Renewables-Based Economy Tracker REN21Rekordwachstum bei Erneuerbaren Energien, doch Strukturwandel hinkt nach

Windräder an einem Container-Hafen
Der Ausbau der Erneuerbaren Energien schreitet rasant voran, doch der Strukturwandel in Wirtschaft und Infrastruktur hält nicht mit. (Denis Ismailaj  luxdispersa on Unsplash License)

Erneuerbare Energien wachsen im Rekordtempo und haben Potenzial, die Weltwirtschaft neu zu gestalten – mehr Energiesicherheit, Resilienz und Wohlstand. Doch politische Rahmenbedingungen, Finanzierungsstrukturen und Infrastruktur bremsen aus.

23.06.2026 – Laut der aktuell publizierten ersten Ausgabe des REN21 Renewables-Based Economy (RBE) Tracker werden die Kapazitäten Erneuerbarer Energien zwar stark ausgebaut und bringen weitreichende gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Vorteile mit sich – dennoch bleiben Investitionen, Politik und Infrastruktur weiterhin stark auf fossile Brennstoffe ausgerichtet, so das Fazit.

Die Ergebnisse fallen in eine Zeit, in der eine neue Energiekrise – die Märkte und Schifffahrtsrouten rund um die Straße von Hormus erschüttert – die wirtschaftlichen sowie geopolitischen Risiken fossiler Abhängigkeit erneut vor Augen führt, schreiben die Autoren. Vor diesem Hintergrund fordert der Bericht ein Umdenken: Erneuerbare Energien müssten als strategischer Faktor für Energiesicherheit und wirtschaftliche Resilienz verstanden werden, nicht länger nur als Klimaschutzinstrument.

Der RBE Tracker wurde im Rahmen der neuen Renewables-Based Economy Hub von REN21 entwickelt und ist das erste globale Instrument, das misst, wie Erneuerbare Energien Wirtschaftssysteme verändern, durch ihre direkten Auswirkungen auf Energiesicherheit, Industrie, Investitionen, Infrastruktur, Resilienz und gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Folgewirkungen. Politischen Entscheidungsträgern soll der RBE Tracker eine fundierte Grundlage für die strategische Gestaltung der Energiewende bieten.

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Energiewende in Zahlen

Erneuerbare Energien stellen laut RBE Tracker bereits 85-90 Prozent der neu installierten Stromkapazitäten weltweit. Dennoch decken sie bislang erst rund 15 Prozent des globalen Energieverbrauchs, während fossile Brennstoffe nach wie vor rund 80 Prozent ausmachen.

Die Folge ist laut Bericht eine wachsende Kluft zwischen dem Ausbau Erneuerbarer Energien und den Rahmenbedingungen, die dafür notwendig sind. REN21 warnt, dass diese Defizite es Regierungen, Investoren und Unternehmen erschweren, Fortschritte zu bewerten und wirksame politische Maßnahmen zu entwerfen.

Bereit fürs neue Energiezeitalter? Mitnichten ...

„Die Welt tritt in ein neues Energiezeitalter ein, doch die Wirtschaft konnte mit der technologischen Entwicklung bislang noch nicht Schritt halten“, sagte Rana Adib, Geschäftsführerin von REN21. „Erneuerbare Energien sind inzwischen die dominierende Quelle neuer Stromerzeugung. Die nächste Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass sich Infrastruktur, Finanzierung und Politik schnell genug anpassen, um das volle wirtschaftliche Potenzial von Erneuerbaren nutzen zu können.“

Der RBE Tracker identifiziert vier Dimensionen der Energiewende: Energiesysteme, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Zu den wichtigsten Erkenntnissen zählen:

  • Wirtschaftssysteme sind weiterhin auf fossile Brennstoffe ausgerichtet.
  • Die globalen Investitionen in Erneuerbare Energien gingen 2025 um 70 Milliarden US-Dollar (9 Prozent) zurück, während die Fertigung erneuerbarer Energietechnologien weltweit wächst, aber nach wie vor überwiegend in China angesiedelt ist.
  • Weltweit fließen fossilen Brennstoffen nach wie vor rund dreimal mehr direkte Subventionen zu als Erneuerbaren Energien.
  • Gleichzeitig mangelt es an belastbaren Daten darüber, wie Erneuerbare Energien zu Wirtschaftsleistung, Wertschöpfung und Entwicklung beitragen – ein blinder Fleck, der Regierungen und Investoren daran hindert, den wirtschaftlichen Wert der Energiewende vollständig erfassen zu können.

