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FinanzwendeMehr Geld für Kohle

Bagger vor Tagebau
Wieder mehr Investitionen in den Kohleabbau (Bild: Abdul BasitUnsplash Lizenz)

Nach einem Rückgang vor nur wenigen Jahren investierten die großen Geschäftsbanken zuletzt wieder mehr Geld in den Kohlesektor. Das gefährdet die Wirtschaft, das Finanzsystem und am Ende alle, warnt die NGO urgewald.

08.07.2025 – Auf der Weltklimakonferenz 2021 in Glasgow beschloss die Weltgemeinschaft, aus der Kohleverbrennung auszusteigen. Zur gleichen Zeit erklärten viele große Geschäftsbanken, zukünftig weniger Kohle und andere fossile Brennstoffe zu finanzieren. Seitdem veröffentlicht die Menschenrechts- und Umweltorganisation urgewald gemeinsam mit 23 NGO-Partnern jährlich einen Bericht zur Kohlefinanzierung im Finanzsektor.

Untersucht wurden die Finanzströme von 650 Geschäftsbanken an Kohleunternehmen seit Glasgow. Demnach finanzierten Geschäftsbanken weltweit in den letzten drei Jahren die Kohleindustrie mit mehr als 385 Milliarden US-Dollar.

Gefährliche Trendumkehr

Still Banking on Coal 2025 zeichnet ein ernüchterndes Bild: Nach großen Ankündigungen und einem anfänglichen Rückgang zwischen 2022 und 2023 finanzierten die großen Geschäftsbanken zuletzt wieder mehr Kohleprojekte. Der Bericht bestätigt einen traurigen Rückwärtstrend. Erst vor wenigen Wochen hatte auch die 16. Auflage des Bankenberichts Banking on Climate Chaos gezeigt, dass Kreditvergabe und Underwriting für fossile Unternehmen im Öl-, Gas-, und Kohlesektor im vergangenen Jahr wieder zugenommen hat.

„Wir hatten gehofft, nach Glasgow einen konstanten Abwärtstrend zu sehen. Unsere Daten zeigen, dass die Kohlefinanzierung zwar von 132 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 123 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 zurückging. Im vergangenen Jahr stieg sie jedoch wieder auf 130 Milliarden US-Dollar an. Es ist, als hätte es Glasgow nie gegeben“, sagt Katrin Ganswindt, Leiterin der urgewald-Finanzrecherche.

Über 90 Prozent der 385 Milliarden US-Dollar an Investitionen zwischen 2022 und 2024 stammen von Banken aus fünf Regionen. Weit abgeschlagen finanziert China mit 248 Milliarden US-Dollar die meisten Kohleprojekte, gefolgt von den USA mit 51 Milliarden USD, Japan mit 21 Milliarden US-Dollar, Europa mit 20 Milliarden US-Dollar und Kanada mit 12 Milliarden US-Dollar. Besonders US-amerikanische Banken haben ihre Investitionen in den Kohlesektor seit 2022 erhöht.

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Steigende finanzielle Unterstützung für die fossile Industrie

War die Finanzierung von Kohle-, Öl- und Gasprojekten hoch aber immerhin rückläufig, zeigt sich bei den führenden Banken dieser Welt ein dramatischer Umschwung fürs Klima: sie steigerten ihre Finanzierungen für fossile Brennstoffe im letzten Jahr.

In Europa investiert die britische Geschäftsbank Barclays mit 4 Milliarden US-Dollar weiterhin am stärksten in die Kohleindustrie. Hervor sticht allerdings erneut die Deutsche Bank. Ihr Investitionsvolumen lag im vergangenen Jahr mit 2 Milliarden US-Dollar über 150 Prozent höher als noch zwei Jahre zuvor. Sie liegt derzeit weltweit auf dem 22. Platz der größten Geldgeber der gesamten Fossilindustrie, inklusive Kohle, Öl und Gas. Die meisten Deutschen Landesbanken haben ihre Kohlefinanzierung hingegen in den vergangenen Jahren deutlich reduziert.

Besser sieht es in großen Teilen Südostasiens aus. Dort wurden viele Kohleprojekte zurückgezogen und Geschäftsbanken reduzierten ihre Investitionen in den Sektor merklich. Banken in Malaysia und Thailand halbierten ihre Investitionen in Kohle und philippinische Banken vollzogen mit einer Reduktion von 96 Prozent seit Glasgow nahezu den Kohleausstieg. Ausnahme in der Region ist Indonesien, wo Banken die Kohlefinanzierung seit Glasgow nahezu verdreifacht haben. Dies liege daran, dass an Kohleprojekten festgehalten werde, aber japanische und europäische Banken ihre Finanzierung zurückzögen.

Raus aus der Kohle

Etwa 30 Prozent des globalen Temperaturanstiegs sind auf die Verbrennung von Kohle zurückzuführen. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen die Industrieländer bis 2030 und der Rest der Welt bis spätestens 2040 aufhören, Kohle zu verbrennen, heißt es von der Internationalen Energieagentur (IEA). Obwohl so die Anzahl der neu geplanten Kohlekraftwerke zurückgeht, stößt die Bestandskapazität von mehr als 2100 Gigawatt weiter erhebliche Mengen an Emissionen aus und lässt das berechnete Restbudget an Emissionen schrumpfen.

In den meisten Ländern verlieren Kohlekraftwerke an wirtschaftlicher Attraktivität, da Solar- und Windstrom eine günstigere Alternative bieten. Trotz den klaren wirtschaftlichen Markern und dem zunehmenden Risiko einer eskalierenden Klimakrise für die Investitionssicherheit planen nur 24 der 99 weltweit größten Geschäftsbanken ihre Kohlefinanzierung innerhalb des Zeitrahmens der IEA zu beenden.

„Unsere Ergebnisse sind ein Aufruf zum Handeln für Vermögensverwalter, die Finanzaufsicht und zivilgesellschaftliche Organisationen gleichermaßen“, sagt Ganswindt. „Für all jene, die verstehen, dass die Kohlefinanzierung unsere Wirtschaft, das Finanzsystem und am Ende uns alle in höchste Gefahr bringt. Vermögensverwalter müssen ihre Investitionen in solche Banken überdenken, die die Kohle am Leben erhalten. Regulierungsbehörden müssen Finanzströme in Kohle einschränken, da sie systemische Risiken erhöhen. Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen jede einzelne Bank anprangern, die unsere Zukunft durch Kohlegeschäfte im Würgegriff hält.“

In den USA bekommen Banken, die sich selbst zu emissionsärmeren Portfolios verpflichten, zudem Gegenwind. Ende vergangenen Jahres verklagte Texas gemeinsam mit weiteren republikanisch geführten Staaten die weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock, State Street und Vanguard mit dem Vorwurf, ihre Klimaschutzbemühungen verstießen gegen das Kartellrecht. Die Finanzunternehmen waren Teil der Initiativen Climate Action 100+ und Net Zero Asset Managers Initiative. In Reaktion auf die Klage traten die Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Morgan Stanley und Wells Fargo aus der Net Zero Banking Alliance aus. jb

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