Methan-Bilanz 2025: Methanemissionen steigen trotz EU-Verordnung

Die EU-Methanverordnung zeigt bisher kaum Wirkung: Emissionen im Kohlesektor nehmen zu statt ab, und in Deutschland vernachlässigt rund ein Drittel der Öl- und Gasunternehmen die Berichtspflichten. Die DUH fordert ein verbindliches Reduktionsziel.
07.05.2026 – Trotz strenger EU-Regulierung steigen die Methanemissionen im Kohlesektor an, während deutsche Öl- und Gasunternehmen ihre Berichtspflichten vernachlässigen, zeigt ein Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) sowie Analysen der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Experten fordern eine konsequente Durchsetzung der Gesetze und eine Ausweitung der Klimaschutzmaßnahmen.
Kohleminen bleiben der größte Methanemittent im EU-Energiesektor und haben ihren Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr sogar gesteigert. Das zeigt die Anfang der Woche veröffentlichte Ausgabe des Global Methane Tracker, den die IEA jährlich veröffentlicht. 2024 wurden Methanemissionen noch auf 752.000 Tonnen geschätzt, 2025 stieg der Wert bereits auf etwa 850.000 Tonnen an. Damit ist der Kohlesektor allein für fast so viele Methanemissionen verantwortlich wie der gesamte Öl- und Gassektor der EU zusammen.
Emissionen steigen trotz EU-Methanverordnung
Die Europäische Union verabschiedete 2024 die EU-Methanverordnung, die Betreiber fossiler Infrastruktur verpflichtet, ihren Methanausstoß zu messen und zu reduzieren. Zuvor war das Ablassen von Methan gängige Praxis bei der Produktion von Öl, Gas und Kohle. Seit Januar 2025 ist etwa das sogenannte Venting – das bewusste Ablassen von Methan aus Entgasungssystemen in Untertage-Kohleminen – verboten. Stattdessen sind Betreiber verpflichtet, das Gas entweder effizient abzufackeln oder energetisch zu nutzen.
Der erwartete deutliche Rückgang an Emissionen trat bisher nicht nur nicht ein, Emissionen sind sogar weiter gestiegen. Experten erklären dies mit einer mangelnden Umsetzung. Satellitenanalysen des Think Tanks Ember belegen beispielsweise, dass insbesondere polnische Kohleminen weiterhin Methan ablassen. Da viele Mitgliedstaaten bis heute keine wirksamen Strafen für Verstöße etabliert haben, bleibt die Verordnung in der Praxis oft wirkungslos.
Verstöße bei Öl- und Gasbetreibern in Deutschland
Nicht nur im Kohlesektor, auch in der Öl- und Gasinfrastruktur klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Rund ein Drittel der über 800 betroffenen Unternehmen in Deutschland sind einer Analyse der DUH nach ihren Methan-Berichtspflichten für die Jahre 2024 und 2025 nicht nachgekommen. Betroffen sind unter anderem Gasnetzbetreiber, Gasspeicher und LNG-Terminals. Von letzteren hat für das Jahr 2025 kein einziges einen vollständigen Bericht eingereicht.
Besonders kritisch bewertet die DUH, dass nur sieben Unternehmen dokumentierten, tatsächlich eigene Messungen an ihrer Infrastruktur durchgeführt zu haben – obwohl dies seit 2025 gesetzlich vorgeschrieben ist. Während kleine Stadtwerke die Verordnung umsetzen, verweigern große Konzerne offenbar gezielt, klimaschädliche Emissionen transparent zu machen. Auch die DUH diagnostiziert ein Vollzugsdefizit: In zehn Bundesländern wurden ein Jahr nach Inkrafttreten der gesetzlichen Vorgabe noch nicht einmal die zuständigen Kontrollbehörden benannt.
