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ÖkostromumlageRekordanstieg der EEG-Umlage muss verhindert werden

Im Jahr 2021 steht ein Rekordanstieg der EEG-Umlage bevor
Für eine Senkung der EEG-Umlage um 5 Cent pro Kilowattstunde würden jährlich 12 Milliarden Euro anfallen. (Foto: Chris Barbalis auf Unsplash)

Greift die Politik nicht ein, könnte die Ökostromumlage im nächsten Jahr auf das Rekordhoch von 8,6 Cent je Kilowattstunde steigen. In Zeiten der Corona-Krise wären die Auswirkungen verheerend – sowohl für Haushalte als auch Unternehmen.

02.06.2020 – Derzeit beläuft sich die EEG-Umlage auf knapp 6,76 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh). Infolge der Corona-Krise könnte die Umlage für die Ökostromförderung im kommenden Jahr auf stolze 8,6 ct/kWh steigen und damit fast ein Drittel des Strompreises für Haushaltskunden ausmachen. Das haben Berechnungen des Thinktanks Agora Energiewende ergeben. Ein Eingreifen der Politik ist zwingend notwendig und muss dringend über die bisher geplanten Maßnahmen hinaus gehen.

Ein Vorschlag der Bundesregierung sieht eine Erhöhung des CO2-Preises auf Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas auf 25 Euro je Tonne CO2 vor. Die dabei entstehenden Finanzmittel sollen zur Senkung der EEG-Umlage genutzt werden. Jedoch würde diese dadurch nur um etwa 1,5 ct/kWh gesenkt werden können, sodass sie mit 7,1 ct/kWh noch immer über der derzeitigen Ökostromumlage läge.

Vor drei Wochen hatte der Thinktank bereits für ein 100 Milliarden Euro schwereres Corona-Konjunkturpaket zum Schutz der Wirtschaft und des Klimas geworben – und gleichzeitig für eine drastische Senkung der EEG-Umlage um 5 ct/kWh. Dadurch könne die Kaufkraft nachhaltig, zielgerichtet und sozial ausgewogen gestärkt und Stromkunden entlastet werden.

Wieso soll die EEG-Umlage überhaupt steigen?

Eine Kombination aus zwei unterschiedlich Faktoren könnte im folgenden Jahr zu dem Rekordanstieg der Ökostromumlage führen. Zum einen sind die Börsenstrompreise derzeit im Keller, was nicht nur an der Corona-Krise liegt. Aufgrund des massiven Preisverfalls von Erdgas im Großhandel fielen die Preise an der Strombörse deutlich. Das hat im Umkehrschluss dazu geführt, dass die Vermarktungserlöse von Ökostrom gesunken und die EEG-Förderzahlungen gestiegen sind.

Zum anderen ist der Stromverbrauch aufgrund der Corona-Krise regelrecht eingebrochen. Die geringere Nachfrage hat dementsprechend zu einem Überangebot auf dem Strommarkt geführt, wodurch der Börsenstrompreis weiter gefallen ist. Die Einnahmen aus der EEG-Umlage, die auf jede verbrauchte Kilowattstunde gezahlt werden, sind damit ebenfalls zurückgegangen.

Aufgrund der Konstruktion der EEG-Umlage führen diese beiden unterschiedlichen aber in die gleiche Richtung wirkenden Effekte dazu, dass die Umlage im kommenden Jahr stark ansteigen muss. Schließlich wird die Umlage ja genau aus der Differenz zwischen Vergütung und Einnahmen des EEG-finanzierten Stroms gebildet.

Senkung der EEG-Umlage kostet 12 Milliarden Euro

Zur Reduzierung der Ökostromumlage um 5 ct/kWh wären Mittel aus dem Bundeshaushalt in Höhe von rund 12 Milliarden Euro nötig – zuzüglich einer weiteren Milliarde Euro für entgangene Mehrwertsteuereinnahmen. Ab 2022 könnte das Geld dann bereits vollständig aus einem CO2-Preis auf Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel in Höhe von 50 Euro pro Tonne CO2 gegenfinanziert werden.

„Wir sehen in diesem Frühjahr extrem niedrige Preise an den Zapfsäulen. Ebenso sind Öl- und Gaspreise stark gesunken. Ein CO₂-Preis in der Größenordnung von 50 Euro pro Tonne würde für Verbraucherinnen und Verbraucher lediglich bedeuten, dass bei Heizöl, Erdgas, Diesel und Benzin die Vor-Corona-Preise wieder gelten“, erläutert Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Gleichzeitig kämen sie aber erstmals seit 20 Jahren in den Genuss von spürbar sinkenden Strompreisen.“ jk


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Denkender Bürger 02.06.2020, 08:51:28

Das die Energiewende teuer wird und das Geld dafür irgendwo herkommen muß, haben viele schon lange voraus gesagt. Ist ja auch logisch! Nur daß viele das entweder ignoriert oder abgestritten haben.

