EU-Strommix 2025Erstmals mehr Strom aus Erneuerbaren als aus fossilen Energien in der EU

Solarpaneele
Mehr Strom aus Erneuerbaren als aus Fossilen in der EU (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Der Trend geht zu Erneuerbaren: In der EU hatten Solar- und Windenergie im vergangenen Jahr einen Anteil von 30 Prozent am Strommix und überholten damit fossile Energieträger. In 14 von 27 Ländern erzeugten Wind und Solar 2025 mehr Strom als Fossile.

22.01.2026 – Mit einem Rekordhoch von 30 Prozent am EU-Strommix erzeugten Wind- und Solaranlagen 2025 mehr Strom als fossile Energieträger, die einen Anteil von 29 Prozent ausmachten. Getrieben wurde das Hoch von einem starken Solarausbau, der das vierte Jahr in Folge deutliche Zuwächse der Solarkraft lieferte.

Das zeigt der European Electricity Review, ein umfassender Überblick über den EU-Stromsektor 2025 der Denkfabrik Ember. Analysiert wurden Daten zur Stromerzeugung und -nachfrage 2025 in allen 27 EU-Ländern mit dem Ziel, Fortschritte der Region bei der Energiewende abzubilden.

„Dieser Meilenstein zeigt, mit welcher Geschwindigkeit Wind und Solar sich zu Eckpfeilern des EU-Stromsektors gewandelt haben“, sagte die Autorin des Berichts, Beatrice Petrovich. „Auch weil die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen globale Instabilität befeuert, ist die Bedeutung der Energiewende wichtiger denn je.“

EU-Strommix fast zur Hälfte Erneuerbar

Mit 48 Prozent – rund ein Prozent mehr als im Vorjahr – lieferten Erneuerbare Energien nahezu die Hälfte des EU-Stroms im vergangenen Jahr. Dabei waren die Wetterbedingungen in großen Teilen des Jahres weniger günstig für Wind- und Wasserkraft, deren Anteile um 12 Prozent bzw. 2 Prozent zurückgingen. Mit einem Anteil von 17 Prozent blieb die Windenergie trotzdem der zweitgrößte Stromerzeuger und lag weiterhin vor Gas als Stromquelle.

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Günstiger waren die Wetterbedingungen für die Solarkraft, die mit einem Anteil von 13 Prozent sowohl Kohle als auch Wasserkraft überholte, und in Deutschland sogar Gas. In allen EU-Ländern wurden Solaranlagen massiv zugebaut und Solarenergie wuchs das vierte Jahr in Folge um mehr als 20 Prozent, mit einer Gesamterzeugung von 369 TWh. Mehr als ein Fünftel des Stroms machte Solarenergie in Ungarn, Zypern, Griechenland, Spanien und den Niederlanden aus.

Das Stromsystem der EU wandelt sich

Die Energiewende ist in der EU auf dem Vormarsch. In mehr als der Hälfte der EU-Länder erzeugten Wind und Solar 2025 mehr Strom als fossile Quellen. Wind- uns Solarenergie stiegen von 20 Prozent im Jahr 2020 auf 30 Prozent 2025. Der Anteil fossiler Brennstoffe fiel im gleichen Zeitraum um ganze 37 Prozent, Wasserkraft und Kernkraft waren stabil oder leicht rückläufig.

Besonders deutlich zeigte sich der Rückgang der Kohleverstromung in der EU. In Deutschland und Polen, die zuletzt noch am meisten Kohle nutzten, fiel die Kohleverstromung erneut auf ein historisches Tief. Insgesamt lag die Stromerzeugung aus Kohle in der EU damit nur noch bei 9,2 Prozent – Gegenüber rund einem Viertel vor gerade einmal 10 Jahren.

Deutschland trägt ein Viertel des EU-Wind- und Solarstroms bei

In Deutschland machten Erneuerbare insgesamt rund 59 Prozent des Strommixes aus. Der Anteil von Wind- und Solarstrom lag mit 45 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von 30 Prozent. Damit trug Deutschland allein über ein Viertel der gesamten Wind- und Solarstromerzeugung der EU bei. Trotz ungünstigerer Wetterbedingungen blieb die Windenergie mit rund 27 Prozent die größte Stromquelle.

„Bereits heutzutage nutzt Deutschland nicht all seinen grünen Strom. Wind- und Solaranlagen werden regelmäßig abgeregelt, insbesondere in Zeiten mit hoher Erzeugung und niedrigen Preisen. Investitionen in Batteriespeicher würden sicherstellen, dass noch mehr von diesem Strom genutzt werden kann, während gleichzeitig die Kosten der Verbraucher gesenkt werden und die Abhängigkeit von Gasimporten reduziert wird“, kommentiert Leonard Heberer, Analyst bei Ember.

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Gaskosten steigen

Im vergangenen Jahr nahm die Verstromung von Gas in der EU um rund 8 Prozent zu. Dies wurde notwendig, um den Rückgang aus der Wasserkraft auszugleichen. Der Trend der Gasverstromung in der EU ist allerdings insgesamt seit Jahren rückläufig. Auch 2025 lag die Stromerzeugung aus Gas mit 18 Prozent noch unter dem letzten Höchststand von 2019.

Der Verbrauchsanstieg ließ auch die Gasimporte und -kosten erstmals seit der Energiekrise 2022 wieder steigen. Durchschnittlich stiegen die Preise am Strommarkt in der EU auch dadurch um 11 Prozent.

Sicherheitsrisiko Gas

Die EU-Energieministerinnen und -minister einigten sich Ende 2025 auf ein vollständiges Importverbot von russischem Gas – inklusive LNG – in die EU bis Ende 2027. Neue Abhängigkeit von einzelnen LNG-Lieferanten drohen jedoch, der EU weiter geo- und sicherheitspolitisch zu schaden.

„Die nächste Priorität für die EU sollte sein, die Abhängigkeit von teurem, importiertem Gas deutlich zu verringern“, empfiehlt Beatrice Petrovich. „Gas macht die EU nicht nur anfälliger für Energieerpressung, es treibt auch die Preise in die Höhe.“ jb

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