Metallurgische KohleKohle für die Stahlindustrie: Expansionsbestrebungen für Koks im Abschwung

Luftaufnahme eines großflächigen Tagebaus: Ein Schaufelradbagger arbeitet sich durch terrassierte Gruben mit freigelegten Gesteins- und Kohleschichten. Staubige Fahrwege und Abbaukanten prägen die karge, industriell geformte Landschaft.
Eine Menge Met-Kohle, Hunter Valley Kohlemine im australischen New South Wales (Bild: Beyond Coal & Gas Image Library, flickr, CC BY 2.0)

Eine Erweiterung der Abbau-Kapazitäten auf der einen und ökonomisch bedingte Rückzüge auf der anderen Seite – in Australien werden die Widersprüche im künftigen Umgang mit der sogenannten Met-Kohle sichtbar.

27.01.2026 – Ein Jahr nach der Erstauflegung der Metallurgical Coal Exit List (MCEL), gibt es nun ein Update. Es geht um sogenannte Met-Kohle, eine Unterart von Kohle, die im Gegensatz zur thermischen Kraftwerkskohle die Eigenschaft der Backfähigkeit besitzt. So kann die Kohle in Koks umgewandelt und als Reduktionsmittel zur Produktion von Eisen in Hochöfen eingesetzt werden. Es war und ist vor allem für die Stahlindustrie jahrzehntelang der wichtigste Treibstoff. Das ändert sich zwar langsam, aber noch immer setzen viele Unternehmen auf Koks für ihre Hochöfen.

Noch ist die Nachfrage da. Und Kohleunternehmen setzen darauf, dass dies in den kommenden Jahrzehnten auch so bleibt. So zeigt die von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald und 13 internationalen Partnern aktualisierte Datenbank MCEL, dass innerhalb eines Jahres 21 geplante oder im Bau befindliche Projekte zur Ausweitung der Produktion von metallurgischer Kohle dazukamen. In 20 Ländern sind aktuell 273 Bergbauprojekte in Planung oder Bau.

Das entspricht einer geplanten neuen bzw. erweiterten Förderkapazität von 580 Millionen Tonnen pro Jahr. Zum Vergleich: 2024 lag die jährliche Fördermenge bei rund 1,2 Milliarden Tonnen. Weltgrößter Produzent und Exporteur von Met-Kohle ist Australien, das 60 Prozent des Exportmarktes beherrscht. Größter Konsument ist – noch – China, das rund 500 Millionen Tonnen Met-Kohle jährlich verbrennt für die Erzeugung von Stahl, der wiederum vorwiegend in den Export geht.

Laut neuestem Kohle-Bericht der Internationalen Energieagentur aber, wird nirgendwo so ein starker Rückgang bei der Nachfrage nach Met-Kohle erwartet wie in China. Im Sommer 2025 exportierte China erstmals Stahl nach Europa, der mit grünem Wasserstoff hergestellt wurde. Im vergangenen Jahr hatte China sein nationales Emissionshandelssystem auf die Sektoren Zement, Aluminium und Stahl ausgeweitet. In Exportfragen hat sich China damit auch auf den Anfang des Jahres in Kraft getretenen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) der Europäischen Union vorbereitet, der auf Importe, die mit fossilen Energien produziert wurden, zusätzliche Zölle erhebt.

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Sackgasse Met-Kohle-Abbau?

Auch in weiteren bislang wichtigen Märkten für metallurgische Kohle, wie Japan, Korea und Europa geht die Nachfrage zurück. Lediglich in Indien und Indonesien werde laut urgewald noch eine steigende Nachfrage erwartet. Lia Wagner, Expertin für metallurgische Kohle bei urgewald, konstatiert: „Grüner Stahl ist keine Zukunftsvision mehr. Er ist bereits Realität, funktioniert und wird wirtschaftlich immer attraktiver. Das macht neue Met-Kohlebergwerke zu einer Sackgasse.“

Da erscheint es zunächst verwunderlich, dass Australien eine Kapazitätserweiterung des Met-Kohle-Abbaus von 123 Millionen Tonnen pro Jahr plant. Die größte geplante Mine der Welt soll im Osten Australiens, im Bundesstaat Queensland entstehen. mit einer jährlichen Produktionskapazität von 18 Millionen Tonnen rein für Met-Kohle, würde diese Menge rund 80 Prozent des Kohlebedarfs für die gesamte Primärstahlproduktion Deutschlands abdecken.

