Südosteuropa: Rumänien setzt auf Großanlagen mit Speichern

Rumänien geht mit großen Schritten ins Gigawatt-Zeitalter der Erneuerbaren Energien. Projekte der Superlative entstehen, oft in Kombination mit Batteriespeichersystemen. Demnächst soll im Schwarzen Meer aber auch Gas gefördert werden.
14.04.2026 – Nach den politischen Turbulenzen um die abgebrochene und wiederholte Präsidentschaftswahl vor knapp einem Jahr ist Rumäniens wirtschaftliche Situation weiterhin kritisch. Der defizitäre Staatshaushalt nötigt die seit Mai 2025 amtierende Links-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Ilie Bolojan zu einer strikten Austeritätspolitik. Diese betrifft fast alle Ressorts, davon ausgenommen ist aber das Energieministerium. Ihm steht in diesem Jahr mit 19,7 Milliarden Lei (ca. 4 Mrd Euro) 268,6 Prozent mehr Geld zur Verfügung als im vergangenen Jahr. Darin enthalten sind aber auch EU-Gelder.
Investitionen in Batteriespeicher
Sein Land habe von der Europäischen Kommission „die Zustimmung für ein großes Investitionsprogramm zur Stromspeicherung erhalten“, freute sich Energieminister Bogdan Ivan kürzlich. In seinem Rahmen könnten 150 Millionen Euro „als nicht rückzahlbare Mittel die Entwicklung von Batteriespeichersystemen (BESS) mit einer Kapazität von knapp 2,2 Gigawattstunden finanzieren“. Die von Kraftwerksbetreibern und Prosumern erzeugte erneuerbare Energie ließe sich damit „besser in das Stromnetz integrieren, Ungleichgewichte können ausbalanciert und Strompreise kontrolliert werden“, so der Minister.
Daten seines Ministeriums zufolge soll bis zum Jahresende ein Kapazitätsvolumen an regenerativer Energie in Höhe von 3,2 Gigawatt hinzukommen. Rumäniens mit Abstand größtes Energieprojekt ist aber zum Bedauern von Umweltschützern ein konventionelles. Einhundertsechzig Kilometer vor der rumänischen Schwarzmeerküste realisieren der österreichische Mineralölkonzern OMV und Rumäniens staatlicher Gasversorger Romgaz für eine Investitionssumme von vier Milliarden Euro das gemeinsame Offshore-Gasprojekt Neptun Deep.
Gas-Förderung im Schwarzen Meer macht Rumänien zum Gas-Nettoexporteur
Ende 2027 soll es die Gasförderung aufnehmen und Rumänien mit einer jährlichen Förderung von bis zu acht Milliarden Kubikmetern Gas zum führenden Gasproduzenten der EU machen. Das Fördervolumen seiner Gasfelder wird auf rund 100 Milliarden Kubikmeter Gas veranschlagt, genügend für die kommenden fünfzehn Jahre. Die zu fördernde Gasmenge übersteigt den Bedarf der rumänischen Volkswirtschaft, so soll ein großer Teil davon ausgeführt werden und Rumänien erstmals in seiner Geschichte zum Gas-Nettoexporteur machen.
Organisationen wie Greenpeace Romania und Bankwatch Romania kritisieren das Projekt scharf. Es sei eine „Gasfalle und ein Risiko für den Übergang zu sauberer Energie“, teilt etwa Raluca Petcu, Gas-Campaignerin von Bankwatch Romania, auf journalistische Anfrage mit. Ihrer Ansicht nach setzt die Energiestrategie der rumänischen Regierung „zu arg auf Gas mit zahlreichen neuen Kraftwerken und Pipelines und drängt die heimische Industrie zur Gasnutzung“. Dies hält die Bankwatch-Expertin für „kontraproduktiv, weil es die Dekarbonisierung erschwert. So geht der nationale Gasnetzbetreiber gar von einer Verdoppelung des Gasverbrauchs ab 2027 aus“.
Dabei enthalte Rumäniens Nationaler Energie- und Klimaplan doch „das ehrgeizige Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien von gegenwärtig knapp 26 Prozent bis 2030 auf 38 Prozent zu erhöhen und bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen“, so Raluca Petcu. Dafür seien in den vergangenen Jahren die Kohleproduktion schrittweise reduziert und der Anteil erneuerbarer Energien kontinuierlich erhöht worden. Damit verfüge Rumänien inzwischen über „einen ausgewogenen Energiemix aus erneuerbaren Energien, Wasserkraft, Kernenergie, Gas und Kohle von jeweils um die 20 Prozent“.
Erneuerbaren-Rekord im Februar 2026
Um die Mittagszeit des 27. Februars 2026 erreichte die kommerzielle Solarstromerzeugung ohne Prosumers den Rekordwert von 2,048 Gigawattstunden. Dies weisen Daten des Übertragungsnetzbetreibers Transelectrica aus. Damit deckte die Sonnenkraft rund ein Drittel des Elektrizitätsbedarfs, während sich die Stromerzeugung aus Kernenergie und fossilen Brennstoffen auf rund 1,3 Gigawattstunden belief.
Eine kurzfristige Folge waren negative Strompreise. In diesem Jahr erwarten Marktbeobachter aufgrund des dynamischen Anstiegs installierter Leistung erneuerbarer Energien eine Rekordzahl an Tagen mit stundenweisen negativen Preisen.
Private Entwickler von Projekten regenerativer Energieträger lassen sich weder von staatlicher Gasförderung beirren noch von der Aussicht auf Negativpreise. Tag für Tag vermelden sie neue Vorhaben großmaßstäblicher Öko-Kraftwerke. Und immer häufiger werden diese als Hybridanlagen mit Batteriespeichersystemen (BESS) konzipiert.
