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Energieimporte aus den USAMit den Zöllen kommt eine fossile Importwelle

Mehrere Transportschiffe, darunter Öltanker, auf dem Meer
Das Versprechen mehr Energie aus den USA zu importieren, bedeutet de facto eine Verdreifachung der fossilen US-Importe. (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz)

Der Plan der EU, in den nächsten drei Jahren Energie aus den USA im Wert von 750 Milliarden Dollar zu importieren, ist hochriskant. Die IEEFA hat Energieimporte ausgewertet und ausgerechnet, was erreichbar wäre, wenn das Geld in Erneuerbare fließen würde.

01.08.2025 – Das Versprechen der EU, in den nächsten Jahren im großen Stil fossile Energie aus den USA zu kaufen, hat nicht nur Klimaschützer geschockt. Mehrere Analysen zweifeln an der Umsetzbarkeit, allerdings weichen im Einzelnen die Zahlen für bisherige Energieimporte und daraus folgend die Szenarien für die kommenden Jahre voneinander ab.

Auch das internationale Institut für Energieökonomie und Finanzanalyse (IEEFA) hält die Pläne, die Teil des Handelsabkommens zwischen der EU und den USA sind, für unrealistisch und nicht erreichbar.

Die EU-Einfuhren von Öl, Kohle und Flüssigerdgas beliefen sich nach den Zahlen von IEEFA im Jahr 2024 auf insgesamt 315 Milliarden Euro, davon entfielen 262 Milliarden Euro auf Erdöl (453 Millionen Tonnen), 12 Milliarden Euro auf Kohle (63 Millionen Tonnen) und 41 Milliarden Euro auf LNG (80 Millionen Tonnen pro Jahr). Andere Quellen sprechen von höheren Beträgen für Energieimporte – sie beziehen Uran, Nuklearbrennstoff und Reaktorteile in ihre Rechnung ein.

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Die USA waren im Jahr 2024 bereits der größte Lieferant von Erdöl und LNG und der zweitgrößte Lieferant von Kohle in der EU. In der ersten Hälfte des ersten Halbjahres 2025 stammten 55 Prozent der LNG-Importe der EU aus den USA, 16 Prozent aus Russland, 9 Prozent aus Katar, 6 Prozent aus Nigeria und 5 Prozent aus Algerien.

Massive Erhöhung der Importe nicht realistisch

Eine massive Erhöhung der LNG-Importe halten die Analysten für nahezu unerreichbar, auch weil die Gasnachfrage in Europa zurückgeht und feste Verträge mit anderen Lieferanten geschlossen wurden. Darüber hinaus schwanken die Preise am Gasmarkt von Natur aus stark, und LNG ist ein teurer Kraftstoff. Die EU hat in den letzten drei Jahren rund 225 Milliarden Euro für LNG-Einfuhren gezahlt, davon 100 Milliarden Euro für LNG aus den USA. Dabei ist LNG aus den USA nach Aussage der IEEFA für Käufer in der EU teuer als von jedem anderen Anbieter.

Legt man die Preise und Anteile von 2024 zugrunde, müsste die EU ihre Importe von US-Öl, Kohle und LNG verdreifachen, wenn sie jährlich US-Energie im Wert von 250 Milliarden US-Dollar kaufen will. 70 Prozent der Energieimporte kämen dann aus den USA – ein hochriskante Energieabhängigkeit und damit auch Unsicherheit. Da die EU nicht selbst als Käufer auftritt, müssten Unternehmen in großem Maßstab ihre Lieferantenbeziehungen umstrukturieren. Das ist bei langfristigen Verträgen schwierig und vor allem teuer. Außerdem ist unklar, wie die Unternehmen zu diesen Käufen bewegt werden sollen, die aus ihrer unternehmerischen Sicht wenig Sinn machen.

Nicht zuletzt schaffen die Anreize für fossile Energieimporte neue fossile Abhängigkeiten. Die EU müsste sich von ihrem Ziel für 2040, die Treibhausgasemissionen um 90 Prozent gegenüber 1990 zu senken, verabschieden.

Zeitgleich zu den Verhandlungen mit den USA tritt ein zweiter wichtiger Energielieferant der EU auf den Plan: Katar will weitere Lieferungen daran knüpfen, dass das EU-Lieferkettengesetz ausgesetzt wird, wie das Umweltinstitut München berichtet. Das Lieferkettengesetz soll Menschenrechte und Klimaschutz bei wirtschaftlichen Aktivitäten der EU sichern. Dieses Gesetz ist ein zentraler Hebel, um weltweit Menschenrechte und Umweltschutz zu stärken. Beide Beispiele zeigen: Energieabhängigkeit macht politisch erpressbar.

Analysten empfehlen Investitionen in Erneuerbare

Die Empfehlung der Analysten der IEEFA ist eindeutig: Anstatt ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in den USA weiter zu erhöhen, sollte die EU in heimische Projekte für erneuerbare Energien investieren.

Die IEEFA-Analysten schätzen, dass die EU mit Investitionen in Höhe von 750 Milliarden US-Dollar Solarkraftwerke mit einer Leistung von 321 Gigawatt und Windenergieanlagen mit 225 Gigawatt Leistung errichten könnte.

„Der Ausbau erneuerbarer Energien sorgt für Energiesicherheit und senkt die Strompreise. Stattdessen ist der Plan der EU, ihre Abhängigkeit von einem einzigen Energielieferanten zu erhöhen, ein Déjà-vu-Moment für einen Kontinent, der sich immer noch von einer Energiekrise erholt“, kommentiert Ana Maria Jaller-Makarewicz von IEEFA Europe. pf

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