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Hohe Preise für Diesel und BenzinNicht noch mehr fossile Subventionen

Eine Person mit weißem Schutzanzug und Gasmaske vor einer Ölpumpe
Spritpreisentlastungen – ‚Jetzt nicht wieder Milliarden für fossile Abhängigkeit ausgeben‘ (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz)

Die Bundesregierung hat Entlastungen für die hohen Spritpreise angekündigt. Maßnahmen werden noch diskutiert. Klimaschutz- und Umweltorganisationen fordern: ‚Jetzt nicht wieder Milliarden für fossile Abhängigkeit ausgeben‘

17.06.2026 – Die Preise für Diesel und Benzin sind erneut gestiegen. Kraftstoffe waren im August 2026 laut Statistischem Bundesamt insgesamt 27,7 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Bundeskanzler Friedrich Merz hat nun Entlastungen für Verbraucher angekündigt – wie diese aussehen sollen, blieb noch unklar.

Rekordjagd an der Zapfsäule

Deutschland erlebte im September 2026 die teuersten Kraftstoffpreise seiner Geschichte. Sogar der bisherige Höchstwert von März 2022 wurde bereits zweimal übertroffen, zuletzt kletterte der Preis zeitweise auf 2,32 Euro. Zusätzlich verteuerte sich Diesel stärker als Benzin und bewegt sich nur noch knapp unter dem Rekord von April 2026 von 2,46 Euro. Der Tankstellen-Interessenverband warnt bereits vor Preisen um drei Euro je Liter, die an manchen Autobahntankstellen schon erreicht würden.

Eine echte Verknappungskrise

Ursache ist vor allem der Krieg im Nahen Osten und die anhaltende faktische Sperrung der Straße von Hormus in Kombination mit Angriffen auf Tanker sowie beschädigte Raffinerien in Kriegsgebieten. Angriffe auf die Öl-Infrastruktur, darunter eine wichtige Pipeline, die Erdöl an der Straße von Hormus vorbei durch Saudi-Arabien leitet, haben die weltweite Versorgung zusätzlich gestört. Im Vergleich zur Energiekrise nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist die derzeitige eine echte Verknappungskrise: Das Öl kann den Weltmarkt durch physische Blockaden nicht mehr erreichen. Lieferkettenausfälle, etwa bei wichtigen Diesel-Lieferanten, verknappten Kraftstoffe auf dem Weltmarkt noch zusätzlich.

Der Ölpreis lag zuletzt bei rund 95 bis 104 US-Dollar je Barrel, für den Winter werden weitere Preisschwankungen und -spitzen erwartet. Ein starker Euro gegenüber dem Dollar dämpft die Preisentwicklung zwar etwas, kann die Volatilität aber nicht annähernd ausgleichen.

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Tankrabatt, Spritpreisdeckel und Direktzahlungen in der Diskussion

Wenige Tage vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz Enlastungen an. Für viele Menschen, die beruflich aufs Auto angewiesen seien, sei eine Belastungsgrenze erreicht. Welche Maßnahmen kommen sollen, ließ er offen. Diskutiert wurden zuletzt wie bereits im Frühjahr dieses Jahres und zu Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine 2022 mehrere Modelle:

Tankrabatt: Von Mai bis Juni 2026 hatte der Bund die Energiesteuer um 14,04 Cent pro Liter gesenkt, was inklusive Mehrwertsteuereffekt rund 17 Cent Entlastung an der Zapfsäule brachte. Den Bund kostete der Tankrabatt etwa 1,6 Milliarden Euro. Umstritten ist, inwieweit diese Entlastung bei den Verbrauchern ankam, da Ölkonzerne ihre Margen erhöhen und einen Teil davon abfangen können. Angesichts der angespannten Haushaltslage gilt eine Neuauflage als fraglich. Die SPD fordert derzeit zudem mehr Preistransparenz bei den Margen der Ölkonzerne bzw. der Frage, wie sich die Preise an der Zapfsäule konkret zusammensetzen.

