Energie-Investitionen: Länder weltweit nehmen Energiesicherheit in den Fokus

Die Krise in der Straße von Hormus verschiebt weltweit die Prioritäten der Energiepolitik. Energiesicherheit steht für die Staaten ganz oben. Die Investitionen in heimische Erzeugung, Netze und Energieeffizienz steigen auf ein Allzeithoch.
23.06.2026 – Energiesicherheit wird in allen Ländern der Welt mehr und mehr als Priorität angesehen. Strategiewechsel bei Energieerzeugung, Beschaffung und Infrastruktur sind im Gange. Einher gehen große Investitionen in den Energiesektor. Ausgelöst wurde diese Veränderung durch die zwei großen Energiekrisen der jüngsten Vergangenheit – den Ukraine-Krieg und den Krieg im Nahen Osten.
In ihrem Report Energy Investment 2026 analysiert die Internationale Energie-Agentur (IEA) die für 2026 geplanten und bereits getätigten Investitionen und schaut auf die Entwicklung der letzten zehn Jahre. Insgesamt wird in diesem Jahr so viel Geld wie noch nie in den weltweiten Energiesektor fließen: 3,4 Billionen US-Dollar, fünf Prozent mehr als 2025 und gegenüber 2015 rund 26 Prozent mehr. Der wachsende Geldfluss in den Energiesektor ist Ausdruck des wachsenden Energiehungers weltweit. Schaut man auf die einzelnen Energiearten, zeigen sich grundlegende Verschiebungen.
Die Grafik zeigt die Veränderung der Investment-Ströme in die einzelnen Energiearten. Deutlich zu sehen: Erneuerbare und Netzausbau sind inzwischen die Sektoren mit den meisten Investments und haben Öl und Gas von den Spitzenplätzen verdrängt. Die Elektrifizierung gewinnt weltweit an Bedeutung, was sich auch in den Geldströmen ablesen lässt. Investitionen in Atomkraft sind zwar gestiegen, aber rangieren im Vergleich mit den anderen Energiearten auf dem vorletzten Platz.
Viele Veränderungen jetzt noch nicht sichtbar
Die jetzt konstatierten Befunde zeigen zudem noch gar nicht den vollen Umfang des Kurswechsels, wie die IEA erklärt. Wie bei früheren Energieschocks werden viele Auswirkungen erst später sichtbar werden. Rund drei Viertel der für 2026 erwarteten Energieinvestitionen basieren auf Entscheidungen, die lange vor Beginn des Nahostkonflikts getroffen wurden.
Die Staaten versuchen zum einen ihre Lieferanten und Energieimportwege zu diversifizieren. Aber auch inländisch verfügbare Energiequellen werden verstärkt ausgebaut. Die Investitionen in Erneuerbare Energien werden sich etwa auf 665 Milliarden US-Dollar belaufen, wobei mehr als die Hälfte davon in die Solarenergie fließt.
Aber auch die Investitionen in Kernenergie werden 2026 voraussichtlich um 75 Prozent höher sein als vor einem Jahrzehnt, und die Kohleinvestitionen werden voraussichtlich ihren höchsten Stand seit 2012 erreichen. Der Befund, dass der Trend eindeutig hin zu einer Erneuerbaren Energieerzeugung geht, jedoch weiterhin viele Investitionen in Kohle, Gas und Kernkraft fließen, deckt sich auch mit der Analyse des kürzlich veröffentlichten REN21 Renewables-Based Economy (RBE) Tracker.
Importkosten für Energie sinken dank heimischer Energieerzeugung
Der Zehn-Jahres-Vergleich zeigt laut IEA auch, wie stark die Investitionen in Effizienz, Elektrifizierung, Erneuerbare Energien, Kernkraft und Biokraftstoffe importierende Länder entlastet haben. Für das Jahr 2025 sanken die Brennstoffimportkosten in Summe um 260 Milliarden US-Dollar.
Eine ähnliche Rechnung hat kürzlich der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar)veröffentlicht. Nach Berechnungen des Verbandes wurden zwischen 2020 und 2025 allein durch die sechs Millionen in Deutschland installierten Solarstromanlagen fossile Energieimporte im Wert von rund 20 Milliarden Euro ersetzt und zugleich Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro vermieden. Dabei stützte sich der Verband auch auf Zahlen aus dem Umweltbundesamt.
