Zweitgrößter Solarmarkt der Welt: Solarboom in Indien strapaziert das Stromnetz

In Indien werden vor allem viele Solarparks gebaut, der Zubau ist enorm. Das stellt auch das Stromnetz vor Herausforderungen, denn besonders um die Mittagszeit kann der erzeugte Solarstrom nicht abtransportiert werden, immer öfter wird abgeregelt.
05.08.2026 – Hitzewellen haben in Indien den Strombedarf auf Rekordhöhen getrieben. Als das Netz in diesem Jahr mit großer Nachfrage und geringer Stromerzeugung aus Wasserkraft zu kämpfen hatte, übernahm tagsüber die Solarenergie und lieferte einen Großteil des Stroms. Die Sommermonate März bis Mai 2026 zeigten, dass Strom aus Photovoltaik zu einer immer wichtigeren Säule der indischen Energiesicherheit wird. 2025 war das Land auf Rang 2 beim weltweiten Zubau neuer PV-Kapazitäten.
Ein Report des Analyse-Unternehmens Ember zeigt, dass der starke Photovoltaik-Ausbau der letzten Jahre ähnliche Herausforderungen an das Stromsystem stellt wie hierzulande: Ein robustes Übertragungsnetz ist notwendig, um den Strom aus den großen Solarparks in die Nachfragezentren zu transportieren. Zudem werden flexible Bausteine wie Batteriespeicher gebraucht, um erzeugte Strommengen zwischenzuspeichern und ihre Lieferung in die Nacht zu verlagern.
Um saubere Energie zur neuen Normalität zu machen, werden koordinierte Investitionen in Infrastruktur, Technologie und passende politische Weichenstellungen notwendig, so das Fazit der Ember-Analysten.

Kleine Solaranlagen auf Hausdächern in der indischen Stadt Mehsana/Gujarat. (Foto: Nizil Shah auf Wikimedia / CC BY-SA 4.0)
Rund 36,6 Gigawatt neuer Solarleistung wurden 2025 ans Netz angeschlossen, ein Anstieg um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Summe waren damit zu Jahresbeginn rund 136 Gigawatt PV-Leistung installiert, meist in großen Solarparks (81 Prozent).
Der Zubau auf privaten Hausdächern verläuft schleppend. Das liegt auch daran, dass Kleinverbraucher von niedrigen Strompreisen profitieren und sich die Investition in eine Anlage deshalb kaum rechnet. Zudem gibt es einiges an Bürokratie zu überwinden.
Die Windkraft wächst deutlich langsamer, jedoch gewinnt der Ausbau an Tempo. 2025 wurden 6,3 Gigawatt Windkraftleistung neu gebaut, die installierte Gesamtleistung beträgt 54 Gigawatt.
Mittagsspitze muss immer öfter abgeregelt werden.
Solar- und Windenergie lieferten 2025 im Durchschnitt etwa 14 Prozent der indischen Stromerzeugung, doch mittags kann der Anteil bis zu 41 Prozent erreichen. Diese Spitze bringt das Stromsystem an seine Grenzen. Die notwendige Flexibilität kommt derzeit vor allem aus Kohlekraftwerken, die jedoch zunehmend auf und unter ihre minimale technische Last gedrängt wird. Während nachts fast 90 Prozent des Stroms aus Kohlekraftwerken kommt, beträgt der Anteil der Kohlekraft um die Mittagszeit nur knapp über 55 Prozent. Immer öfter müssen Solarparks abgeregelt werden, nur um die Kohle physisch betriebsfähig zu halten. Das Volumen der Abregelung von Windkraft- und Solaranlagen beträgt bis zu sechs Prozent ihrer Erzeugungsleistung.
Das müsste nicht sein. Rund zehn Gigawattstunden Speicherkapazität würden laut der Ember-Analyse ausreichen, um die überschüssige erneuerbare Erzeugung aufzunehmen. Ende 2025 wurden deshalb neue Anschlussregeln geschaffen. Batteriespeicher in Indien können unabhängig von einer erneuerbaren Anlage ans Netz angeschlossen werden, aber auch Co-located, also in unmittelbarer Nähe einer Wind- oder PV-Anlage. Der Bau von Batteriespeichern wird regulatorisch und finanziell gefördert. Ein Ausbau auf eine Kapazität von 43 Gigawattstunden ist anvisiert.
Die Wasserkraft, die in Indien traditionell eine große Rolle spielt, ist nach wie vor wichtig. Sie trägt einen Anteil von acht Prozent an der Stromerzeugung. Allerdings lässt sie sich nicht mehr so stabil einbinden wie in der Vergangenheit. Schwächere oder verspätete Monsune sorgen dafür, dass die Niederschläge unberechenbarer werden, was den verlässlichen Betrieb von Wasserkraftwerken erschwert.
Massiver Ausbau des Übertragungsnetzes
Indien hat sich ehrgeizige Ziele für den Netzausbau gesetzt. Bis 2032 soll das Übertragungsnetz von 504.000 Kilometern auf 648.000 Kilometer wachsen und bis 2030 für die Integration von über 500 Gigawatt erneuerbarer Leistung ausgelegt sein. Dafür werden auch wirtschaftliche Anreize gesetzt, beispielsweise die Befreiung von Übertragungsnetzentgelten oder staatliche Zuschüsse für Green-Energy-Korridore. Jedoch gibt es auch bei diesem Aspekt Parallelen zu Deutschland: neue Leitungen zu bauen dauert deutlich länger als der Bau neuer Kraftwerke. pf















































