Rohstoffwende: Kritische Rohstoffe effizient nutzen

Die Energiewende ist ohne Zerstörung geschützter Gebiete und Tiefseebergbau möglich, zeigt eine Studie zum weltweiten Rohstoffbedarf bis 2050. Möglich wird das durch eine echte Verkehrswende, Kreislaufwirtschaft und alternative Batterietechnologien.
16.03.2026 – Die Förderung großer Mengen an Rohstoffen wird oft als unvermeidbares Übel von Energiewende und dem Erreichen der Pariser Klimaziele dargestellt. Doch neue Technologien, die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C und der Schutz kritischer Ökosysteme und von Indigenem Land sind vereinbar, zeigt die Studie Jenseits des Rohstoffabbaus von Greenpeace International. Mehr öffentlicher Verkehr, höhere Recyclingquoten und alternative Batterietechnologien könnten den Rohstoffbedarf in den kommenden Jahren deutlich senken.
“Für eine ambitionierte Energiewende müssen keine Ökosysteme zerstört werden - weder an Land noch auf See”, sagt Greenpeace-Meeresexpertin Daniela von Schaper. “Stattdessen geht es darum, unsere Energie- und Verkehrssysteme umzugestalten: weg von fossilen Brennstoffen hin zu reichlich vorhandenen, erschwinglichen erneuerbaren Energien.”
Rohstoffbedarf senken
Gemeinsam mit dem Institute for Sustainable Futures der University of Technology Sydney (UTS-ISF) hat die Umweltorganisation mehrere Szenarien für eine vollständig erneuerbare Energieversorgung bis 2050 modelliert.
Ziel war aufzuzeigen, wie Rohstoffe suffizient und effizienter genutzt, und der Bedarf reduziert werden kann. Dazu werden in der Studie drei Szenarien entwickelt, wobei das One Earth Climate Model (OECM) als Referenzszenario und zentrales Energiemodell dient. Der Ressourcenbedarf wurde für neun Mineralien – Kupfer, Kobalt, Graphit, Dysprosium, Lithium, Mangan, Neodym, Nickel und Vanadium –berechnet.
In allen Szenarien werden deutlich weniger Rohstoffe benötigt als etwa von der Internationalen Energieagentur angesetzt. Im fortschrittlichsten Szenario sinkt der Bedarf an neu geförderten Mineralien um rund ein Drittel im Vergleich zu bisherigen Plänen. Der weltweite Spitzenbedarf an Rohstoffen könnte dabei von rund 27 Millionen Tonnen auf etwas über 10 Millionen Tonnen jährlich reduziert werden.
Um den Bedarf zu senken, müssten politische Weichen in drei großen Bereichen grundlegend umgestellt werden. Notwendig wären ein schneller und großflächiger Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, effizientere Fahrzeuge und ein Rückgang des Individualverkehrs. Weiterhin müsste deutlich mehr recycelt und eine echte Kreislaufwirtschaft etabliert werden. Eine Förderung alternativer, materialeffizienter Batterietechnologien wie Natrium-Ionen-Batterien würde vor allem den Bedarf an Lithium deutlich senken.
Schutzgebiete einrichten
Auf einer globalen Karte mit Schutzgebieten weist Greenpeace Gebiete mit besonderer ökologischer, naturbezogener und sozialer Bedeutung aus. In diesen Gebieten sollte Rohstoffgewinnung eingeschränkt werden, fordert Greenpeace.
Die Bergbaulobby propagiert oft ein vermeintliches Dilemma zwischen der Zerstörung von Wäldern und der Tiefsee und der Förderung einer ausreichenden Menge an kritischen Rohstoffen. Dieses Dilemma sei jedoch nicht zwangsläufig. Für Szenarien, in denen Verkehrswende und Kreislaufwirtschaft ambitioniert umgesetzt werden, seien ausreichende Vorkommen von kritischen Rohstoffen – Übergangsminieralien – vorhanden, wie die Autor:innen in einem Abgleich der Gebiete aufzeigen. Auch die Ozeane müssten demnach nicht für den Tiefseebergbau geöffnet werden.
Politische Anreize setzen
Die Energiewende bietet die Chance, auch zur Rohstoffwende zu werden. Dafür muss der Rohstoffbedarf durch Investitionen in gemeinsam genutzte Mobilitätssysteme gesenkt, die Kreislaufwirtschaft ausgebaut, Recyclingquoten erhöht, Anreize für alternative Batterietechnologien erhöht und Rohstoffe für Energiewendetechnologien priorisiert werden. Nicht zuletzt müssten Schutzgebiete eingerichtet und vor bergbaulicher Erschließung bewahrt werden. jb



















































