EU-RohstoffversorgungRüffel für die Rohstoffstrategie

Mineralsalze
Für Batterien, Windräder und Solarzellen fehlen Rohstoffe: Laut Rechnungshof reicht das Tempo der EU-Rohstoffstrategie nicht aus, um Energie- und Klimaziele bis 2030 zu sichern (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Der Europäische Rechnungshof warnt: Die EU kommt bei Abbau, der Verarbeitung und dem Recycling kritischer Rohstoffe zu langsam voran. Die Abhängigkeit von Drittstaaten gefährdet Klimaziele und Versorgungssicherheit.

03.02.2026 – Rohstoffproduktion und Recycling in der EU entwickeln sich langsamer als notwendig, um die Versorgung mit den für die Energie- und Klimaziele notwendigen Rohstoffen bis 2030 sicherzustellen. Stattdessen ist die EU bei diesen Rohstoffen weiterhin stark von einzelnen Zulieferländern abhängig. Der Europäische Rechnungshof warnt vor drohenden Engpässen bei der Rohstoffversorgung für Erneuerbare Energien.

"Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben. Leider sind wir bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen heute in gefährlicher Weise von einer Handvoll Ländern außerhalb der EU abhängig", so Keit Pentus-Rosimannus, die als Mitglied des Rechnungshofs für die Prüfung zuständig war. "Daher ist es für die EU entscheidend, sich stärker ins Zeug zu legen und ihre Verwundbarkeit auf diesem Gebiet zu verringern."

Rohstoffversorgung sichern

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu senken und mindestens 42,5 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen sowie bis 2050 klimaneutral zu werden. Für die grüne Wende werden große Mengen an Rohstoffen benötigt, um etwa Batterien, Windräder, und Solarzellen zu bauen. 34 Rohstoffe hat die EU als besonders kritisch eingestuft, die Hälfte von ihnen wird zusätzlich als strategisch besonders wichtig definiert. 26 von ihnen, darunter Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und seltene Erden, sind unabdingbar für die Energiewende.

Für viele Rohstoffe ist die EU in hohem Maße von einzelnen Ländern abhängig, etwa von China für Magnesium, der Türkei für Bor oder Südafrika für Platin. Der 2024 von der EU verabschiedete Critical Raw Materials Act sieht vor, dass bis 2030 rund 10 Prozent dieser Rohstoffe für den europäischen Bedarf innerhalb der EU gefördert werden. Zudem sollen mindestens 40 Prozent der Rohstoffe innerhalb der EU aufbereitet werden, und mindestens 25 Prozent aus EU-Recycling stammen. Nicht mehr als 65 Prozent des jährlichen Bedarfs eines Rohstoffs soll aus einem einzigen Drittstaat bezogen werden. Genehmigungsverfahren sollen vereinfacht und beschleunigt werden. Besonders geförderte strategische Projekte sollen dafür die Grundlage schaffen.

Im Rahmen dieser Rohstoffstrategie hat die EU insgesamt 60 strategische Projekte ausgewählt, die die Bereiche Gewinnung, Verarbeitung, Recycling und Substitution von Rohstoffen abdecken und Mitte 2025 vorgestellt wurden. 47 strategische Projekte befinden sich innerhalb der EU, drei davon in Deutschland, und 13 weitere Projekte außerhalb der EU.

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Bisher wenig greifbare Ergebnisse

Die Rohstoffstrategie ziele zwar auf die richtigen Maßnahmen wie Importe diversifizieren, die heimische Produktion und Recycling steigern. Der Rechnungshof kritisiert jedoch, dass unklar sei, wie die Zielvorgaben errechnet wurden, und in welchem Maße sie zur Erreichung der Klimaziele beitragen sollen. Auch die Finanzierung der Programme sei nicht zentral geregelt, und ihre Wirkung werde nicht erfasst oder ausgewertet. Bisherige Anstrengungen hätten kaum greifbare Ergebnisse erzielt.

Die EU hat in den letzten fünf Jahren 14 neue strategische Rohstoffpartnerschaften geschlossen, doch Importe aus diesen Partnerländern sind bei rund der Hälfte der untersuchten Rohstoffe zwischen 2020 und 2024 zurückgegangen. Die Verhandlungen mit den USA wurden 2024 ausgesetzt, und das Mercosur-Abkommen noch nicht ratifiziert.

Das Recycling der 26 für die Energiewende relevanten Rohstoffe steht in der EU noch ganz am Anfang. Zehn Rohstoffe werden derzeit noch gar nicht wieder aufbereitet, bei sieben lägen die Recyclingquoten zwischen einem und fünf Prozent. Die Prüfer kritisieren, dass die Recyclingquote nicht auf bestimmte Rohstoffe abzielt, um etwa die Wiederverwertung besonders schwer gewinnbarer oder verfügbarer Materialien – beispielsweise seltene Erden und Palladium – anzureizen. Auch für die Verwendung recycelter Rohstoffe wurden keine Anreize geschaffen. Diese wären jedoch dringend geboten, um die europäische Recyclingindustrie wettbewerbsfähiger zu machen.

Bergbauprojekte innerhalb der EU kommen weiterhin nur schleppend voran. Bei der Rohstoffverarbeitung geht es sogar rückwärts: Bestehende Anlagen in der EU werden stillgelegt. In dem Bericht wird davor gewarnt, dass mangelnde Materialverfügbarkeit die Verarbeitungsindustrie innerhalb der EU weiter schrumpfen lassen könnte.

EU-Kommission offen für Verbesserungsvorschläge

Konkret empfiehlt der Rechnungshof eine Verbesserung der Datengrundlage, um Abhängigkeiten genauer zu bestimmen, eine gut begründete Präzisierung künftiger Rohstoffziele und deren anvisierter Wirkung, eine Methodik der Gewichtung der einzelnen Rohstoffbeiträge zu diesen Zielen, sowie Monitoring und Bewertung von zur Verfügung gestellten Finanzmitteln.

Die EU-Kommission hat mitgeteilt, dass innerhalb der Rahmenstrategie RESourceEU laufend an der Verbesserung der Rohstoffversorgung gearbeitet werde, und die Empfehlungen des Rechnungshofs aufgenommen werden sollen. jb

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