Ein weiterer wichtiger Trend sind die sinkenden Kosten wichtiger Energietechnologien, angeführt von Batteriespeichersystemen und Photovoltaik, deren Kosten seit 2015 dank Innovation und wachsender Märkte um fast 80 Prozent gesunken sind. Wären die Kosten für Technologien im gesamten Energiesystem so geblieben, wie sie vor einem Jahrzehnt waren, wären 2026 zusätzliche 2,5 Billionen Dollar nötig gewesen, um den Ausbau derselben Energieinfrastruktur zu unterstützen.
Kurz-Befund für die EU
In der Europäischen Union werden die Energie-Investitionen in diesem Jahr vermutlich auf 440 Milliarden US-Dollar steigen. Der Anteil für Erneuerbare Energien, Netze, Batterien und andere Endanwendungen beträgt 415 Milliarden US-Dollar. Davon wiederum werden voraussichtlich bis zu 105 Milliarden US-Dollar in Erneuerbare Energien fließen. Investitionen in Erdgas, insbesondere LNG und damit verbundene Infrastrukturmaßnahmen werden voraussichtlich 17 Milliarden US-Dollar betragen.
Kurz-Befund für China
China bleibt der weltweit größte Energieinvestor, mit voraussichtlich 945 Milliarden US-Dollar Ausgaben im Jahr 2026. Investitionen und Prioritäten entwickeln sich weg von einer schnellen Kapazitätserweiterung hin zu einer breiteren Systemoptimierung und strategischer Technologieentwicklung. Der Einsatz sauberer Energie bleibt zentral, obwohl das Ausgabenwachstum nach Jahren außergewöhnlich schneller Ausweitung von Wind- und Solarenergie nachlässt.
Dies spiegelt nach Ansicht der IEA einen stärkeren Fokus auf Systemintegration, Resilienz, CO₂-Governance und industrieller Modernisierung wider. Die Investitionen in das Netz werden voraussichtlich stark auf 140 Milliarden USD steigen und spielen eine zentrale Rolle bei der Integration des enormen Ausbaus der Erneurbaren Erzeugung, der Unterstützung der Elektrifizierung und der Stärkung der Energiesicherheit. Gleichzeitig ist grüne Finanzierung zu einem mächtigen Förderer geworden, da die Ausweitung von grünen Krediten und Anleiheemissionen das Kapital in Netze, kohlenstoffarme Infrastruktur und aufkommende Technologien lenkt. China erhöht zudem Investitionen in Kernenergie und Wasserstoff, was ein langfristiges strategisches Engagement für diese Technologien signalisiert.
Kurz-Befund für die USA
Die Gesamtenergieausgaben der USA steigen um sechs Prozent und erreichen fast 610 Milliarden US-Dollar, wobei LNG-Infrastruktur, Batteriespeicher, Geothermie und Kernenergie Investitionstreiber sind.
Die Ölinvestitionen sinken, da Unternehmen operative Effizienz und Aktionärsrenditen in den Vordergrund stellen. Gleichzeitig wird erwartet, dass die erdgasbetriebene Erzeugung zu einer nahezu Verdopplung der Investitionen in fossile Energie führen wird. Die Investitionen im Erzeugungssektor werden voraussichtlich stark wachsen und über 140 Milliarden US-Dollar betragen, um die steigende Stromnachfrage, insbesondere aus Rechenzentren, zu decken.
Die Investitionen in Solarenergie haben sich angesichts veränderter Politik und Tarifbedingungen abgeschwächt, machen aber immer noch fast 40 Prozent der gesamten Ausgaben für Stromerzeugung aus. Gleichzeitig hat sich die Investition in Batteriespeicher rapide ausgeweitet, übersteigt die Ausgaben für Windenergie und spiegelt den wachsenden Wert von Flexibilität und Zuverlässigkeit wider. Geothermie und Kernenergie sind aufstrebende Investments, unterstützt durch neue öffentliche Finanzierungsmöglichkeiten und privates Kapital. pf






















