Urgewald erkennt aber auch in Australien erste Tendenzen eines Abschwungs. So kündigte BHP – einer der weltweit größten Bergbaukonzerne – im vergangenen Jahr die Streichung von 750 Stellen im Met-Kohle-Sektor an, zudem wurden die Pläne für eine neue Mine in Queensland aufgegeben. Ebenfalls in Queensland – Zentrum der australischen Bergbauaktivitäten – musste der australische Kohleproduzent Whitehaven einen Minenprojekt aufgeben. An anderer Stelle treibt das Unternehmen den Kohlebergbau aber weiter voran. Im Gegensatz dazu mussten zwei weitere australische Unternehmen ihre Met-Kohle-Aktivitäten aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten stark einschränken.

Coronado Global Resources verzeichnete 2024 Verluste und wurde später mit negativem Ausblick herabgestuft. Die Firma Bowen Coking Coal musste 2025 sogar Insolvenz einreichen. Beide Unternehmen verweisen auf niedrigere Kohlepreise, steigende Produktionskosten und hohe staatliche Lizenzgebühren, die die Met-Kohle-Produktion erschweren. Der Bundesstaat Queensland hatte 2022 zusätzliche Lizenzgebühren eingeführt – in Zeiten, in denen die Met-Kohle noch hohe Gewinne abwarf – um mehr Geld für die Öffentlichkeit abzuschöpfen. Schließlich gelten Rohstoffe im Boden zunächst als öffentliches Eigentum.

Für den Kohleabbau gibt es in Australien bislang keinen politisch vorgegeben Ausstiegsfahrplan. Auch für die Kohleverstromung gibt es kein vergleichbares Gesetz wie in Deutschland. In einem Ausstiegsfahrplan wird immerhin beschrieben, dass das Land bis 2035 90 Prozent seiner Kohlekraftwerke schließen solle und bis 2040 die gesamte Kraftwerksflotte. Zeitpunkte der Stilllegung können aber verschoben werden. So wurde die Stilllegung des größten australischen Kohlekraftwerks Eraring Power kürzlich um zwei Jahre verschoben, auf April 2029, wegen vermeintlicher Versorgungssicherheit. Insbesondere beim Kohleabbau steht aktuell lediglich ein marktgetriebener Ausstieg zur Debatte.

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Finanzindustrie am Hebel

Die australische, wie weltweite Kohleindustrie ist für ihre Expansionspläne auf Kredite der Finanzindustrie angewiesen. Mit ihrer Metallurgical Coal Exit List wollen urgewald und die 13 internationalen Partnerorganisationen Finanzinstitutionen ein Werkzeug an die Hand geben, Richtlinien zum Ausschluss von metallurgischer Kohle zu entwickeln. Laut den NGOs nutzen bereits ein Jahr nach Erstveröffentlichung mehr als 150 Finanzinstitute die MCEL, um ihre Met-Kohle Aktivitäten zu überwachen und zu steuern.

Erst diesen Monat verkündete der größte finnische Rentenversicherer Ilmarinen nicht mehr länger in Unternehmen zu investieren, die Aktivitäten im Bereich Met-Kohle-Bergbau ausweiten. Auch wenn Ilmarinen diesen Schritt nicht offiziell mit der MCEL begründete laut urgewald gab diese erst dem Rentenversicherer eine belastbare Datengrundlage den Schritt zu vollziehen.

Während viele Finanzinstitute für Kohle zur Strom- und Wärmeerzeugung -sogenannte Kraftwerkskohle – immer stärkere Regularien einführen, diese teilweise inzwischen vollständig meiden und damit Unternehmen keine Kredite und Versicherungen auf entsprechende Minen und Kraftwerke erhalten, ist dies bei Met-Kohle jedoch noch nicht in der Breite angekommen. Dabei ist die Stahlproduktion auf Kohlebasis verantwortlich für rund 11 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen.

Dabei können klassische mit Kohle und Eisenerz betriebene Hochöfen schon heute durch eine Kombination aus Direktreduktionsanlagen, die Eisenerz mit Wasserstoff (statt Koks) zu Eisenschwamm reduzieren, und Elektrolichtbogenöfen, in denen Eisenschwamm und Schrott eingeschmolzen werden, ersetzt werden. Und das mit Wasserstoff, der vollständig auf Basis Erneuerbarer Energien produziert werden kann. Lia Wagner von urgewald sagt: „Finanzinstitutionen und politische Entscheidungsträger*innen müssen jetzt handeln, da es keine glaubwürdigen Argumente für eine weitere Expansion der metallurgischen Kohle gibt.“ mg

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