Schaun wir mal, was jetzt passiert ...

sonnenstromer 03.06.2020, 09:52:32

+9 Gut

An „Denkender Bürger“: wenn ich Ihre Kommentare lese, dann hat die Politik ihr Ziel erreicht. Alle sollen glauben, daß die Energiewende teuer ist.

 

Zwischen 1970 und 2010 wurde Kohlestrom mit 421 Milliarden Euro staatlich (Steuergeld) subventioniert, Atomstrom mit 219 Milliarden Euro, in die erneuerbaren 102 Milliarden Euro.

Deutschland bezahlt 90 Milliarden Euro im Jahr für Kohle, Öl und Gas. Auf 40 Jahre gerechnet sind das 360.000.000.000 Milliarden Euro.

 

Die Endlagerung des Atommülls ist auch auf den Steuerzahler abgewälzt, es werden viele Milliarden werden.

Das der Strom für den Endverbraucher immer teuer wird, ist politisch so gewollt. Die Großverbraucher in der Industrie zahlen keine EEG Umlage, auch profitieren diese von dem gesunkenen Börsenstrompreis. Denkende Bürger sollten sich mal die Liste mit den EEG Umlage befreiten Unternehmen ansehen.

 

Warum wird Diesel aus Steuergeld subventioniert? Warum wird Kerosin nicht besteuert? Warum ist Fliegen billiger als Bahnfahren? Warum sind Straßengütertransporte billiger als Schienengütertransporte?

 

Nur der Strompreis wird für den Endverbraucher immer mehr in die Höhe getrieben. Wenn die Politik endlich weiter als nur bis zur nächsten Wahl denken würde, könnte an diesen System auch endlich mal dringend viel verändert werden. Keine Subventionen auf Kohle, Öl und Gas, die Umweltschäden auf die Energieträger einberechnen, und das gesparte Geld in erneuerbare zukunftsfähige Energieerzeugung stecken. Die EEG-Umlage abschaffen und Strom somit für den Endverbraucher wieder bezahlbar machen.

 

Ich kann den Satz nicht mehr hören, daß die Energiewende teuer ist. Schwachsinn

sonnenstromer 03.06.2020, 11:51:08

+9 Gut

Korrektur: es sind natürlich 360.000.000.000 Euro (ohne Milliarden)

Denkender Bürger 05.06.2020, 08:39:59

+8 Gut

@ Sonnenstromer

 

Bitte sachlich bleiben und nicht schon wieder den moralishcen Zeigefinger erheben!

Sowohl die für die Energiewende notwendigen neuen energietechnischen Anlagen als auch die erforderliche teilweise Ertüchtigung des Energienetzes und die Anlage der notwendigen Energiespeicher kosten Geld.

Das ist nun mal eine unabänderliche Tatsache. Genau wie der Umstand, daß dieses Geld irgendwo her kommen muß.

Umsonst gibt es nun mal nichts - selbst der Tod kostet mindestend das Leben!

Die Frage ist nun, wo man dieses Geld her holt.

Und darauf darf man gespannt sein.

Denkender Bürger 08.06.2020, 23:11:25

+8 Gut

@ Sonnenstromer

 

Ergänzung:

Geld wächst nun mal leider nicht an Bäumen.

Wenn dies so wäre, hätte ich mir schon eine ganze Geldbaum-Plantage angepflanzt.

Andreas Küpper 02.06.2020, 11:51:41

Was ich bei Ihrem Artikel nicht verstanden habe ist, was die Umschichtung von der EEG Umlage auf die Steuern denn bringen soll? Der Steuerzahler und der Stromkunde sind doch die selben Menschen, oder? Also, was ich nicht am Strom bezahle, zahle ich bei den Steuern. Was bringt das?

Joschua Katz / Redaktion 02.06.2020, 12:06:47

+8 Gut

Hallo Herr Küpper,

 

vielleicht war das missverständlich formuliert, es soll keine Umschichtung der EEG Umlage auf Steuern stattfinden. Im Rahmen des Konjunkturpakets könnte die Senkung der EEG-Umlage aus dem Bundeshaushalt finanziert werden, später dann durch den CO2-Preis auf fossile Kraftstoffe. Die Steuern blieben also gleich, die EEG-Umlage würde sinken - so die Theorie.

 

Schauen wir mal, was die Bundesregierung heute beschließt.

 

Viele Grüße

Joschua Katz

Schwurzel 29.06.2020, 13:15:38

Noch nie waren Lügen/Betrug/Dummheit so wertvoll wie heute.

Jedes marktwirtschaftliche Unternehmen muss aus seinen Erlösen seine Zukunft und sein Überleben mitfinanzieren.

Aber da gibt es einige Branchen, für die gilt dies nicht. Automobilindustrie und Energiewirtschaft.

Denen müssen wir als Steuerzahler zwangsweise unter die Arme greifen.


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