Spritpreisdeckel: Die SPD fordert einen staatlich festgelegten Höchstpreis nach belgischem Vorbild. Dort berechnet das Wirtschaftsministerium seit der Ölkrise der 1970er-Jahre werktäglich einen maximalen Verkaufspreis für Benzin und Diesel – einbezogen werden Rohölpreis, Raffinerie-, Transport-, Lager- und Vertriebskosten, Steuern sowie eine festgelegte Gewinnspanne für die Unternehmen. Tankstellen dürfen günstiger anbieten, aber diesen Höchstpreis nicht überschreiten. Ein ähnliches Modell nutzt auch Luxemburg. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt einen Preisdeckel bislang ab.

Direktzahlungen: Reiche schlug zuletzt gezielte Auszahlungen an einkommensschwache Gruppen vor, die kaum oder keine Steuern zahlen, und daher von einer Steuersenkung wenig profitieren würden. Einzelne Stimmen aus CDU und der Linken forderten die Auszahlung eines Klimageldes.

Die SPD schlug zudem erneut eine Übergewinnsteuer vor, auch, um die geplanten Maßnahmen gegenzufinanzieren. Die sechs größten Öl- und Gasunternehmen hatten ihre Gewinne im zweiten Quartal 2026 fast verdoppelt. Oxfam, Greenpeace und Germanwatch hatten bereits kurz nach Beginn des Iran-Kriegs eine Übergewinnsteuer für fossile Konzerne gefordert. Im April forderten Deutschland, Italien, Spanien, Portugal und Österreich die EU-Kommission auf, eine europaweite Steuer auf Übergewinne zu prüfen. Bisher lehnen sowohl die EU wie auch Bundeskanzler Friedrich Merz das Abschöpfen außergewöhnlicher Krisengewinne der Ölkonzerne ab.

Nicht noch mehr Milliarden für fossile Abhängigkeit

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnt grundsätzlich vor pauschalen staatlichen Entlastungen, weil diese extrem teuer sind und Geld für wichtige Zukunftsinvestitionen oder den sozialen Ausgleich abschöpfen könnten. Pauschalrabatte wie ein Tankrabatt dämpfen zudem den Anreiz, den eigenen Energie- oder Benzinverbrauch in Krisenzeiten anzupassen. Auch der privatwirtschaftliche Anreiz, in Elektroautos, Wärmepumpen oder heimische erneuerbare Energien zu investieren, sinkt dadurch. So wirken staatliche Hilfen wie eine fossile Versicherung und bremsen Klima- und Energiewende.

„Hohe Spritpreise belasten viele Menschen und zeigen zugleich, wie abhängig unsere Mobilität noch immer vom Öl ist“, kommentiert Sebastian Bock, Geschäftsleitung Politik im NABU-Bundesverband. „Statt jetzt wieder fossile Kraftstoffe attraktiv zu machen, braucht es eine Strategie, um die Abhängigkeit vom Öl zu überwinden.“ Kurzfristig brauche es ein faires Mobilitätsgeld, das gezielt entlaste. Langfristig müsse stärker in bezahlbare Elektromobilität und einen leistungsfähigen ÖPNV investiert werden. „Gerade bei knappen Kassen muss Entlastung gezielt dort ankommen, wo sie gebraucht wird“, so Bock. Auch Greenpeace-Mobilitätsexpertin Lena Donat warnt vor sozialen und ökologischen Fehlanreizen und betont „Das beste Mittel gegen schmerzhafte Ölpreisschocks ist, sich vom Öl unabhängiger zu machen.“

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Direkthilfen gelten als am effektivsten

Pauschale Einmalzahlungen, Direkthilfen oder progressive Einkommensteuersenkungen sind laut einer Analyse des vom Bundesforschungsministerium geförderten Kopernikus-Projekts Ariadne die effektivsten Entlastungsmaßnahmen. Da sie die Preisbildung am Energiemarkt unberührt lassen, bleibt der finanzielle Anreiz zum Energiesparen erhalten. Die Menschen werden entlastet, ohne dass der Staat den eigentlichen Energieverbrauch subventioniert.

In diese Kategorie würde auch etwa eine allgemeine Reduktion der Stromsteuer fallen. Die Preissignale der fossilen Kraftstoffe beim Heizen oder Tanken blieben erhalten; der Umstieg auf klimafreundlichere, nicht-fossile Alternativen wird hingegen attraktiver. Julia Broich

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