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Vertuschung des KlimawandelsMuss ExxonMobil Milliarden an Entschädigung zahlen?

Eine Esso Tankstelle in Tübungen bei Nacht.
In Deutschland ist der US-Amerikanische Ölkonzern vor allem bekannt durch seine Esso-Tankstellen. (Foto: Dktue / WikiCommons, CC0 1.0)

Es geht um viel Geld. ExxonMobil ist in zwei US-Staaten angeklagt seine Anleger betrogen zu haben, da der Energiekonzern über die Folgen des Klimawandels und ihren Einfluss schon früh sehr genau Bescheid wusste.

11.11.2019 – In einer Anhörung am 23. Oktober nahm die US-Amerikanische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez zwei ehemalige Wissenschaftler von ExxonMobil in die Mangel. Durch kritische Nachfragen gaben die beiden Wissenschaftler zu, bereits sehr früh und sehr genau über die Folgen des Klimawandels und den Einfluss ExxonMobils Bescheid gewusst und dies intern kommuniziert zu haben. Bereits 1982 prognostizierten sie, dass die globale Temperatur bis 2019 um einen Grad steigt und der CO2-Gehalt in der Luft 415 ppm betragen wird. Mitte Mai dieses Jahres meldete das Mauna Loa Observatorium einen neuen Rekordwert der CO2-Teilchen pro Millionen Teilchen in der Luft. Der Wert: 415,26 ppm.

Doch die Ergebnisse der Wissenschaftler blieben jahrelang unter Verschluss. Erst 2015 gelangten Analysen durch investigative Recherchen an die Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt erklärte ExxonMobil noch, dass es damals zu keinem abschließenden Urteil zu den Risiken des Klimawandels gekommen sei und deswegen keine exklusiven Erkenntnisse zurückgehalten habe. Doch nicht erst seit der Anhörung der Exxon-Wissenschaftler durch Ocasio-Cortez wird deutlich: „Exxon wusste es“.

Exxon zeigt sich vor Gericht als windiger Gegner

Dass der Ölkonzern deswegen seine Anleger bewusst betrogen haben könnte, ist Grundlage zweier Verfahren in New York und Massachusetts. Und dabei geht es um viel Geld. Laut Anklage in New York müsste der Konzern seinen Anlegern bis zu 1,16 Milliarden US-Dollar zurückerstatten. Exxon habe ein „langjähriges betrügerisches System“ betrieben, um Investoren, Analysten und Anteilseigner „über das Management der Risiken zu täuschen, die sich aus der Regulierung des Klimawandels für das Geschäft ergeben“, zitiert das Handelsblatt aus der Anklageschrift. Demnach habe das Unternehmen seine Investitionen bis 2040 offiziell mit Kosten von bis zu 80 US-Dollar pro Tonne CO2-Emissionen kalkuliert, intern jedoch nur 40 US-Dollar pro Tonne verwendet, oder überhaupt keine.

Doch ExxonMobil zeigt sich in den Verhandlungen als windiger Gegner. Rex Tillerson, ehemaliger Außenminister der USA und EX-Chef des Ölkonzerns sagte vor Gericht aus, dass ein Teil der Kosten die wahrscheinlichen Auswirkungen künftiger CO2-Gesetze auf die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen darstellte. Auch habe man einige Investitionen projektbezogen bewertet. Erklärungen die die Ankläger nicht wiederlegen konnten. Mit Spannung wird nun das abschließende Urteil der Richter erwartet, welches in den kommenden Wochen fallen soll.

Exxon platzierte irreführende Werbung in der New York Times

Während In New York Kläger und Angeklagte die abschließenden Plädoyers bereits hielten, ist das Verfahren in Massachusetts erst angelaufen. Die dortige Generalstaatsanwaltschaft hat eine 211-Seitige Anklageschrift vorgelegt, auf die ExxonMobil erst noch reagieren muss. Grundlage der Anklage ist ebenfalls der Betrug am Anleger. Die Anwälte in Massachusetts beziehen sich dabei auch auf irreführende Werbung, die Konsumenten und Anleger über die Rolle des Ölkonzerns beim Klimawandel getäuscht habe.

Das US-Amerikanische Investigativ-Magazin The Intercept geht in diesem Fall vor allem mit der New York Times hart ins Gericht. Seit den 1970er Jahren habe ExxonMobil jeden Donnerstag eine Viertel-Seite in der Zeitung für Werbung zur Verfügung gestellt bekommen. Werbung, die oftmals im Look von Artikeln daherkam und ab den 1980ern vermehrt den menschengemachten Klimawandel in Frage stellte. Diese Täuschung habe, laut Anklage, die öffentliche Meinung und damit auch Anleger in Massachusetts nachhaltig beeinflusst. mf


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Kommentare

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Denkender Bürger 11.11.2019, 07:28:31

Erinnert mich an den Fall, wo eine Amerikanerin in den 90-er Jahren gegen einen Autokonzern (ich glaube Ford) mit der Begründung auf Entschädigung geklagt hat, ihre Tochter sein in den 60-er Jahren in einem Auto tödlich verunglückt, weil dieses noch keinen Airbag hatte.

Sie ist mit dieser Klage übrigens krachend gescheitert.

Deswegen sollte sich jetzt noch keiner schadenfroh die Hände reiben - warten wir erst mal ab, was dabei rauskommt.

Schlauer Bürger 11.11.2019, 16:21:01

+6 Gut

wer Kommantare von" Denkender Bürger" mit Daumen hoch bewertet, sollte sich mal fragen, ob hier richtig ist.


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