Das Wachstum Erneuerbarer Energien verändert demnach das Energiesystem noch nicht grundlegend. Erneuerbare Energien decken laut Bericht global lediglich etwa 4-5 Prozent des Energieverbrauchs im Verkehrssektor und rund 10 Prozent des Wärmebedarfs.

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Schwarz-weißes Foto eines hohen Strommasts, der mitten in dicht bewaldeter Landschaft steht. Mehrere Hochspannungsleitungen verlaufen horizontal durchs Bild und sind am Metallmast befestigt. Der Hintergrund besteht aus einem bewaldeten Hang mit dichtem Baumbestand, wodurch die technische Infrastruktur stark mit der natürlichen Umgebung kontrastiert.  Die Aufnahme wirkt ruhig und zugleich technisch-industriell und thematisiert die Verbindung von Energieversorgung und Landschaft.
Globale Energiewende

Jetzt kommt es auf die Elektrifizierung an

Für die Abkehr von fossilen Brennstoffen reicht es nicht mehr, nur die Erneuerbaren auszubauen. Die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäudesektor und der Industrie muss nun stärker in den Blick genommen werden, fordert die IRENA.

Trotz des Rekordwachstums bei den erneuerbaren Stromerzeugungskapazitäten lag der Anteil von Erneuerbaren an der weltweiten Stromerzeugung im Jahr 2025 nur bei rund 33,7 Prozent heißt es im RBE Tracker. Strom selbst macht demnach weiterhin lediglich etwa ein Fünftel des globalen Endenergieverbrauchs aus. Fortschritte im Stromsektor und bei der Elektrifizierung allein reichen damit nicht aus, um eine auf Erneuerbaren Energien basierende Wirtschaft zu erreichen.

Auch die politischen Rahmenbedingungen bleiben fragmentiert, heißt es im Bericht. Derzeit verfügten nur wenige Länder über gezielte Strategien für Erneuerbare Energien, die alle wichtigen Endverbrauchs-Sektoren abdecken: Landwirtschaft, Gebäude, Industrie und Verkehr.

Integrierte Planung und Infrastruktur sind zentrale Engpässe

Weltweit warten bereits mehr als 2.300 Gigawatt (GW) an Projekten für Erneuerbare Energien und Batteriespeicher auf einen Netzanschluss, berichten die Studienautoren. Gleichzeitig wachsen Investitionen in den elektrifizierten Verkehr fast doppelt so schnell wie Investitionen in Stromnetze – und riskierten damit eine wachsende Lücke zwischen Stromnachfrage und dem Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur.

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Das internationale C40-Städte-Netzwerk hebt Erneuerbare Energien als den effektivsten Weg hervor, um eine bezahlbare und zuverlässige Energieversorgung zu sichern. Ziel ist es, den Einsatz fossiler Brennstoffe bis 2030 zu halbieren.

Um auf dem 1,5-Grad-Pfad zu bleiben, müsste die Welt bis 2030 rund 5,5 Billionen US-Dollar in Stromnetze und Flexibilitätslösungen investieren, ein Vielfaches des aktuellen Investitionsniveaus. „Dies ist kein Technologieproblem“, sagte Adib. „Die Technologien existieren und werden rasant ausgebaut. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, dass Investitionsentscheidungen, Planungsprozesse, Marktregeln und politische Rahmenbedingungen nicht im gleichen Tempo nachgezogen haben, um die Vorteile erneuerbarer Energien vollständig zu nutzen.“

Ziel muss Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen sein

Das Tempo der Energiewende werde künftig weniger von der Technologie bestimmt werden als vielmehr von den gesellschaftlichen Entscheidungen, die rund um die Technologie getroffen werden. „Die Energiewende lässt sich nicht länger allein in Gigawatt messen“, so Adib weiter. „Der eigentliche Maßstab ist, ob Volkswirtschaften widerstandsfähiger, sicherer und weniger abhängig von fossilen Brennstoffen werden.“

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Der Bericht identifiziert zudem erhebliche Datenlücken in globalen Energiedaten, darunter fehlende Informationen über den Beitrag Erneuerbarer Energien zu Wirtschaftswachstum, Lieferketten, Systemflexibilität, Eigentumsstrukturen und Kreislaufwirtschaft. „Was wir nicht messen, können wir nicht steuern“, so Adib. „Einige der größten Hindernisse und Chancen der Energiewende sind in den globalen Datensystemen nach wie vor weitgehend unsichtbar.“

REN21 fordert nun ein stärkeres globales Monitoring darüber, wie Erneuerbare Energien zu wirtschaftlicher und industrieller Entwicklung, Resilienz und Energiesicherheit beitragen, denn solide Daten wären die Grundlage für bessere politische Entscheidungen und eine beschleunigte Energiewende. na

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