Machtkonzentration im Energiemarkt: RWE-Übernahme bei Amprion könnte freien Energiemarkt gefährden

Die geplante RWE- Mehrheitsübernahme des Übertragungsnetzbetreibers Amprion erntet Kritik. Unabhängige Ökoenergieversorger fordern eine Überprüfung durch die Bundesnetzagentur.
14.08.2026 – Die vier unabhängigen Ökoenergieversorger naturstrom, Bürgerwerke, Elektrizitätswerke Schönau und Green Planet Energy kritisieren die geplante Aufstockung der RWE-Anteile am Übertragungsnetzbetreiber Amprion von 20 auf rund 55 Prozent. Sie warnen, dass diese Machtkonzentration der Liberalisierung des Energiemarktes widerspricht, den hart erkämpften Wettbewerb gefährdet und Nachteile für Verbraucherinnen und Verbraucher zur Folge haben könnte.
Netz und Energiehandel trennen
Amprion ist einer der vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber, die das Höchstspannungsnetz für den Strom-Fernverkehr betreiben. Mit der Mehrheitsübernahme gerät Amprion unter die direkte Kontrolle eines großen Energiekonzerns. Die Ökoenergieversorger kritisieren, dass die enge Verknüpfung von Deutschlands größtem Stromerzeuger mit einem Betreiber kritischer Netzinfrastruktur dem Prinzip der Entflechtung widerspricht, also der strikten Trennung von Netzbetrieb, Energievertrieb und -erzeugung. RWE könnte durch den direkten Zugriff auf interne Netzbetriebsdaten unfaire Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten erlangen – zulasten von Marktvielfalt und Verbrauchern. Es drohe eine weitere Monopolisierung im deutschen Stromsektor.
„Die Trennung von Netz und Energiehandel ist einer der Grundpfeiler der Strommarkt-Liberalisierung“, kommentiert Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG. Es sei unverständlich, warum dieser Deal ohne größere Prüfung durchgewunken werde, obwohl das Kartellamt mehrfach konstatiert habe, dass RWE in der Stromerzeugung schon an der Schwelle zur Marktbeherrschung stehe.
RWE und Amprion verteidigen den Deal
RWE und Amprion verteidigen den Schritt als Gewinn für den Netzausbau. RWE hat angekündigt, die Investitionen in die Infrastruktur deutlich zu erhöhen.
Forderung nach strenger Prüfung durch die Bundesnetzagentur
Das Bundeskartellamt hat den Einstieg und die Erhöhung der Beteiligung im Sommer 2026 nach einer wettbewerbsrechtlichen Prüfung freigegeben. Das Amt kam zu dem Schluss, dass sich die Anreize für Marktbenachteiligungen durch den Zukauf nicht grundlegend verändern.
Die Ökoenergieversorger fordern zusätzlich ein formelles Zertifizierungsverfahren nach dem Energiewirtschaftsgesetz (§§ 4a ff. EnWG) bei der Bundesnetzagentur. Im Fokus steht dabei, die Neutralität Amprions zu gewährleisten. In einem solchen Verfahren müsste unter anderem sichergestellt werden, dass weiterhin ein diskriminierungsfreier Netzzugang für alle Marktteilnehmer besteht, sensible Netzbetriebsdaten geschützt werden und Amprion trotz RWE-Mehrheit unabhängig agiert. Die Ökoenergieversorger betonen, dass eine transparente und strenge Prüfung entscheidend ist, um Marktverzerrungen durch die Übernahme zu verhindern. Sven Kirrmann / jb
























































