Globale Energiewende: Jetzt kommt es auf die Elektrifizierung an

Für die Abkehr von fossilen Brennstoffen reicht es nicht mehr, nur die Erneuerbaren auszubauen. Die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäudesektor und der Industrie muss nun stärker in den Blick genommen werden, fordert die IRENA.
21.05.2026 – Eindringlich mahnt der Generaldirektor der International Renewable Energy Agenca (IRENA), Francesco La Camera, nun verstärkt die Elektrifizierung der Endverbraucher:innen in den Blick zu nehmen: „Abgesehen von dem Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien zu verdreifachen und die Energieeffizienz zu verdoppeln, stehen wir vor einer noch größeren Herausforderung. Ganze Energiesysteme müssen umgestaltet und der Verbrauch fossiler Brennstoffe sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite reduziert werden.“ Die Elektrifizierung und der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen sei untrennbar miteinander verbunden und müsse gemeinsam vorangetrieben werden.
Der weltweite Zubau an Erneuerbaren Energien verläuft weiter auf Rekordniveau. Die IRENA ermittelte im letzten Jahr, dass über 90 Prozent der im Jahr 2024 weltweit neu errichteten Kraftwerke zur Stromerzeugung Erneuerbare Anlagen waren. Laut BloombergNEF war 2025 ein erneutes Rekordjahr an Investitionen in die Energiewende. In der Europäischen Union erzeugten Erneuerbare Energien 2025 rund die Hälfte des Stroms – und das trotz ungünstiger Wetterbedingungen für Wind- und Wasserkraft.
Die Staatengemeinschaft hatte sich auf der 28. Weltklimakonferenz in Dubai darauf verständigt, Anstrengungen zu unternehmen, bis 2030 den Ausbau Erneuerbarer Energien zu verdreifachen und die Energieeffizienz zu verdoppeln. Auch wurde sich auf die Abkehr von fossilen Brennstoffen (Transitioning away from fossil fuels) geeinigt, wenn auch nur in geordneter und gerechter Weise. Diese Ziele seien laut IRENA weiterhin unerlässlich, würden jedoch allein nicht mehr ausreichen, die Energiewende umzusetzen.
Hauptaugenmerk Elektrifizierung
„Da die Nachfrage im Verkehrswesen (Elektroautos), in der Industrie (Niedrig- und Mitteltemperaturprozesse), im Bauwesen (vor allem Wärmepumpen) und durch Digitalisierung und Rechenzentren rapide steigt, muss das Hauptaugenmerk der Energiewende nun auf der Elektrifizierung dieser Endverbraucher liegen. Gleichzeitig soll der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen vorangetrieben werden“, schreibt die IRENA.
Im überarbeiteten 1,5 Grad-Szenario, über das die IRENA in ihrem nächsten Bericht zur Projektion der weltweiten Energiewende – dem World Energy Transitions Outlook – informiert, wird vorhergesagt, dass der Anteil der Elektrizität am weltweiten Energieverbrauch von heute 23 auf 35 Prozent im Jahr 2035 und über 50 Prozent im Jahr 2050 steigen wird.
Dabei würde der wachsende Bedarf größtenteils durch erneuerbare Energien gedeckt. Es sieht vor, dass der Anteil fossiler Brennstoffe sektorübergreifend von heute 80 auf 50 Prozent im Jahr 2035 und auf 20 Prozent oder weniger bis 2050 sinkt. Laut Bericht würde in erster Linie die Elektrifizierung dafür sorgen, dass über sämtliche wesentliche Bereiche des Endverbrauchs hinweg immer weniger fossile Brennstoffe genutzt werden.
Bedenklicher Engpass
Gleichzeitig müsste die Staatengemeinschaft ins Netz, in Speicherkapazitäten und in Systemflexibilität investieren, mahnt die IRENA. Denn die Infrastruktur habe sich zu einem bedenklichen Engpass entwickelt. Rund 2 500 Gigawatt an Wind- und Solarenergie würde weltweit auf Anschluss ans Netz warten. Die bis 2035 und 2050 angestrebten Ausbaumaßnahmen ließen sich ohne beschleunigte Genehmigungsverfahren und deutlich höhere Investitionen nicht erreichen. IRENA schätzt den Bedarf an Investitionen ins Netz auf durchschnittlich 1,2 Billionen US-Dollar pro Jahr. Dies entspreche mehr als dem Doppelten der im Jahr 2025 investierten 0,5 Billionen US-Dollar.
Statt den Ausbau der Netze in Deutschland vehement voranzutreiben und mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien in Einklang zu bringen. Plant die schwarz-rote Bundesregierung die Energiewende zu bremsen, angesichts von Netzengpässen. Unter anderem ein Redispatch-Vorbehalt – neue Erneuerbare-Anlagen sollen ab 2027 in Netzengpassgebieten im Falle der Abregelung keine Entschädigungszahlung mehr erhalten – und die Streichung der Vergütung von Strom aus kleineren Photovoltaikanlagen, sorgen für Entsetzen in der Erneuerbaren Branche.
IRENA-Generaldirektor La Camera konstatiert: „Das Tempo des Ausstiegs aus den fossilen Brennstoffen wird letztlich davon abhängen, wie schnell Volkswirtschaften die Elektrifizierung vorantreiben können. Um das 1,5-Grad-Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, braucht die Welt einen klaren Kurs. Die Daten von IRENA sprechen für die Festlegung eines weltweiten Elektrifizierungsziels für 2035, das mit den Zielen für die Netzanbindung und Systemflexibilität einhergeht.“ mg





















































