Rohstoffe: Lieferketten von Permanentmagneten

Ein Report zeigt die Abhängigkeit europäischer Lieferketten von chinesisch dominierten Wertschöpfungsketten für Seltene Erden und Permanentmagnete. Dafür wurden die Lieferketten und ihre speziellen Risiken tief aufgeschlüsselt.
31.07.2026 – Für viele moderne Technologien – auch der Energiebranche – sind Permanentmagnete eine wichtige Komponente. Besonders leistungsfähige Varianten enthalten Seltene Erden wie Neodym, Praseodym, Dysprosium oder Terbium.
Auf den ersten Blick, bei der Betrachtung der direkten Lieferanten wirkt Europas Magnet-Lieferkette diversifiziert. Schaut man allerdings auf die Ebenen davor, auf die Lieferanten der Lieferanten, sind mehr als 81 Prozent der untersuchten Unternehmen mit dem chinesisch dominierten Permanentmagnet-Ökosystemen verbunden. Der Prewave-Report unter dem Titel Magnetic West zeigt, warum diese Magnetlieferketten für die Energiewende zum Risiko werden können.
Das Know-How des in Wien ansässigen Unternehmens liegt in der Erfassung und Analyse großer Mengen globaler Lieferketten-, Risiko- und Compliance-Daten. Dafür nutzt das Unternehmen eigene spezialisierte KI- und Machine-Learning-Modelle, Datenpipelines und Risikoalgorithmen.
Prewave hebt in seiner Analyse hervor, dass es nicht nur entscheidend ist, ob Rohstoffe verfügbar sind, sondern auch wer sie trennt, raffiniert, metallisiert, legiert und zu Magnetmaterialien verarbeitet. Diese Diskrepanz macht Permanentmagnete zu einem der am schwersten erkennbaren Lieferkettenrisiken der europäischen Industrie. Während direkte Zulieferer nur selten auf China verweisen, steigt die Exposition über die vorgelagerten Lieferantenstufen von 0,6 Prozent auf Tier 1 auf 17 Prozent auf Tier 2, 61 Prozent auf Tier 3, 78 Prozent auf Tier 4 und mehr als 81 Prozent auf Tier 5.
Nur direkten Lieferanten zu betrachten verschleiert die Abhängigkeit
Die Ergebnisse verdeutlichen ein grundsätzliches Problem vieler Resilienz-Strategien: Lieferketten wirken häufig diversifiziert, weil Unternehmen vor allem ihre direkten Zulieferer kennen. Die eigentlichen Konzentrationsrisiken liegen jedoch oft mehrere Stufen höher in der Wertschöpfungskette. Dort bündeln sich Rohstoffströme, Verarbeitungsprozesse und technologische Kompetenzen häufig bei einer vergleichsweise kleinen Zahl von Akteuren.
Für die Industrie im DACH-Raum ist diese verdeckte Abhängigkeit von Permanentmagneten aus China besonders relevant. Deutschland, Österreich und die Schweiz vereinen eine hohe Dichte an Automobilherstellern, Zulieferern, Maschinenbauunternehmen, Automatisierungsspezialisten und industriellen Exporteuren. Viele dieser Branchen zählen zu den zentralen Anwendern von Permanentmagneten – in E-Antrieben, Servomotoren, Robotik, Sensorik, Windkrafttechnik und Präzisionssystemen.
Der eigentliche Engpass liegt nicht im Bergbau
Die öffentliche Diskussion über Seltene Erden konzentriert sich häufig auf Rohstoffvorkommen. Tatsächlich sind Seltene Erden keineswegs ausschließlich in China verfügbar. Bedeutende Reserven existieren unter anderem in Australien, Nordamerika, Europa, Brasilien und verschiedenen afrikanischen Staaten. Der entscheidende Engpass liegt daher nicht in der Geologie, sondern in der industriellen Verarbeitung.
Strategisches Risiko entsteht durch Konzentration industrieller Fähigkeiten
Zwischen dem Abbau von Seltenen Erden und dem fertigen Permanentmagneten liegen zahlreiche hochspezialisierte Prozessschritte. Dazu gehören die Trennung und Reinigung der einzelnen Elemente, die Raffination, die Metallisierung, die Herstellung von Legierungen sowie die eigentliche Magnetproduktion. Insbesondere die Verarbeitung schwerer Seltener Erden wie Dysprosium und Terbium gilt als technisch anspruchsvoll, kapitalintensiv und ökologisch herausfordernd.
Während viele westliche Volkswirtschaften diese Produktionsstufen über Jahrzehnte ausgelagert haben, investierte China systematisch entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dadurch entstanden nicht nur Produktionskapazitäten, sondern auch technologische Expertise, industrielle Cluster, Lieferantenbeziehungen und Prozesswissen, die heute nur schwer reproduzierbar sind.
Das Ergebnis ist eine außergewöhnliche Konzentration industrieller Kapazitäten. Heute entfallen rund 90 Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten für Seltene Erden sowie 85 bis 90 Prozent der globalen Permanentmagnetproduktion auf China. Hinzu kommt die dominante Stellung bei der Verarbeitung schwerer Seltener Erden, die für zahlreiche Hochleistungsanwendungen unverzichtbar sind. Das strategische Risiko entsteht also nicht primär durch Rohstoffknappheit, sondern durch die Konzentration industrieller Fähigkeiten.
Warum die „Vietnam-Lücke“ keine echte Diversifizierung geschaffen hat
Vietnam gilt als Blaupause erfolgreicher Diversifizierung: Eigene Rohstoffvorkommen, wachsende Fertigungskapazitäten und die Einbindung in asiatische Industrielieferketten machten das Land zu einer vermeintlich attraktiven Alternative. Tatsächlich hat sich häufig nur die Endfertigung verlagert. Die vorgelagerten Verarbeitungsstufen dagegen blieben eng mit chinesischen Lieferanten verknüpft; Unternehmen in Vietnam beziehen weiterhin Rohstoffe, Zwischenprodukte oder technologische Vorleistungen aus China. Gleichzeitig expandieren chinesische Unternehmen selbst nach Vietnam und begleiteten damit die geografische Verlagerung ihrer Kunden.
In Vietnam ist also kein alternatives Ökosystem entstanden, sondern lediglich ein neuer geografischer Zugang zur bestehenden chinesischen Wertschöpfungskette.
Alternativen entstehen – aber nur langsam
Aktuell entstehen außerhalb Chinas neue industrielle Ökosysteme. Unternehmen in Australien, Nordamerika und Europa investieren zunehmend in Bergbau, Raffination, Metallverarbeitung, Magnetproduktion und Recycling. Diese Entwicklungen markieren den ersten ernsthaften Versuch seit Jahrzehnten, eigenständige Kapazitäten entlang der Wertschöpfungskette für Seltene Erden und Permanentmagnete aufzubauen. Dennoch befinden sich viele Projekte noch in frühen Entwicklungsphasen.
Besonders die Verarbeitung schwerer Seltener Erden bleibt ein kritischer Engpass. Eine kurzfristige Entkopplung von China erscheint unrealistisch.
Für den Moment können Unternehmen ihre Abhängigkeiten nur möglichst gut verstehen. Entscheidend wird sein, ob und wie schnell Europa eigene industrielle Kapazitäten für Separation, Raffination, Metallisierung und Magnetproduktion aufbauen kann. pf















































