MethanemissionenKohlekraftwerke in Polen lassen weiter ungebremst Methan ab

Kohle
Satelliten zeigen Methanwolken über polnischen Kohlebergwerken, obwohl Venting seit 2025 in der EU verboten ist (Bild: laura adai / Unsplash+ Lizenz).

Satelliten zeigen Methanwolken über polnischen Kohlebergwerken, obwohl Venting seit 2025 verboten ist. Die Methan-Verordnung der EU soll das lange unregulierte Klimagas bis 2030 um 30 Prozent reduzieren, doch es braucht Kontrollen und Sanktionen.

11.02.2026 – Satellitendaten legen nahe, dass aus einigen polnischen Kohlebergwerken weiterhin Methan abgelassen wird. Das zeigt eine Analyse des Energy-Think-Tanks Ember. Seit dem vergangenen Jahr ist das vormals im Sektor gängige Entlüften oder Venting fossiler Produktionsstätten nur noch in Ausnahmefällen erlaubt.

Fünf Kohlebergwerke in Polen emittieren Methanwolken

Auf Satellitenbildern sind Methanwolken deutlich erkennbar. 2025 konnten 96 Prozent der Methanwolken oder 109 von 114 analysierten Wolken über europäischen Energieinfrastrukturen an Land auf polnische Kohlebergwerke zurückgeführt werden. Die Bilder legen nahe, dass mindestens fünf von 22 Entwässerungssystemen polnischer Kohlebergwerke weiterhin Erdgas ablassen, anstatt es zu nutzen oder abzufackeln. Weitere, unentdeckte Emissionen sind nicht auszuschließen.

„Satelliten haben das Zeitalter unsichtbarer Methanemissionen beendet. Mit öffentlich verfügbaren hochauflösenden Bildern ist eine unabhängige Überprüfung nun möglich“, sagte Adomas Liepa, Erdbeobachtungswissenschaftler bei Ember. „Anhaltende Methanemissionen aus Entwässerungssystemen deuten auf mögliche Verstöße gegen die EU-Methanverordnung hin. Das Gesetz braucht schärfere Maßnahmen, um spürbare Emissionsreduktionen zu erreichen.“

Bisher keine Sanktionen bei Verstößen

Polen ist der größte Methanemittent der EU im Kohlebergbau. Abgefangenes Erdgas könnte dabei als Energiequelle genutzt werden. Das Methan, das 2024 ungenutzt aus polnischen Kohlebergwerken abgelassen wurde, hätte genug Energie geliefert, um etwa 14,5 Millionen polnische Haushalte eine Woche lang zu beheizen, schätzt Ember.

Sanktionen wird es wohl nicht geben. Anders als etwa Tschechien und Rumänien, die ebenfalls noch viel Kohle produzieren, hat Polen den erforderlichen Sanktionsrahmen für Verstöße gegen die Methanverordnung nicht bei der EU eingereicht.

„Die EU-Methanverordnung wird nur dann zu spürbaren Emissionsreduktionen führen, wenn sie ordnungsgemäß durchgesetzt wird. Unabhängige Überprüfungen der Emissionen und abschreckende Strafen bei Nichteinhaltung sind entscheidend, um ihre Wirksamkeit zu gewährleisten“, betonte Sabina Assan, leitende CMM-Analystin bei Ember.

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Methanemissionen messen, melden und mindern

Die EU-Methanverordnung ist seit dem Sommer in Kraft. Nun muss sie auch umgesetzt und der Austritt von Methan eingedämmt werden. Ziel ist, Emissionen des bisher unregulierten Klimagases bis Ende des Jahrzehnts um 30 Prozent zu reduzieren.

Methanemissionen reduzieren

Methan ist ein hochpotentes Klimagas: Über 20 Jahre wirkt es in der Atmosphäre etwa 80-mal stärker als CO2, über 100 Jahre immerhin noch um die 30-mal stärker. Es verbleibt zwar kürzer in der Atmosphäre als Kohlenstoffdioxid, treibt den Temperaturanstieg kurzfristig jedoch stärker an. Methan ist laut IPCC-Report für etwa 0,5 Grad des bisherigen weltweiten Temperaturanstiegs von 1,2 Grad verantwortlich.

Auf der COP26 in Glasgow 2021 schlossen sich rund 100 Länder dem von Deutschland und den USA ausgearbeiteten Global Methane Pledge an. Ziel ist, Methanemissionen bis 2030 um 30 Prozent im Vergleich zu 2020 zu reduzieren. Der Energiesektor ist nach der Landwirtschaft die zweitgrößte Quelle der von Menschen erzeugten Methanemissionen. Er umfasst Emissionen aus Kohle, Öl, Erdgas und Biokraftstoffen. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht allerdings davon aus, dass Methanemissionen der Kohle-, Öl- und Erdgaswirtschaft um bis zu 80 Prozent unterschätzt werden.

EU schafft Regeln für Methanausstoß

In Deutschland und der EU waren Methanemissionen entlang fossiler Lieferketten zuvor vollständig unreguliert. Die bestehende Datenlage beruht daher auf freiwilligen Angaben der Unternehmen. Kohle war und ist die größte Quelle von Methanemissionen im Energiesektor der EU.

Mit der 2024 verabschiedeten Methanverordnung will die EU Methanemissionen messen und reduzieren, die in der gängigen Praxis der Produktion von Öl, Gas und Kohle anfallen, und bisher toleriert wurden. Die Verordnung gehört zu den im Rahmen des Green Deal initiierten Gesetzen, mit denen die EU bis 2050 Klimaneutralität erreichen will, und regelt sowohl Emissionen, die innerhalb der EU anfallen, als auch von importierten fossilen Energieträgern.

Das bisher im Öl- und Gassektor gängige Abfackeln (Flaring) von entweichendem Methan und Entlüften (Venting) von Anlagen ist seit 2025 nur noch in Ausnahmefällen erlaubt. Die Auflagen für den Kohlebergbau sind etwas weniger streng, ein Abfackeln mit einer Effizienz von mindestens 99 Prozent bleibt legal, wenn ein Nutzen nicht möglich ist. Venting ist auch hier seit 2025 verboten. Betreiber von Energieanlagen innerhalb der EU müssen zudem Methanemissionen messen, Anlagen auf Lecks prüfen und diese gegebenenfalls innerhalb bestimmter Fristen reparieren. 2031 werden Unternehmen im Öl-, Gas- und Kohlesektor zudem verpflichtet, alle nicht mehr operativen Anlagen zu kartieren, dort entweichende Emissionen zu überwachen und zu reduzieren. jb

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