World Nuclear Industry Status Report 2025Kernenergie verliert weltweit an Bedeutung

Kernkraftwerk Temelin, Tschechien
Die Kernenergie verliert langsam, aber stetig an Bedeutung (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Im Vergleich zu Erneuerbaren verliert Atomenergie global weiter an Bedeutung. Für den Kernkraftausbau sind vor allem China und Russland verantwortlich, die es wohl mehr auf kernwaffenfähiges Tritium abgesehen haben als auf Strom.

28.01.2028 – Erneuerbare sind weltweit im Aufwind, mit enormen Zuwächsen an Solar- und Batteriekapazitäten bei sinkenden Kosten. Die Kernenergie verliert hingegen langsam, aber stetig an Bedeutung, zeigt der World Nuclear Industry Status Report 2025.

Der Anteil der Nuklearenergie an der weltweiten kommerziellen Bruttostromerzeugung ist von 17,5 Prozent 1996 auf rund 9 Prozent 2024 gesunken. Die Atomkraftwerkskapazitäten sind seit 2010 überall in der Welt rückläufig – außer in China. Und auch in China wachsen Erneuerbare schneller als Atomkraftwerke.

Die Stromerzeugung aus Kernkraft erreichte trotzdem zuletzt ein Rekordniveau. Die Gründe haben jedoch wenig mit Energiesicherheit zu tun. Vielmehr nutzen die Atomwaffenstaaten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien zivil genutzte Reaktoren, um das für Nuklearwaffen benötigte Tritium zu produzieren. 95 Prozent aller im Bau befindlichen Nuklearanlagen werden entweder in Atomwaffenstaaten gebaut oder von Unternehmen durchgeführt, die von Atomwaffenstaaten in anderen Ländern kontrolliert werden.

Reaktorneubau getrieben von China und Russland

Weltweit waren Mitte 2025 ebenso wie im Vorjahr noch 408 Reaktoren in Betrieb. Weitere 33 Reaktoreinheiten befanden sich im Langzeitstillstand, darunter 19 in Japan und sechs in der Ukraine. Taiwan stieg im Mai 2025 aus der Atomenergie aus. Damit fiel die Anzahl der Länder, die Kernkraftwerke betreiben, auf 31.

Weltweit befinden sich 63 Reaktoren im Bau. China und Russland stehen hinter allen außer vier der Reaktorprojekte. Knapp die Hälfte der Reaktoren entstehen in China, während Russland 20 Reaktoren in anderen Ländern baut.

Atomenergie ist die teuerste Form der Energieerzeugung

Investitionen in Erneuerbare Energien – ohne Wasserkraft – erreichten 2024 728 Milliarden US-Dollar. Damit wurde 21-mal so viel in Erneuerbare investiert wie in Kernenergie. Atomkraftwerke finden schon lange keine unabhängigen Investoren mehr. Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Analyse bestätigt etwa, dass die bestehenden Finanzierungsmodelle für Atomkraftwerke nur dann Investoren finden, wenn der Staat und damit die Allgemeinheit einen Großteil der Risiken trägt. Zuletzt hatte sogar der französische Rechnungshof die fehlende Wirtschaftlichkeit der EDF-Kernkraftprojekte kritisiert.

Mehr zum Thema

Kühltürme des Kernkraftwerks Doel in Belgien im Abendlicht
Teure Kernenergie

Die politische Dimension der Kernkraft

Die Kernkraft zur Energieerzeugung zu nutzen, ist wirtschaftlich nicht mehr lukrativ. Dass sie dennoch in einigen Ländern weiter gefördert wird, hat politische Gründe. Wenn neue Reaktoren gebaut werden, sind starke militärische Motive im Spiel.

Der EPR-Reaktor Flamanville ging etwa im Dezember 2024 mit zwölf Jahren Verzögerung ans Netz. Mit 25,6 Milliarden US-Dollar lagen die Kosten sechsmal höher als geplant. 22 bis 26 der 63 derzeit im Bau befindlichen Projekte sind verzögert, 14 mit zunehmenden Langzeitverzögerungen.

Erneuerbare wachsen um ein Vielfaches schneller

Global gesehen erzeugten Wind- und Solaranlagen 70 Prozent mehr Strom als Kernkraftwerke. Solar- und Windkraftkapazitäten wuchsen um 32 bzw. 11 Prozent, zusammen 565 GW und damit über 100-mal so viel wie die Kernenergie mit einem Nettozuwachs von 5,4 GW. Erneuerbare Technologien treiben die Energiewende hin zu einem flexiblen, dezentral gesteuerten Energiesystem – in das die unflexible Einspeisung der AKWs kaum passt.

Der Status der Kernenergie in der Welt

Der World Nuclear Industry Status Report ist ein jährlicher, umfassender Bericht zu Status und Trends der internationalen Kernenergiebranche, zusammengestellt von Wissenschaftlern, Journalisten und anderen Experten unter langjähriger Federführung des Nuklearexperten Mycle Schneider.

Daten zu Kernkraftwerken umfassen Betrieb, Stromproduktion, Alter der Anlagen, Neubauten und Stilllegungen. Im diesjährigen Bericht wird zudem die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMRs), die Verflechtungen Russlands in die Atomenergiebranche und der Status des havarierten AKW in Fukushima diskutiert.

Gefördert wird der WNISR unter anderem vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung, den Grünen im EU-Parlament und der Schweizerischen Energie-Stiftung. jb

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen