Illegale russische Öltransporte: Schattenflotte gefährdet Ostsee

Alte und unversicherte Schiffe transportieren weiter Öl von Russland durch die Ostsee. Bei einer Havarie droht eine Ölpest – mit schweren Folgen für Ökosysteme, Fischbestände und Küstenländer und kaum auffindbaren Verantwortlichen.
17.02.2026 – Die russische Schattenflotte transportiert weiter Öl über die Ostsee nach Asien. Zwar listet etwa die EU in ihrem 19. Sanktionspaket gegen Russland 557 Schiffe der russischen Schattenflotte, die u.a. europäische Häfen nicht anlaufen dürfen, doch an der Umsetzung hapert es. Trotz einer Erklärung des EU-Rats Ende vergangenen Jahres, die Geisterschiffe künftig stoppen zu wollen, ließen deutsche Behörden bisher 19 von 20 solcher Schiffe etwa bei der Einfahrt in die Ostsee passieren, berichtet Greenpeace.
Ölpest voraus?
Die alten, und oft kaum versicherten Schiffe stellen ein erhebliches Wirtschafts- und Umweltrisiko dar. Eine datenbankgestützte Simulationsstudie, die das Helmholtz-Zentrum Hereon für die Umweltschutzorganisation Greenpeace erstellte, konnte zeigen, dass Havarien entlang der Schattenflotten-Route das Ostsee-Ökosystem schwer schädigen und damit auch die Küstenländer bedrohen würde. Eine Ölpest entlang der von der Schattenflotte befahrenen Ostsee-Route könnte Meeres- und Küstenschutzgebiete von Finnland über Schweden und Deutschland bis nach Dänemark betreffen. Viele sind nicht nur für die Biodiversität von höchster Relevanz, sondern auch für Fischbestände und Urlaubsgebiete. Simuliert wurden acht verschiedene Unfallorte mit 48.000 Tonnen Öl der Sorte “Ural Crude” entlang der Tankerroute vom russischen Ölhafen Primorsk bis zum dänischen Skagen am Ausgang der Ostsee, und deren Ausbreitung über 30 Tage.
“Das Letzte, was die ohnehin schwer bedrohte Ostsee braucht, ist eine Ölpest. Die Simulationen zeigen, wie dadurch das Ökosystem für Jahrzehnte belastet wird", sagt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. “Außenminister Johann Wadephul muss seinen Worten endlich Taten folgen lassen und flaggen- und damit staatenlose Tanker an die Kette legen.”
Die veralteten Schiffe in der Schattenflotte werden weder ordnungsgemäß versichert noch sicher betrieben. Es ist unklar, wer bei einer Havarie haften oder für Umweltschäden in Folge einer Ölpest aufkommen würde. Findet sich kein Verantwortlicher, bleiben die Steuerzahler auf den Kosten sitzen.
Schattentransporte von Russland nach Asien
Russland gehört zu den größten Exporteuren von Öl und Gas. Der Export ist für Russland wirtschaftlich und politisch von großer Bedeutung, da Öl- und Gasverkäufe einen wesentlichen Teil des Staatshaushalts ausmachen – und den Krieg gegen die Ukraine finanzieren.
In Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 verhängten westliche Staaten wie die G7 und die EU Sanktionen gegen Russland. Diese umfassen einen Preisdeckel für Öl und Ölprodukte – von 60 USD pro Barrel – und ein Verbot für Versicherer und Dienstleister aus ihren Jurisdiktionen, Ölexporte zu bedienen, die darüber verkauft werden.
Um die Sanktionsauflagen zu umgehen, transportiert Russland seitdem Öl mit alten Tankern, deren Herkunft auf vielerlei Weise verschleiert wird. Oft sind sie in nicht-westlichen Registern eingetragen, haben komplexe Eigentümerstrukturen, schalten ihre Ortungssysteme systematisch ein und aus, wechseln häufig Flaggen- und Namen und laden auf hoher See um. Meist transportieren die Schiffe der Schattenflotte Öl nach China oder Indien – von wo aus es teilweise wieder auf dem europäischen Markt landet. jb



















































