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DivestmentMunich Re kündigt Ausstieg aus dem Kohlegeschäft an

Kohleabbaugebiet
Künftig wird Munich Re nicht mehr in Aktien oder Anleihen von Unternehmen investieren, die mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erzielen. (Foto: Dominik Vanyi, Unsplash)

Einer der größten Rückversicherer der Welt will sein Geld nicht mehr in Kohleunternehmen investieren. Damit beugt sich Munich Re zwar der monatelangen Kritik mehrerer Klimaschutzgruppen, könnte jedoch auch noch einen Schritt weiter gehen.

07.08.2018 – Angesichts des immer schneller voranschreitenden Klimawandels ändert Munich Re seine langfristige Geschäfts- und Anlagestrategie. Künftig wird der Versicherungskonzern nicht mehr in Aktien oder Anleihen von Unternehmen investieren, die mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erzielen. Das kündigte Vorstandschef Joachim Wenning in einem am Montag erschienenen Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung an. Man wolle die eigene Klimastrategie an das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens knüpfen und deshalb aus dem Geschäft mit der Kohle aussteigen. Auch im Einzelrisikogeschäft werden deshalb in Industrieländern künftig keine neuen Kohlekraftwerke und -minen mehr versichert.

Damit verfolgt Munich Re zwar nicht unbedingt einen ideologischen Ansatz, jedoch einen kostenorientierten, der allerdings zum gleichen Ergebnis kommt. Denn: Sollte es nicht gelingen, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, rechne man mit sehr teuren und gesellschaftlich einschneidenden Folgen. Demnach ist es nur konsequent, aus dem Kohlegeschäft auszusteigen. Schließlich sei die Kohle unter den fossilen Brennstoffen für den größten Anteil an klimaschädlichen CO2-Emissionen verantwortlich, so Wenning.

Jahrelang hat Munich Re versucht sich hinter eigenen Klimastudien zu verstecken „Jahrelang hat Munich Re versucht sich hinter eigenen Klimastudien zu verstecken und echte Taten für den Klimaschutz verweigert“, sagt Regine Richter, Energie-Campaignerin bei der deutschen Umweltorganisation urgewald. Durch die aktuelle Ankündigung dürften Kohle-Neubauprojekte wie Ostrołęka C in Polen nun allerdings nicht mehr (rück-)versichert werden. „Gleichzeitig wissen wir, diese Ankündigung wird nicht ausreichen, um den Konzern an die Pariser Klimaschutzziele anzupassen“, so Richter weiter.

Grundsätzlich begrüßen die Unfriend Coal Kampagne, urgewald und die Kampagnenorganisation Avaaz die Ankündigung des Rückversicherers jedoch. Es sei ein guter Schritt, gehe allerdings noch nicht weit genug. So hätten andere Versicherungskonzerne teils deutlich schärfere Einschnitte in die Geschäfte mit der Kohle vorgenommen.

Allianz: Kompletter Ausstieg aus dem Kohlegeschäft

So hatte etwa die Allianz im Mai angekündigt, keinerlei Versicherungen für neue Kohlekraftwerke und -minen mehr anzubieten und bis 2040 komplett aus dem Kohlegeschäft auszusteigen. Im Gegensatz zur Munich Re schließt der deutsche Versicherungskonzern mit Sitz in München dabei konsequent Investitionen in Kohlefirmen aus.

Der weltweit größte Rückversicherer Swiss Re hatte bereits Anfang Juli angekündigt, keine Versicherungen und Rückversicherungen für Unternehmen mehr anzubieten, die mindestens 30 Prozent ihres Geschäfts mit Kraftwerkskohle machen. Unabhängig davon, in welchem Land die Firma agiert, kann sie durch dieses Kriterium grundsätzlich ausgeschlossen werden. Der Rückversicherer Munich Re lässt hingegen Ausnahmen für Schwellenländer zu.

Kriterien für Ausnahmefälle vom Kohleausschluss

Dabei seien gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern derzeit unzählige neue Kohlekraftwerke in Planung, sagt Lucie Pinson, europäische Koordinatorin der Kampagne Unfriend Coal. „Als einer der wichtigsten Versicherer der Welt, insbesondere in Asien, muss Munich Re nun schnell Klarheit darüber schaffen, wie die angekündigten Kriterien für Ausnahmefälle vom Kohleausschluss aussehen werden“, so Pinson. Da sowohl die Klimawissenschaft als auch der Preisverfall bei den Erneuerbaren deutlich machen, dass Kohle ein unsinniges Geschäft sei, sollte Munich Re daher anderen Versicherern folgen, die die Unterstützung für Kohle konsequenter ausgeschlossen haben. jk


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