Dies sei „genau die Art von Projekten, die Rumänien braucht, um das Stromnetz zu modernisieren und erneuerbare Energien sicher zu integrieren“, sprach Energieminister Bogdan Ivan im vergangenen Dezember anlässlich der Inbetriebnahme des 200 Megawatt-Photovoltaikparks des Investors Nova Power & Gas im Kreis Cluj. Kombiniert mit seiner 400-Megawattstunden-BESS-Anlage handelt es sich bisher um Rumäniens größte Hybridanlage.
Ausländische Investoren in Rumänien
Nun will aber die rumänische Niederlassung des österreichischen Energieunternehmens Enery in Ozegreni im Bezirk Giurgiu einen 534 Megawatt-Photovoltaikpark mit einer Speicherkapazität von über einer Gigawattstunde errichten. Und das chinesische Unternehmen Sungrow hat mit der rumänische Ingenieurgesellschaft Enevo Mitte März einen Vertrag über die Installation von Energiespeicherkapazitäten in Höhe von 1.000 Megawattstunden in Rumänien unterzeichnet. Bis zum Jahresende sollen zunächst 440 Megawattstunden realisiert werden und in einer zweiten Projektphase weitere 560 Megawattstunden.
Rumänien ist gegenwärtig einer der dynamischsten Märkte für Hybridanlagen aus erneuerbaren Energien und Batteriespeichersystemen in Europa.
„Unser Land hat hervorragende natürliche Bedingungen für Wind und Sonne und ist aufgrund seiner strategisch günstigen Lage im südosteuropäischen Energiesystem äußerst attraktiv für langfristige grüne Investitionen“, kommentiert der Generalmanager von PPC Renewables Romania, Adrian Dugulan, die aktuelle Entwicklung.
Die rumänische Tochter der griechischen PPC Group ist eigenen Angaben zufolge mit einem Portfolio von 1,5 Gigawatt installierter Kapazität der größte Privatentwickler im Bereich der regenerativen Energieträger in Rumänien.
In den vergangenen zwei Jahren habe sein Unternehmen seine Betriebskapazitäten verdoppelt und sei „fest entschlossen, bis Ende dieses Jahres die 2-Gigawatt-Marke zu erreichen“. Dafür erweitert PPC Renewables Romania derzeit seinen Windpark Deleni im Kreis Vaslui von 140 auf 225 Megawatt. Zudem plane man „weitere Großprojekte und Speichersysteme“.
Netzausbau hinkt hinterher
Als ein Problem angesichts des rasanten Ausbaus der regenerativen Erzeugerkapazitäten sieht Adrian Dugulan, „dass die veraltete Netzinfrastruktur damit nicht Schritt hält“. Die Investitionen in die Energieerzeugung schritten deutlich schneller voran als die Investitionen in die notwendige Infrastruktur. Dies sei aber eine „auch in anderen Ländern zu beobachtende Diskrepanz“.
Flexible Lösungen wie „Batteriespeicher und Pumpspeicherkraftwerke integriert in bessere regionale Verbindungen“ hält der PPC-Chef für notwendig, „damit das Potenzial der Erneuerbaren ausgeschöpft werden kann. Dies wird Versorgungssicherheit gewährleisten sowie stabilere und erschwinglichere Energiepreise“.
Als eine Möglichkeit zur Ausbalancierung ihrer Stromnetze planen Rumänien und Serbien ein drittes Wasserkraftwerk am Eisernen Tor der Donau. Für ein Investitionsvolumen von 1,4 Milliarden Euro wollen sie das 2,4 Gigawatt-Pumpspeicherkraftwerk Djerdap 3 errichten. Es soll ab 2038 mit seiner Möglichkeit zur saisonalen Stromspeicherung auch die Netzintegration von Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen erleichtern und die Stromnetzstabilität verbessern soll.
Einen Superlativ im Bereich der Photovoltaik kündigte kürzlich die rumänische Tochter der in Mittel- und Osteuropa sowie auf dem Balkan tätigen Rezolv Energy an. Im Kreis Arad an der Grenze zu Ungarn will sie „Europas größtes Solarkraftwerk" errichten. Dama Solar soll mit seiner Leistung von über einem Gigawatt den Strom-Jahresverbrauch von 280 000 Haushalten decken. Den von Dama Solar erzeugten Strom will Rezolv über langfristige Stromabnahmeverträge (PPA) auch an Gewerbe- und Industriekunden über die Grenze nach Ungarn verkaufen. Zudem werde derzeit die Möglichkeit geprüft, „zukünftig einen umfangreichen Energiespeicher zu integrieren, um die Versorgungssicherheit des Projekts zu verbessern und es so für Abnehmer aus dem Unternehmens- und Industriebereich attraktiver zu machen“.
An den Ausläufern der windreichen Karpaten hat die rumänische Niederlassung von Rezolv Energy im Kreis Buzau zudem mit den Bauarbeiten für sein 461 Megawatt Windkraftprojekt VIFOR begonnen, das zu den „größten Onshore-Windkraftanlagen in Europas“ zählen soll.
Für VIFOR hat Rezolv Energy bereits den „ersten grenzüberschreitenden Wind-Stromabnahmevertrag über die Donau nach Bulgarien“ abgeschlossen. Das bulgarische Aluminiumunternehmen Etem Gestamp wird über einen Zeitraum von zehn Jahren den Strom des Windparks VIFOR abnehmen. Ähnliche Lieferverträge hat Rezolv Energy zuvor bereits mit Unternehmen wie T-Mobile Tschechien, Slovak Telekom und Ardagh Glass Packaging-Europe abgeschlossen. Frank Stier






















































