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Wirtschaft in der KlimakriseLa-Ola-Welle der Gemeinwohl-Ökonomie

Ein Saal voller Menschen, die alle beide Arme in die Höhe strecken
Beste Stimmung beim GWÖ-Impulsabend in Konstanz am Bodensee. (Foto: Benedikt Brüne)

Ökologisch wirtschaften und gleichzeitig am Markt relevant sein, ist weiterhin möglich, sagt Antje von Dewitz, Chefin der familieneigenen Outdoor-Marke Vaude und ruft ihre Mitstreiter auf, sich vom politischen Gegenwind nicht entmutigen zu lassen.

15.09.2026 – Trübsal blasen angesichts der schwierigen politischen Großwetterlage? Allgemeiner Blues aufgrund der zunehmenden Rückabwicklung beim Klimaschutz? Davon war beim bundesweiten Impulsabend des Vereins Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland (GWÖ) am vergangenen Donnerstag wenig zu spüren. In 15 Städten hatten GWÖ-Regionalgruppen eingeladen, Wege zu finden, wie sich wirtschaftlicher Erfolg mit sozialer und ökologischer Verantwortung verbinden lässt, zumal in politisch turbulenten Zeiten.

In Hamburg traf man sich bei Greenpeace, in Wuppertal in den Räumen des Wuppertal-Instituts, am Bodensee bei der Konstanzer Spitalstiftung, wo Moderator Ralph Schiel mehr als 60 Gäste auf einen Abend mit Parallelen zum European Song Contest einstimmte. Und in der Tat: Per Video-Schalte von Bremen nach Dortmund, München oder St. Pölten rückten die Teilnehmer zu einer Community der guten Laune zusammen.

„Ich bin total geflasht“, freute sich auch Antje von Dewitz über den innovativen Veranstaltungsansatz. Die Geschäftsführerin des Outdoor-Unternehmens Vaude war, live aus dem Bodenseekreis zugeschaltet, gewissermaßen das Zugpferd des Abends. Ihr Vortrag „Nachhaltigkeit in turbulenten Zeiten“ und die Fragerunde im Anschluss zeigten insbesondere: Sozial-ökologische Standards einzuhalten und am Markt gleichzeitig relevant zu sein, ist eindeutig schwerer geworden. „Die Herausforderung wird schärfer, der gesellschaftliche Gegenwind ist deutlich zu spüren“, sagte die Familienunternehmerin. Aber: „Da müssen wir anpacken. Wir sind so viele, die etwas bewirken möchten.“

Was aber folgt konkret daraus?

Zunächst der Blick nach innen: Besonders wertvoll sei es, so Antje von Dewitz, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Chancen der Selbstwirksamkeit eröffnen. Ihr Unternehmen sei gesegnet mit tollen Menschen. Der Vaude-Geschäftsleitung sei Transparenz wichtig, Formate zu ermöglichen, die auch kritische Fragen zuzulassen und damit Vertrauen zu stiften. Vertrauen – ein zentraler Wert für die Firmenchefin.

Zudem empfahl sie Unternehmen, gemeinsame Sache mit Verbündeten zu machen: „Langfristige Partnerschaften machen resilient, das hilft in Krisenzeiten.“ Und vor allem: „Immer am Ball bleiben, immer wieder Lösungen finden.“ Diese ambitionierte Einstellung habe dazu geführt, dass Vaude zwar Produzenten verloren hat, etwa 25 in den vergangenen Jahren. Die 40 verbliebenen teilen aber die Orientierung an Zielen der Nachhaltigkeit und Gemeinwohl-Ökonomie. Ein großer Erfolg: Die Vaude-Produkte sind seit 2022 PFAS-frei, werden also ohne Ewigkeitschemikalien produziert.

Das ging nicht im Handumdrehen, sondern erforderte ein aktives Zusammenbringen von Produzenten und Chemieindustrie am runden Tisch. „Allianzen schmieden, Kräfte bündeln“, das sei der Erfolgsfaktor. Sichtlich stolz erzählte Antje von Dewitz den zugeschalteten GWÖ-Gruppen, bei Vaude das geschäftliche Wachstum und CO2-Emissionen weitgehend voneinander entkoppelt zu haben. Im Zeitraum von 2019 bis 2025 habe ihr Unternehmen den Umsatz um 19 Prozent gesteigert, gleichzeitig aber 51 Prozent weniger CO2-Emissionen verursacht. Im hart umkämpften Outdoor-Markt sicher keine Selbstverständlichkeit. „Das war kein geradliniger Weg, sondern eine große Herausforderung.“

 

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Antje von Dewitz vermittelte den übers Land verteilten Zuhörern Inspiration und Zuversicht, dass sich richtig viel erreichen lässt – wenn man einen langen Atem hat und mit sich und der Welt nicht allein bleibt. Und: Eine Portion Leichtigkeit schadet nicht. So sorgte der Konstanzer Moderator Ralph Schiel mit blonder Perücke und fast schon ESC-tauglichem Einsatz für den Überraschungscoup des Abends. Der Lohn: eine veritable La-Ola-Welle und viel Begeisterung an den zugeschalteten GWÖ-Standorten. Benedikt Brüne

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