Strombörsen-Bilanz bis Ende AugustMehr Niedrigpreis-Stunden als im Vorjahr

Solarpark Breddin im Hintergrund Windkraftanlagen
An vielen Stunden sind die Strompreise an den Strombörsen niedrig oder gar negativ. Mehr Kunden könnten davon profitieren, wenn der Smart-Meter-Rollout flächendeckend stattfinden würde. (Foto: naturstrom)

Die Anzahl der Stunden mit besonders niedrigen Preisen am Day-Ahead-Markt der Strombörse wuchs im Sommer 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit einem dynamischen Tarif können Kunden profitieren, aber nur mit eingebautem Smart Meter.

02.09.2025 – Zwischen Mai und August – den Monaten mit der naturgemäß höchsten Solarstrom-Erzeugung – verdoppelte sich die Zahl der Stunden mit Börsenstrompreisen unter 3 Cent pro Kilowattstunde im Vergleich zum ersten Jahresdrittel (658 zu 315). Das ist nicht überraschend, macht sich doch in den ersten Monaten des Jahres die Sonne in unseren Breiten meist rar.

Auch gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg die Anzahl der Niedrigpreis-Stunden um rund 12 Prozent. Die Negativpreis-Stunden nahmen sogar noch mehr zu: um 18,9 Prozent von 291 Stunden zwischen Anfang Mai und Ende August 2024 auf 346 Stunden im gleichen Zeitraum 2025. Über das ganze Jahr betrachtet, gab es bis Ende August mehr Stunden mit negativen Preisen als im gesamten letzten Jahr.

Hochpreis-Stunden gehen zurück

Gleichzeitig ging die Zahl überdurchschnittlich teurer Stunden, in denen die Kilowattstunde über 15 Cent kostet, im Vergleich zum Vorjahr um knapp 25 Prozent zurück (97 zu 73) – wobei der absolute Höchstpreis in diesem Zeitraum entgegen dem Trend mit 47,6 Cent pro Kilowattstunde deutlich über dem Vorjahres-Höchstwert von 28,9 Cent lag. Der durchschnittliche Preis fürs zweite Jahresdrittel blieb dagegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum relativ konstant, er stieg leicht von 7,1 auf 7,4 Cent pro Kilowattstunde.

Für diese Analyse hat die naturstrom AG Daten des SMARD-Portals der Bundesnetzagentur ausgewertet und die jeweiligen Jahresdrittel miteinander verglichen.

Großes Potenzial bleibt oft noch ungenutzt

„Damit Verbraucher von den Preisentwicklungen profitieren können, muss der Smart Meter Rollout flächendeckend vorangetrieben werden“, mahnt Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG. „Denn nur mit Smart Meter ist der Wechsel zu einem stundenscharfen Tarif möglich. Auf den Etappenerfolgen einzelner Netzbetreiber im Pflichtausbau-Segment darf sich niemand ausruhen, wir brauchen die Digitalisierung in der Breite.“

Dynamische Tarife wie sie auch naturstrom anbietet, richten sich nach den aktuellen Preisen an der Strombörse. Da so stündlich ein anderer Preis angesetzt ist, benötigen die Haushalte ein intelligentes Messsystem, eher bekannt als Smart Meter. Gerade Kunden mit steuerbaren Verbrauchern wie Elektroauto, Wärmepumpe oder Batteriespeicher können durch die zeitliche Verschiebung ihres Stromverbrauchs die immer häufigeren Niedrigpreiszeiten an der Börse für den günstigen Stromeinkauf nutzen und dadurch gleichzeitig das Energiesystem entlasten.

Mehr zum Thema

Kinder laufen auf Wiese unter Stromleitungen
Flexibler Stromverbrauch

Die Stromtarife der Zukunft

Dynamische Stromtarife sind auf dem Vormarsch, vielleicht schon bald das neue Normal. Sie werden auch dringend gebraucht. Denn die Energiewende kann nur gelingen, wenn sich schwankende erneuerbare Stromerzeugung und Verbrauch ausbalancieren.

Die dynamischen Tarife sind ein wichtiger Baustein zum Gelingen der Energiewende. Sie werden notwendig, weil zum einen der Strombedarf in den kommenden Jahren deutlich steigen wird, denn Elektroautos und Wärmepumpen ersetzen Verbrenner und Ölheizungen. Gleichzeitig wird zwar immer mehr Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt, aber die Erzeugung schwankt je nach Witterung. Bisher haben Stromverbraucher keinen Anreiz, ihren Verbrauch an das Angebot anzupassen. Dabei gibt es nicht nur Knappheitssituationen, die sogenannte Dunkelflaute, sondern auch Phasen mit hohem Überangebot von Strom aus Erneuerbaren Anlagen.

Besonders der starke Zubau von Photovoltaik-Anlagen macht sich bemerkbar. An sonnigen Tagen sinken um die Mittagszeit die Preise sehr stark, immer öfter sogar unter null. Die niedrigen Preise machen die Energiewende insgesamt teurer – weil Betreiber von EEG-Anlagen auch in Zeiten niedriger Börsenpreise die jeweils für ihre Anlage festgelegte Vergütung pro Kilowattstunde Strom erhalten. Die Ampelregierung hatte noch kurz vor den Neuwahlen in einer kleinen EnWG-Novelle an dieser Stelle neu geregelt, dass die Vergütung in Zeiten negativer Preise für bestimmte Anlagenkonstellationen ausgesetzt wird.

Zusätzlich gibt es einen weiteren Effekt, der die Energiewende verteuert: Wird im Verhältnis zum Bedarf zu viel oder zu wenig Strom erzeugt, müssen Netzbetreiber eingreifen und Kraftwerke abregeln oder hochfahren. Auch diese Redispatch-Maßnahmen kosten Geld und werden letztlich von den Stromverbrauchern bezahlt. pf

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen