Sektorgutachten Energie 2025: Mit Netzentgelten regionale Preissignale schaffen

Die Monopolkommission lenkt in ihrem Sektorgutachten Energie den Blick auf vier Teilmärkte. Sie appelliert, die Ursachen der hohen Energiepreise anzugehen und schlägt für den Stromsektor dynamische Netzentgelte vor.
11.11.2025 – Das 200 Seiten starke Sektorgutachten Energie der Monopolkommission betrachtet die Wettbewerbssituation in vier Teilmärkten des Energiesektors: Strommarkt und Netzentgelte, Fernwärmemarkt, Ladeinfrastruktur und die Zukunft der Gasverteilnetze. Zufrieden sind die Wettbewerbshüter nicht. Sie plädieren für stärkere Anstrengungen beim Umbau der Energiesysteme. Letzte Wochen wurde das Gutachten an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche übergeben. Eine Reaktion darauf von Seiten des Ministeriums gibt es noch nicht.
Strompreise sollen regionale Engpässe abbilden
Um Stromnetze und Strompreise zu entlasten, seien regionale Preissignale notwendig. Als möglichen Weg schlägt die Kommission dynamische Netzentgelte vor, da die Alternativen Aufteilung der Stromgebotszone und nodale Preise politisch als nicht durchsetzbar gelten. „Momentan belohnt das System Verhalten, das die Netze die Netze an ihre Grenzen bringt. Mit dynamischen Netzentgelten können wir Erzeugung und Verbrauch durch Preissignale lenken und somit auch eine Happy Hour für den Stromverbrauch schaffen,“ erklärt Tomaso Duso, der Vorsitzende der Monopolkommission.
Momentan wechseln Überbelastungen und Engpässe je nach Tageszeit und Region. Die Netzentgelte bieten kaum Anreize, die vorhandenen Netzkapazitäten smart zu nutzen. Die Folge: Günstige Energie von Windrädern und Solaranlagen im Norden wird gedrosselt, dafür werden teure Gas- und Kohlekraftwerke im Süden hochgefahren. Mit dynamischen Netzentgelten können Erzeugung und Verbrauch zeitlich und regional flexibler ans Netz angepasst werden. Dafür ist nach Einschätzung der Monopolkommission (und auch vieler Marktakteure) eine konsequente Digitalisierung der Netze unerlässlich. Es gelte beides – Netzentgeltreform und Digitalisierung – entschlossen voranzutreiben.
Fernwärmepreise mit Transparenz im Zaum halten
Weil mit der Wärmewende die Konkurrenz durch Gas- oder Ölheizungen sinkt, können lokale Monopolisten bei der Fernwärme die Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher nach oben treiben, so die Warnung der Monopolkommission. Um diesem Trend entgegenzuwirken, empfiehlt sie eine verpflichtende Transparenzplattform und die Öffnung der Fernwärmenetze für Dritte – das heißt externe Wärmelieferanten, die in ein Fernwärmenetz einspeisen.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat zu diesem Teil des Gutachtens Widerspruch. „Wir teilen die Auffassung der Monopolkommission nicht, dass durch die wachsende Bedeutung der Fernwärme im Zuge der Dekarbonisierung auch die Möglichkeiten der Unternehmen zum Missbrauch von Marktmacht steigen“, erklärte BDEW-Geschäftsführerin Kerstin Andreae. Einen Preisdeckel zur Vermeidung hoher Fernwärmekosten lehnt der Verband ab und plädiert für die bewährte kartellrechtliche Preisaufsicht. Sämtliche der zuletzt durchgeführten Prüfungen der Kartellämter hätten gezeigt, dass es keine Hinweise auf ein flächendeckend überhöhtes Preisniveau im Fernwärmesektor oder strukturelle Wettbewerbshindernisse gibt. Soweit in Einzelfällen Maßnahmen und Missbrauchsverfahren erforderlich waren, haben diese auch zu entsprechenden Preissenkungen geführt.
Die Vorschläge der Monopolkommission für eine weitreichende Regulierung des Drittzugangs für Wärmenetze lehnt der BDEW ab. Die Preistransparenz für Endkunden weiterzuentwickeln, unterstützt der BDEW.
Gezielte Stilllegung von Gasnetzen
Die Monopolkommission macht in einem eigenen Kapitel auf den bevorstehenden Strukturwandel beim Gasnetz aufmerksam. Aktuell ist offen, wer den Rückbau bzw. die Stilllegung der Gasnetze finanziert. Dafür mahnt die Kommission verbindliche Pläne der Netzbetreiber an, sie sollten dazu schon heute von der Politik verpflichtet werden. Dies sei die effizienteste Lösung.
Ladeinfrastruktur für E-LKWs an Autobahnen
Als kritisch wird der Ausbau von Ladeinfrastruktur für E-LKWs an Autobahnen eingestuft. Es dürfte nicht zu einem Lade-Monopol für die Tank & Rast GmbH kommen – etwa zwei Drittel der geplanten Ladeparks an Autobahnen wurden ohne Ausschreibung direkt an das Unternehmen vergeben. pf
















































