Indien: Sauberer Strom für Indien

Sauberer Strom deckte in den vergangenen zwei Jahren den Anstieg des Strombedarfs in Indien vollständig ab. Erstmals seit 50 Jahren stagnierte die Kohleverstromung. Doch die Schwerindustrie treibt Emissionen weiter nach oben.
22.09.2026 – Zwei Jahre in Folge sind die CO2-Emissionen aus Indiens Stromsektor nicht gestiegen, obwohl die Stromnachfrage weiter wuchs. Der Ausbau sauberer Energiequellen konnte den Anstieg von 7 Prozent, immerhin etwa so viel wie der gesamte Jahresverbrauch der Schweiz, vollständig decken. Die Emissionen aus Indiens Stromsektor fielen damit auf das Niveau von 2024.
Indien hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil nicht-fossilen Energiequellen – also aus Erneuerbaren und Atomenergie – bis 2035 auf 60 Prozent zu steigern. Im Februar 2026 erreichte Indien einen Anteil von 52,57 Prozent und übertraf damit seine Ziele für 2030 fünf Jahre früher als geplant.
Erneuerbare Energien decken Anstieg des Strombedarfs
Zwischen der ersten Jahreshälfte 2024 und der ersten Jahreshälfte 2026 legte die Stromnachfrage in Indien umgerechnet rund 63 Terawattstunden (TWh) zu, wie eine Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) für das Fachportal Carbon Brief zeigt. Solarenergie allein steuerte 44 TWh bei, hinzu kamen die Windkraft mit 13 TWh und Wasserkraft mit 8 TWh. Zusammen erzeugten Solar-, Wind- und Wasserkraft in den zwei Jahren rund 65 Terawattstunden zusätzlich – und deckten damit den gesamten Nachfrageanstieg von 63 TWh mehr als ab.
In der Analyse wurde auch Atomkraft als nicht-fossile Energie eingerechnet. Mit 7 TWh leistete sie allerdings den kleinsten Beitrag und war nicht ausschlaggebend für die Aussage, dass nicht-fossile Energien den Anstieg der Stromnachfrage decken konnten.
Öl- und Gasverbrauch rückläufig
Indiens Verbrauch von Öl und Gas ist zwei Jahre in Folge gesunken. Hintergrund war zuletzt die fossile Krise aufgrund des Iran-Kriegs, die Preise in die Höhe getrieben hatte. Besonders deutlich zeigte sich dies beim Flüssiggas (LPG), dessen Verbrauch im ersten Halbjahr 2026 um 7 Prozent einbrach. Die hohen Gaspreise führten in Teilen des Landes sogar dazu, dass Industrie und Gastronomie zeitweise wieder auf Kohle, Biomasse oder Kerosin auswichen.
Stahl und Zement lassen Gesamtemissionen weiter steigen
Trotz der positiven Entwicklung im Stromsektor sind Indiens Gesamtemissionen im ersten Halbjahr 2026 um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Verantwortlich dafür ist vor allem die Schwerindustrie: Die Emissionen aus Stahl- und Zementproduktion legten um 8 Prozent zu und machen inzwischen 23 Prozent der gesamten CO2-Emissionen des Landes aus.
Indiens Industrie hat die zweitniedrigste Elektrifizierungsrate unter den G20-Staaten. Wächst die Produktion, steigt damit auch fast automatisch der fossile Energieverbrauch – ein struktureller Unterschied zum Stromsektor, wo emissionsarme Alternativen zunehmen.
Netze und Speicher ausbauen
Für eine erneuerbare Zukunft steht Indien allerdings noch einiges bevor. Der starke Zubau Erneuerbarer Anlagen bringt das Stromnetz bereits zeitweise an seine Grenzen, immer häufiger muss abgeregelt werden. Wie auch in Europa ist ein erheblicher Ausbau der Übertragungsnetze und ein deutlich schnellerer Aufbau von Speicherkapazitäten notwendig.
Derzeit verfügt Indien über rund 7,5 Gigawattstunden (GWh) Batteriespeicher, bis 2027 sind laut nationalem Elektrizitätsplan 82 GWh vorgesehen. Bereits ausgeschrieben sind Speicherprojekte im Umfang von etwa 272 GWh, ein Großteil davon Pumpspeicher.
Indien investiert weiter in fossile Infrastruktur
Obwohl die Kohleverstromung erstmals seit 50 Jahren stagniert, wurden 8,5 Gigawatt neue Kohlekraftwerkskapazität installiert. Ende Juni befanden sich zudem 43 Gigawatt an neuen Kohlekraftwerken im Bau, hinzu kommen große Pläne zur Kohlevergasung für die chemische Industrie.
Die Investitionen könnten den Kohleeinsatz in der Industrie über Jahrzehnte festschreiben – selbst wenn der Stromsektor längst auf einem anderen Weg ist. jb






















































