Foto: GLS Investments

Nachgefragt 20.04.2026

Privatanleger für Energieinfrastruktur-Investment gewinnen

Ein neuer Fonds der GLS Gruppe ermöglicht privaten Anlegern, mit kleinen Beträgen in die Energieinfrastruktur zu investieren. Produktmanager Kevin Helm erklärt Hintergründe des EU-regulierten ELTIF-Fonds und welche Anlagen der Fonds umfassen soll.

Kevin Helm ist Produktmanager des GLS ELTIF – Energieinfrastruktur Fonds bei der GLS Investments


Nachgefragt 20.04.2026

Privatanleger für Energieinfrastruktur-Investment gewinnen

Ein neuer Fonds der GLS Gruppe ermöglicht privaten Anlegern, mit kleinen Beträgen in die Energieinfrastruktur zu investieren. Produktmanager Kevin Helm erklärt Hintergründe des EU-regulierten ELTIF-Fonds und welche Anlagen der Fonds umfassen soll.

Foto: GLS Investments

Kevin Helm ist Produktmanager des GLS ELTIF – Energieinfrastruktur Fonds bei der GLS Investments



Herr Helm, vielleicht sollten wir zu Beginn kurz erklären, was ELTIF-Fonds sind und warum von regulierten Fonds gesprochen wird.

Ja, sehr gern. ELTIF steht für European Long-Term Investment Funds. Es sind Fonds für langfristige Vermögenswerte, Unternehmen und langfristige Projekte. Sie unterliegen einem von der EU gesetzten Regelwerk und sollen Kapital langfristig in nicht börsennotierte Unternehmen oder Infrastrukturprojekte lenken. Das Instrument gibt es schon länger, aber die Hürden waren sehr hoch, so dass das eigentliche Ziel nicht erreicht wurde. Beispielsweise mussten Anleger:innen mindestens 10.000 Euro investieren und mehr als 100.000 Euro Vermögen besitzen. Damit waren viele Kleinanleger:innen außen vor. 2024 wurden die Regeln für Banken, Asset Manager und Anleger:innen handhabbarer gemacht und so kommen nun auch mehr Produkte auf den Markt.

Warum will die EU Kapital gezielt in langfristige Investments lenken?

Es sind riesige Summen, die wir insgesamt als Weltbevölkerung, aber vor allem auch in Europa bewegen müssen, um das große Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, das mit European Green Deal formuliert ist. Allein staatliche Investitionen reichen dafür nicht aus. Es braucht auch privates Kapital. Anlegern soll durch die Reform der ELTIF Verordnung der Einstieg in nicht-börsennotierte Investments erleichtert werden, um auf diese Weise die Transformation der europäischen Wirtschaft zu einer höheren Nachhaltigkeit und den Ausbau der Infrastruktur zu unterstützen. Institutionelle Anleger:innen hatten schon viel länger Zugang zu solchen Investitionen. Deshalb wurde das Instrument geschaffen und wird nun mit der Novellierung auch tatsächlich in die Breite getragen. Die Studie der europäischen Ratingagentur Scope berichtet von 113 neuen ELTIFs, die im Jahr 2025 aufgelegt wurden, fast doppelt so viele wie im Jahr 2024.

Dann lassen Sie uns jetzt über den ELTIF-Fonds der GLS-Gruppe sprechen. Was hat es damit auf sich?

Die offizielle Bezeichnung lautet GLS ELTIF – Energieinfrastruktur Fonds. Das Angebot richtet sich an alle Anlegergruppen – von Stiftungen und vermögenden Privatkund:innen über Großinvestor:innen bis hin zu Menschen mit Anlagevolumen ab 300 Euro. Der Fonds wird aktiv gemanagt und investiert direkt in große Energieinfrastrukturprojekte – ein Metier, in dem wir bereits Expertise gesammelt haben. Die GLS Bank hat den Fonds mit einem Startkapital von 30 Millionen Euro ausgestattet. Der Fonds wird von den Experten und Expertinnen der GLS Investments, einer 100-prozentigen Tochter der GLS Bank, betreut und aktiv gemanagt. Auf Basis von Analysen wählen wir gezielt Wind- und Solarparks aus, perspektivisch auch Energiespeicherprojekte, in die der Fonds investiert. Der Fonds agiert dann wie ein institutioneller Investor, der mit dem gebündelten Geld der Anleger arbeitet.

Können Sie die Expertise ihrer Bank in diesem Sektor näher beschreiben?

Die älteste sozial-ökologische Bank Deutschlands hat bereits 1988 ein Windrad finanziert und seitdem ihre Branchenkenntnis der Erneuerbaren Energien weiter ausgebaut. 2025 wurden 598 Millionen Euro an neuen Krediten in dieser Branche vergeben, das waren 43 Prozent des gesamten Neukreditvolumens. Damit liegt die GLS Bank im Gesamtmarktvergleich unter den Top 3 Banken in Deutschland, was die Finanzierungsvolumina im Bereich Erneuerbare Energien angeht. Für dieses Jahr steckt sie sich das Ziel, Projekte in Höhe von 500 Millionen Euro zu finanzieren. In unserer Gruppe gibt es Ingenieure mit dem technischen Know-how, aber auch Menschen, die wissen, wie man die Buchhaltung eines Windparks führt.

