr hohen Nachhaltigkeits-Impact haben und viel CO2 und Müll einsparen. Diesen Startups hilft das Format aber nicht so sehr weiter. In der Show geht es eher darum, eine große Masse an Menschen zu erreichen, die im Optimalfall ein nachhaltiges Produkt sehen, das sie auch kaufen und ausprobieren können. Der Anspruch war, ein Format zu machen, das zeigt, dass nachhaltige Alternativen cool sind, Spaß machen, und wunderbar in den Mainstream passen.

Hast du ein Lieblingsprodukt?

Da wir auch bewertet haben, halte ich mich hier zurück. Aber persönlich bin ich ein großer Fan von Produkten, deren Gründer:innen sich das zu Herzen nehmen. Ich glaube, da gab und gibt es eine ganze Reihe in der Show zu sehen. Wer sich dafür interessiert, sollte am besten alle drei Shows auf YouTube gucken, sich das eigene Lieblingsprodukt raussuchen und direkt bestellen. Ich habe alle ausprobiert und sie sind alle geil.

Hast du Tipps für Startups oder gibt es Fehler, die du immer wieder siehst?

Man kann nicht früh genug mit potenziellen Kunden sprechen. Ich treffe immer wieder Gründer:innen, die lange mit einer Idee schwanger gehen, ohne mit den Menschen zu sprechen, die dieses Produkt oder dieses Angebot am Ende wirklich kaufen sollen. Eine Idee ist sehr wenig wert. Viel wert ist nur die gute Umsetzung einer Idee. Und die kann man nur schaffen, indem man so früh wie möglich mit den Leuten in Austausch geht. Das ist tatsächlich ein Fehler, den ich immer wieder sehe. Oft werden schon große Pitchdecks gemacht, riesige Marktrecherchen, alles Mögliche, bevor man einfach mal ein paar Kunden trifft, mit ihnen redet. Darüber hinaus sollte man auch beim besten und nachhaltigsten Produkt nie aus dem Blick verlieren, dass es sich rechnen muss. Wenn das Produkt verkauft wird, muss jemand dafür bezahlen, und zwar am besten sehr gerne.

Was hast du aus der Kooperation mitgenommen?

Seit es die Höhle der Löwen gibt, haben wir – also Menschen, die sich mit dem Thema Impact und Gründung befassen – immer wieder abends bei einem Bier überlegt, wie man sowas in unserem Kontext stattfinden lassen kann. Die Green Deal Show setzt das nun um. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, die richtigen Teams zu finden und auch unser Netzwerk in Berlin so gut einsetzen zu können. Als Backstage-Moderator konnte ich den Teams außerdem die richtige Energie mit auf die Bühne geben. Vor zehn Jahren habe ich immer allen versucht zu erklären, was ich da so mache. Jetzt kann ich ihnen den Link schicken und sagen: Guck mal, das sind die Leute, denen ich beim Gründen und zu Erfolg verhelfe. Das macht einfach Spaß.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Julia Broich

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