„Die Emissionen zu senken, ist unsere wirksamste Klimanotbremse“, sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Gerade im Energiesektor darf es endlich keine Schlupflöcher mehr geben: Die EU-Methanverordnung muss konsequent umgesetzt werden mit klaren Zuständigkeiten, wirksamer Kontrolle und scharfen Vorgaben gegen Leckagen, routinemäßiges Ausblasen und Abfackeln.“
Importe treiben Methanemissionen
in Großteil des europäischen Methan-Fußabdrucks entsteht allerdings außerhalb der eigenen Grenzen. Im Jahr 2025 waren die Emissionen in der Lieferkette für importiertes Öl, Gas und Kohle fast doppelt so hoch wie die der heimischen Produktion. Die EU plant hier gegenzusteuern: Ein Rechtsakt zur Gleichwertigkeit der Überwachung (MRV) soll Exporteure dazu verpflichten, dieselben hohen Standards wie EU-Produzenten einzuhalten.
„Die EU-Methanverordnung wird nur dann signifikante Emissionsminderungen bewirken, wenn sie ordnungsgemäß durchgesetzt wird. Eine unabhängige Überprüfung der Emissionen und abschreckende Strafen bei Nichteinhaltung sind für ihre Wirksamkeit unerlässlich“, kommentiert Dr. Sabina Assan, Methan-Analystin beim globalen Energie-Think-Tank Ember den Bericht der IEA. „Indem sichergestellt wird, dass alle fossilen Brennstoffe die gleichen Methanstandards erfüllen, schafft die Verordnung faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Importeuren und heimischen Erzeugern und weitet ihre Wirkung weit über die europäischen Kohleminen hinaus aus.“
Klimagas Methan reduzieren
Methan ist ein hochpotentes Klimagas: Über 20 Jahre wirkt es in der Atmosphäre etwa 80-mal stärker als CO2, über 100 Jahre immerhin noch um die 30-mal stärker. Es verbleibt zwar kürzer in der Atmosphäre als Kohlenstoffdioxid, treibt den Temperaturanstieg kurzfristig jedoch stärker an. Methan ist laut IPCC-Report für etwa 0,5 Grad des bisherigen weltweiten Temperaturanstiegs von 1,2 Grad verantwortlich.
Die EU-Verordnung gehört zu den im Rahmen des Green Deal initiierten Gesetzen, mit denen die EU bis 2050 Klimaneutralität erreichen will. Hintergrund ist der auf der COP26 in Glasgow 2021 geschlossene Global Methane Pledge. Dessen Ziel ist, Methanemissionen bis 2030 um 30 Prozent im Vergleich zu 2020 zu reduzieren. Der Energiesektor ist nach der Landwirtschaft die zweitgrößte Quelle der von Menschen erzeugten Methanemissionen. Er umfasst Emissionen aus Kohle, Öl, Erdgas und Biokraftstoffen. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht allerdings davon aus, dass Methanemissionen der Kohle-, Öl- und Erdgaswirtschaft bisher um bis zu 80 Prozent unterschätzt wurden.
Verbindliches Reduktionsziel für Deutschland gefordert
Deutschland hat sich nicht nur dem Global Methan Pledge angeschlossen, sondern ihn sogar gemeinsam mit den USA ausgearbeitet. Ein von der DUH in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zeigt allerdings, dass Deutschland seine Potenziale zur Methanreduktion noch weitgehend ungenutzt lässt.
„Methan ist nicht nur ein Klimakiller, sondern auch ein zentraler Treiber von bodennahem Ozon – mit schweren Folgen. Das Gas verursacht in Deutschland jährlich rund 20.000 Todesfälle, schädigt Ökosysteme und führt zu massiven Ernteausfällen“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. “Es ist nicht hinnehmbar, dass im Luftreinhalterecht alle wichtigen Ozonvorläufer reguliert sind, Methan jedoch vollständig ausgeblendet wird.“
Die DUH fordert deshalb ein verbindliches Reduktionsziel im Bundes-Immissionsschutzgesetz, um die selbstgesteckten Ziele der Methan-Reduktion zu erreichen. Zudem müsse die Regulierung auf Bereiche wie Gaskraftwerke, die Petrochemie und die Landwirtschaft ausgeweitet werden, etwa durch eine schrittweise Reduktion der Tierzahlen in der industriellen Rinderhaltung. jb






















