Gibt es denn bereits konkrete Projekte, in die der Fonds investieren will?

Wir sind mit konkreten Projekten in Verhandlung. Ein idealtypisches Projekt für den Fonds liegt in der Größenordnung ab 10 Millionen Euro Eigenkapitalfinanzierung, wobei wir jedes Projekt ganz individuell evaluieren. Auch kleinere oder größere Anlagen können unter Umständen attraktiv für das Portfolio sein. Das Projekt als solches kann natürlich größer sein. Meist stecken auch noch Fremdfinanzierungen beispielsweise Bankkredite in solch einem Projekt. Aber wir wollen den Eigentumsanteil zum größten Teil in unseren Händen halten, um Handlungsspielraum zu haben und kleinere Eigentumsanteile breit streuen. Bürgerbeteiligungen stehen dem übrigens nicht im Wege – im Gegenteil. Das passt gut unter dieses Dach und liegt uns auch am Herzen. Typischerweise kaufen wir Projekte, die bereits fertig gebaut sind oder kurz vor Fertigstellung stehen. Mit dem Fonds steigen wir erst nach dem Aufbau unseres Kernportfolios mit einem kleinen Anteil, circa 25 Prozent des Portfolioanteils, auch in frühe Entwicklungsphasen von Projekten ein. Hier sind die Risiken aber auch die Renditechancen höher.

Welche Erneuerbaren Projekte wollen sie mit Geldern aus dem Fonds akquirieren?

In der Anfangsphase des Fonds setzen wir auf im Wind- und Solarbereich. Hier liegt unsere Kernkompetenz. Wir wollen so eine gute Basis schaffen und regelmäßige Erträge generieren. Das sind in erster Linie in Betrieb befindliche Anlagen. Energiespeicher, wenn sie mit den Projekten verbunden sind, zählen auch dazu. Mittelfristig ist aber viel mehr denkbar. An vielen Stellen wird Energieinfrastruktur erneuerbar gestaltet, da gehören auch lokale Netze und andere Lösungen unbedingt dazu. Diese Themen wollen wir Schritt für Schritt angehen.

Anleger brauchen Vertrauen, um ihr Geld in den Fonds zu legen. Welche Argumente haben Sie zu diesem Aspekt?

Gerade in diesen Tagen sorgt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche mit jedem Interview, das sie gibt, für ein bisschen mehr Sorge oder Pessimismus bei den Menschen. Dem stellen wir uns. Dass sich die Rahmenbedingungen ändern – beispielsweise mit der EEG-Novelle – macht Projekte zwar schwieriger, ist aber auch ein Stückweit normal. Da ist es der Job des professionellen Investors, damit so umzugehen, dass die Projekte weiterhin ertragreich sind. Konzepte für andere Vermarktungsformen außerhalb des EEG gibt es. Hinzu kommen Modelle, die Speicher integrieren und so Niedrigpreisphasen abpuffern. Aber und das ist das eigentliche Argument für ein Investment: Die Nachfrage nach Energie ist unbestritten vorhanden. Industrie, Verkehr, Wärme – überall wird der Strombedarf steigen. Dieser Strom wird auch von Anlagen in unserem Portfolio kommen. Wir sind mit vielen guten Argumenten optimistisch.

Die Verbraucherzentrale urteilte im letzten Jahr, dass ELTIFs sich eher nicht für Privatanleger eignen, da ihnen die die Informationen fehlen, die sie für eine fundierte Entscheidung brauchen. Was entgegnen Sie auf diese Aussage?

Grundsätzlich teilen wir die Auffassung der Verbraucherschutzzentrale, dass Interessent:innen sich vor einer Investition in jegliches Wertpapier und damit auch in ELTIFs umfangreich informieren sollten. Hohe Renditeversprechen bei geringstem Risiko sind selten seriös.  Eine grundsätzliche Ungeeignetheit für Privatanleger:innen sehen wir allerdings keinesfalls. Wie bieten Online umfangreiches Material zum Investment an, sowie die Möglichkeit einer persönlichen Beratung. Zudem sollte unterschieden werden, welche Assets ein ELTIF umfasst.

Investitionen in nicht-börsengelistete Unternehmen oder Kredite sind oft komplizierter, weil viele verschiedene Firmen, Verträge und wirtschaftliche Entwicklungen eine Rolle spielen, während Wind- und Solaranlagen meist klar geplante und gut überschaubare Projekte sind. Wir geben unsere Renditeerwartungen für den Fonds mit vier bis sechs Prozent an. Das ist konservativ und bildet auch die Risikopositionierung der Fondswerte ab.

Das Gespräch führte Petra Franke.

Kevin Helm ist Produktmanager des GLS ELTIF – Energieinfrastruktur Fonds bei der GLS Investments, einer hundertprozentigen Tochter der GLS Bank

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