Russlands arktische Gasexporte: Keine Alternativen zu Europa

Im Februar 2026 gingen sämtliche LNG-Ladungen aus dem russischen Yamal nach Europa. Trotz geplanter Importstopps zeigen die Zahlen eine Zunahme der Lieferungen und eine massive Abhängigkeit Russlands von westlicher Infrastruktur.
10.02.2026 – Russland ist für seine arktischen Gasexporte vollständig von europäischer Infrastruktur abhängig, zeigt eine urgewald-Analyse der Verschiffungsdaten von Kpler und Equasis. Trotz der geopolitischen Spannungen und des Krieges gegen die Ukraine landeten im Februar alle 21 Ladungen aus dem Projekt Yamal LNG in Häfen der Europäischen Union.
Abhängigkeit mal umgekehrt
Wladimir Putin hatte erst kürzlich wieder mit einem Lieferstopp und der Umleitung von Gasströmen gedroht. Die Zahlen zeichnen jedoch ein anderes Bild: Im Februar 2026 wurden insgesamt 1.543.347 Tonnen LNG von Yamal exportiert – und jede einzelne Tonne erreichte die EU. Dies entspricht einer leichten Steigerung von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
„Die Zahlen für Februar sprechen eine deutliche Sprache. Jede einzelne Yamal-Ladung ging nach Europa. Russland hatte keinen alternativen Abnehmer und blieb vollständig vom Zugang zu EU-Häfen abhängig“, sagt Sebastian Rötters, Sanktionsexperte bei Urgewald. „Wenn Moskau davon spricht, Gas dorthin umzuleiten, woandershin, zeichnen die Daten ein anderes Bild. Für arktisches LNG bleibt Europa der einzige Markt, der diese Mengen aufnehmen kann.“
Im Februar 2025 gingen noch vier Ladungen nach Asien oder China, in diesem Jahr belieferte Russland ausschließlich Europa mit arktischem Erdgas. Es ist der erste Februar seit Betriebsbeginn von Yamal, in dem das Projekt ausschließlich den europäischen Markt bediente. Für das russische Arktis-Gas gibt es derzeit also keine nennenswerten Ausweichmärkte.
Europa als Transitraum
Europa fungiert als zentrales Drehkreuz für das russische LNG, da das Umladen in EU-Häfen für Russland weitaus effizienter und kostengünstiger ist als alternative Routen. Eine Fahrt von Yamal nach Zeebrugge dauert etwa sechs bis sieben Tage, während die Reise zu nächstgelegenen Häfen in der Türkei mindestens zwei Wochen in Anspruch nähme.
Da Russland plant, seine LNG-Produktion bis 2030 mehr als zu verdreifachen, bleibt die Nutzung europäischer Infrastruktur und die Kooperation mit westlichen Miteigentümern wie TotalEnergies ein entscheidender Faktor für diese Expansionspläne.
Russland ist abhängig von europäischer Infrastruktur
Der Bericht identifiziert zwei kritische Faktoren, die den Betrieb von Yamal LNG im Winter sicherstellen. Zum einen ist der Hafenzugang kritisch, denn ohne die Entladung in EU-Häfen gäbe es für die großen Gasmengen derzeit keine Abnehmer. Zum anderen ist der Transport durch das Eis des Ob-Busens im Winter nur mit speziellen Arc7-Eisklasse-Tankern möglich. Von den 14 eingesetzten Schiffen werden 11 von westlichen Unternehmen betrieben – sechs von der britischen Firma Seapeak und fünf von der griechischen Dynagas. Alle im Februar eingesetzten Schiffe waren zudem in Europa versichert.
Obwohl Russland Ende 2025 mit der Aleksey Kosygin ein eigenes Schiff dieser Klasse vorstellte, bleibt die technologische Abhängigkeit hoch. Da Schlüsselkomponenten aus dem Westen aufgrund von Sanktionen fehlen und das Schiff selbst sanktioniert ist, kommt es nicht für Yamal, sondern für Arctic LNG 2 (ALNG2), einem der größten und strategisch wichtigsten LNG-Projekte Russlands auf der Gydan-Halbinsel in Westsibirien zum Einsatz.
EU-Sanktionen gegen russisches Gas
Die EU-Mitgliedstaaten hatten sich Ende 2025 auf ein umfassendes Einfuhrverbot für russisches Erdgas geeinigt, um die Finanzierung des russischen Krieges zu bremsen. Die Regelungen sehen vor, dass bestehende Kurzzeitverträge für Pipeline-Gas und LNG bis Mitte Juni 2026 auslaufen müssen. Ein vollständiges Verbot, das auch langfristige Verträge umfasst, soll 2028 in Kraft treten. Das Gesetz enthält allerdings eine Notfallklausel, die es Ländern im Falle akuter Versorgungsengpässe erlaubt, das Verbot kurzfristig auszusetzen. Deutschland hat seine direkte Abhängigkeit bereits beendet.
Trotz neuer britischer Sanktionen gegen russisches LNG bleibt die spezifische Arc7-Flotte bislang weitgehend unangetastet. In der EU blockiert derzeit Ungarn weitere Maßnahmen.
Zusätzlich zu den bekannten wirtschaftlichen Aspekten weist urgewald im Bericht auf Sicherheitsrisiken hin. Es liegen glaubwürdige Berichte vor, dass russisches Personal des Geheimdienstes FSB auf den Transportschiffen präsent ist.
Importsteigerungen trotz Sanktionen
Trotz der politischen Absichtserklärungen verzeichneten die Importe von russischem Flüssigerdgas in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg. Im Zeitraum nach Beginn des Angriffskrieges bis Anfang 2025 stiegen die EU-weiten LNG-Einfuhren aus Russland um etwa 19 Prozent auf ein neues Rekordniveau. Mehr als die Hälfte des gesamten russischen LNG-Exports wurde von EU-Ländern abgenommen, wobei Spanien und Belgien zu den weltweit größten Abnehmern gehören. Kritiker werfen den Staats- und Regierungschefs vor diesem Hintergrund Heuchelei vor, da die Zahlungen weiterhin den Kreml unterstützen.
Forderungen nach schärferen Sanktionen
Urgewald fordert die britische Regierung und die EU auf, ihre Sanktionen gegen russisches LNG explizit auf Yamal und die Arc7-Tankerflotte auszuweiten, einschließlich der Schiffe, die von der in Glasgow ansässigen Firma Seapeak betrieben werden.
„Die EU und Großbritannien stehen weiterhin an der Seitenlinie und schauen dem Treiben einfach zu“, kritisiert Rötters. „Yamal und die Arc7-Flotte ins Visier zu nehmen, ist der direkteste Hebel, der zur Verfügung steht. Die Regierungen wissen das. Sie müssen nur handeln.“ jb


















































